Von Mann zu Mann / Da uomo a uomo / Death Rides a Horse

Der junge Bill überlebt als einziger das Massaker einer Gruppe von Banditen an seiner Familie. Jahre später begegnet Bill, der zu einem rachebesessenen Revolverhelden geworden ist, einem ehemaligen Mitglied der Bande namens Ryan, erkennt ihn jedoch nicht. Auch Ryan, der jahrelang in einem Strafgefangenenlager zugebracht hat, will sich an der Bande rächen, weil sie ihn verraten hat. Die beiden ungleichen Männer beginnen die Suche nach den Mördern, die mittlerweile reiche und mächtige Bürger aufstrebender Städte geworden sind. Dabei versuchen Bill und Ryan, jeweils als erster anzukommen, um ihre Rache zu vollstrecken, und den anderen abzuhängen. In den entscheidenden Momenten aber retten sie sich mehrfach gegenseitig das Leben… (Explosive Media)

Der Beginn von Giulio Petronis Von Mann zu Mann erinnert mehr an einen Horrorfilm als an einen Western (hier passt der englische Titel Death rides a horse, der aus der Gothic-Horror Ecke stammen könnte, wirklich gut). In einer dunklen, verregneten und sehr stürmischen Nacht überfällt eine Horde von blutrünstigen Verbrechern eine Farm und tötet (beinahe) jeden, der ihr im Wege steht. Die Frauen werden vor ihrem gewaltsamen Tod natürlich noch geschändet. Diese Morde konstituieren praktisch einen Prolog zu dem was nun folgen soll. Nämlich eine Rachegeschichte, wie man sie aus vielen anderen italienischen Western kennt. Gleichzeitig ist es aber auch ein etwas verdrehter „Kumpelfilm“ in dem ein junger traumatisierter Revolverheld (John Phillip Law) und ein mysteriöser älterer Ex-Sträfling (Lee van Cleef) darum konkurrieren Rache an derselben Bande von Halsabschneidern zu nehmen.

Der Film stellt Petronis erste richtige Regiearbeit dar, was man der etwas kruden aber effektiven Inszenierung anmerken kann. Der Regisseur reichert Von Mann zu Mann mit barocker Folter und LSD-Flashbacks an, während eine stark primitive Welt porträtiert wird, in der die Gier nach Geld, Macht und Rache sowie Korruption regiert. Wer das Rachemotiv anderen im Western eingesetzten Motiven vorzieht, dürfte Da Uomo a Uomo richtig gut gefallen. Allerdings kommt der Film nicht an die Leones, Sollimas oder die meisten Corbuccis (Sergio) ran, was den Streifen im oberen Mittelfeld des Genres ansiedeln lässt. Ein großes Plus für Die Rechnung wird mit Blei bezahlt (was eine Titelvielfalt!?) stellt neben Luciano Vincenzonis recht gelungenem Drehbuch selbstverständlich die tolle Besetzung dar.

Neben Lee van Cleef und John Phillip Law, die beide gute bis sehr gute Leistungen abliefern, dürfen noch viele weitere „Spaghetti-Western-Regulars“ wie Mario Brega, Bruno Corazzari, Anthony Dawson, Jose Torres und Luigi Pistilli (um nur einige wenige zu nennen) in kleineren bis mittelgroßen Rollen ihr Bestes geben. Pistilli fällt dabei, als extrem fieser und skrupelloser Charakter, vielleicht am meisten auf. Dem Mann, der privat als sehr freundlich und umgänglich galt, nimmt man sein Schauspiel vor allem aufgrund seiner vortrefflich fiesen, menschenverachtenden Mimik sofort ab. Ennio Morricones Musik gehört sicherlich wieder zu der besten des Genres und dürfte durch Quentin Tarantinos Kill Bill evtl. auch „Nicht-Spaghetti-Kennern“ ein Begriff sein.

Explosive Media präsentiert den Film als restaurierte High Definition Neuabtastung, die wirklich gut gelungen ist. Das Bild (2.35:1; 16:9) sieht klasse aus und gibt wenig Anlass zum Meckern. Einziges Manko ist, wie bei vielen Neuabtastungen solcher schon recht betagten Filme, eine Körnung bei dunklen bzw. Nachtszenen. Ansonsten ist das Bild klar, die Farben froh und der Kontrast ordentlich. Auch Bildschäden konnten, wenn schon nicht vollkommen, weitestgehend entfernt werden. Beim Ton liegen mit der deutschen, italienischen und englischen gleich drei Spuren vor. Alle drei werden im Dolby Digital 2.0 Format präsentiert und klingen sehr gut. Hier gibt es höchstens minimale Unterschiede im Klang zu erkennen aber auch nur, wenn man sehr genau hinhört. Für Freunde des italienischen Originaltons sind deutsche und englische Untertitel anwählbar.

Die Extras sind ziemlich umfangreich ausgefallen und bestehen aus einem recht interessanten Featurette „Vengeance Rides A Horse“ (36 Minuten, in dem Regisseur Giulio Petroni über die Arbeit an dem Film und seinen Werdegang erzählt), einem Western Trailer Reel (46 Minuten, mit diversen Lee van Cleef Western), einer Fotogalerie mit seltenem Bildmaterial, verschiedene Trailer anderer Explosive Media Western und einem 24-seitigem Booklet verfasst von unseren SWDb Editoren Sebastian Haselbeck und Lars Johansen. Neben einer Menge an Informationen über Film, Regisseur und Schauspieler (die für Genre-Kenner allerdings nicht viel Neues bieten) wartet das wunderbar designte Booklet mit einer Fülle an Bildern auf. Die Scheiben werden in einem sehr ansprechend gestalteten Pappschuber ausgeliefert, der in keinem Sammlerregal fehlen darf.

„Diese Kritik geht nicht gesondert auf die beiliegende DVD Version ein, die allerdings der MGM DVD „Die Rechnung wird mit Blei bezahlt“, die mittlerweile nicht mehr zu bekommen ist, qualitätsmäßig überlegen sein sollte. Im Gegensatz zur Blu-ray hat die DVD eine Laufzeit von 110 Minuten und ist somit um ca. 5 Minuten kürzer als die Blu-ray.“

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung:‎ Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur:‎ Giulio Petroni
  • Medienformat:‎ Dolby, PAL, Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 56 Minuten
  • Darsteller: Lee Van Cleef, John Phillip Law, Anthony Dawson
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0), Nicht qualifiziert (Dolby Digital 2.0), Italienisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0)
  • Studio: Explosive Media

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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