Von Django – mit den besten Empfehlungen / Uno dopo l’altro / One After Another

Mit brutaler Gewalt rauben maskierte Banditen die Canyon City Bank aus. Nur Direktor Jefferson kann dem gnadenlosen Gemetzel entkommen, das die Handschrift von Espartero und seiner Gang trägt. Als der Revolvermann Stan von dem Banküberfall erfährt, bei dem auch dessen Freund ermordet wurde, gibt es für ihn nur ein Ziel: Espartero zu stellen. Doch es zeigt sich, dass ein anderer die Verantwortung für den Banküberfall trägt: Jefferson. Gemeinsam machen sich die beiden Gun-Men auf die Jagd nach dem Mörder – und dem geraubten Gold … (Colosseo Film)

Uno dopo l’altro ist weniger vorhersehbar als der typische Italo-Western, der in den 60er bis 70er Jahren zu hunderten produziert wurde, was den Film etwas von der grauen Masse abhebt. Ein Grund dafür ist zum Beispiel die Darstellung des (Anti-)Helden, denn Richard Harrisons Charakter Stan Ross kommt ziemlich unsympathisch rüber und zeigt des Öfteren seine schlechte Seite, indem er Leute ruppig beleidigt oder kaltblütig abknallt. Trotzdem, oder gerade deswegen, gestaltet sich die brillentragende Person interessant. Wahrscheinlich auch, weil er sich total undurchsichtig/unberechenbar präsentiert und man nie so richtig weiß was seine nächsten Schritte sein werden.

Obwohl der Film recht schnell die vertraute Western-Formel „Die bösen Jungs werden einer nach dem anderen (so ja auch der Originaltitel) gejagt und erledigt“ abspult, wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers dennoch durch einige unerwartete Wendungen in der Handlung, ungewöhnliche Kameraeinstellungen, gute Musik und ein recht flottes Tempo aufrechterhalten. Das Drehbuch, von Mariano de Lope, Carols Emilio Rodriguez, Giovanni Simonelli und Regisseur Nick Nostro verfasst, verpasst Von Django mit den besten Empfehlungen einen doppelläufigen Schuss Film Noir, indem es alle Charaktere vom betrügerischen Bankier über den einsamen Kopfgeldjäger bis zur Femme Fatale des Saloons ohne jegliche moralische Bedenken darstellt.

Allen gelüstet es nach Reichtum, Macht und/oder Rache und wirklich jeder scheint mehr als glücklich zu sein, wenn er jemanden in den Rücken schießen kann. Die Musik von Berto Pisano geht für einen Italo-Western vollkommen in Ordnung, wobei uns Fred Bongusto in dem von ihm gesungenen Titellied auf seltsame Art und Weise versucht das Zählen beizubringen. Nick Nostro gelingt es zusätzlich noch einige Momente Schwarzen Humors (Leichenbestatter, Djangos/Stans scheinbar unerschöpflicher Vorrat an Ersatzbrillen) in diesem überdurchschnittlichen Spaghetti-Western zu platzieren. Richard Harrison liefert eine starke, ruhige, robuste und fiese Vorstellung ab, während Josè Bòdalo ohne Bart zu sehen ist und seine Rolle als schmieriger Banker, wie gewohnt, wunderbar ausfüllt.

Die DVD von Colosseo-Film kann in den Punkten Bild- und Tonqualität vollkommen überzeugen. Das Bild wird uns im Originalformat 2.35:1/16:9 präsentiert und ist frei von Bildschäden. Auch Schärfe und Kontrast können gefallen. Bei den Audiospuren kann zwischen der deutschen, der englischen und der italienischen gewählt werden, die alle gut verständlich sind. Deutsche Untertitel können wahlweise zugeschaltet werden. Die Extras beinhalten ein recht langes und interessantes Interview mit Richard Harrison (WildEast), der sehr viel über alte Italo-Zeiten zu berichten weiß, zwei Trailer zum Film (deutsch/englisch), einen Trailer zu Un dollaro tra i denti und eine umfangreiche Bildergalerie. Bei dem Film handelt es sich um die ungekürzte Fassung, die ca. sechs Minuten länger läuft als die deutsche Kinoversion. Die DVD wird in einem schön gestalteten Pappschuber (ohne FSK-Logo) ausgeliefert. Ein Wendecover für die DVD-Hülle ist auch vorhanden.

Colosseo Film gelingt eine klasse Veröffentlichung, die in Deutschland erstmals in der ungeschnittenen Fassung erhältlich ist. Die technische Qualität der DVD versteht es genauso zu überzeugen wie der Film, der wohl als überdurchschnittlicher, ziemlich gemeiner und grausamer Italo-Western bezeichnet werden kann. Western-Fans werden hier nicht anders können als zuzugreifen!

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  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 2.35:1
  • Regisseur: ‎Nick Nostro
  • Medienformat: ‎Dolby, PAL, Breitbild
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 39 Minuten
  • Darsteller: ‎Richard Harrison, Pamela Tudor, Paolo Gozlino, Jolanda Modio
  • Untertitel: ‏Deutsch
  • Sprache: Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: Colosseo Film

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Dieses Cover stellt schon ein kleines Kuriosum dar, denn auf der Vorderseite ist nicht etwa Richard Harrison abgebildet, der hier die Hauptrolle spielt, sondern Johnny Hallyday aus Gli Specialisti / Fahrt zur Hölle ihr Halunken von 1969

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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