Walter Hill – Retrospektive

Walter Hill ist ein amerikanischer Filmemacher, dessen Hauptwerk vor allem recht typisch für die Art von Filmen steht, unter deren Eindruck wir damals Furious Cinema gestartet hatten (was ja quasi das englischsprachige Pendant zu Nischenkino ist, ein wenig zumindest): Kino das sich was traut, das Schneid hat, etwas wild daher kommt, das nicht langweilt, nicht zu weichgespült ist, ein wenig aneckt, künstlerisch ausdrucksstark ist, und so weiter. Walter Hills Filme sind zwar gut im Mainstream unterwegs, gehören aber eher zu den „bad boys“ Werken und hatten immer schon ein wenig den Ruf von Spätprogramm und R-Rated Kategorie. Was mir an seinen Filmen gefällt ist eine gewisse „no-nonsense“ Einstellung, das sehr gute Gespür für Musik, eine gesunde Dosis Brutalität und ein Händchen dafür, die feine Linie zwischen Unterhaltung und schwerer cinematischer Kost zu wandern. Hier sind ein paar seiner Filme und was ich so besonders an ihnen finde.

Als Produzent der Alien Reihe wird er oftmals vergessen. Außerdem hat er vielen anderen TV Reihen seinen Stempel aufgedrückt. Hier soll es um die größeren Filmproduktionen gehen und dabei streife ich auch Filme die ich vielleicht noch gar nicht oder viel zu lange nicht mehr gesehen habe. Allerdings konnte ich für diese Retrospektive einige Filme erstmals oder frisch wieder (auch mit Unterstützung von Koch Films) sehen, und einige Monate vorher habe ich in der dritten Folge des Furious Cinema Podcast mit Pete außerdem ausführlich über die Filmografie von Walter Hill gesprochen. Diese kann man sich als Ergänzung zu diesem Eintrag hier also gut anhören (Englisch) und dieser Artikel ist quasi als eine Ergänzung zu der Podcastfolge – oder anders herum zu verstehen.

Ich werde diesen Artikel vermutlich noch ein paarmal überarbeiten, jedesmal wenn ich Gelegenheit habe den ein oder anderen Film daraus vielleicht nochmal zu sehen.

Hard Times (1975)

„Hard Times war für mich immer so ein typischer Mitternachtsfilm, ein Erlebnis für Cineasten, denn hier ist wenig Action, wenig Popcorn-Mainstream, sondern liebe zum Medium Kino, Schauspieler auf der Höhe ihrer Zeit, und ein Regisseur der wie wenige andere hier astreine Arbeit abliefern, ohne in Clichés abzudriften“
>> Hier unser Artikel mit der vollen Besprechung.

Mit James Coburn und Charles Bronson in einem wirklich wunderbaren Film, den es glücklicherweise auf einer sehr soliden BluRay von Explosive Media zu sehen gibt.

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The Driver (1978)

The Driver

The Driver ist ein weiterer früher quintessentieller Film von Walter Hill, der ebenso wie Hard Times auf BluRay zu neuem Glanz erwacht. Ein melancholischer, relativ wortkarger, atmosphärischer Film mit einer großartigen Besetzung (Ryan O’Neal, Isabelle Adjani und Bruce Dern) und ausgezeichneten Auto-Verfolgungsjagten. Damit stand er nicht nur für ein altes PS2 Game Pate, oder für einen Film mit Gosling namens Drive, sondern funktioniert sehr gut im Kontext von Filmen wie Bullit.

Finde den Film großartig. Ich mag den Style, den Rytmus, den großartigen Look (der sicher auf Michael Mann großen Einfluss hatte), die Atmosphäre und die Charaktere. Ein ganz und gar unterbewerteter und zu wenig gewürdigter Crime-Klassiker der in jede Sammlung gehört. Gibt es auf BluRay, und die ist auch OK.

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The Warriors (1979)

Der Bandenfilm ist für viele ein Kultfilm, war für mich aber nie wirklich ein besonderer Favorite. Der Film war damals recht kontrovers, und gleichzeitig auch recht populär, das hat natürlich auch mit dem soziopolitischen Kontext in den USA zu tun zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Geschichte um rivalisierende Banden und eine Hetzjagd auf die Gang der Warriors, quer durch die Großstadt, von der Bronx bis nach Brooklyn, bietet einiges an Identifikationspotential für Zuschauende und hatte eine sehr markante Bildsprache, all das Teil des Kultcharakters des Films.

Dieser basiert übrigens auf einem Roman, hat aber viele Zutaten die auch das typische Kino der Zeit kennen, vom Blaxploitation Film bis hin zum Vigilanten-Kino. Wie einflussreich der Film ist, sieht man u.a. auch an dessen Einfluss auf die billigen pseudo-dystopischen New York Filme von Castellari, die mit diesem Film mehr gemein haben als mit Mad Max und Co.

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The Long Riders (1980)

Die klassische Story um Jesse James mal etwas anders, weniger idealisiert, aber dennoch sehr gut. Ich kenne viele Fans dieses Films, aber war selbst nie besonders begeistet. Da es ihn auch mittlerweile auf BluRay gibt, muss ich ihn mir bald nochmal ansehen und ihn neu bewerten und aktualisiere diesen Artikel an dieser Stelle bald neu.

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Southern Comfort / Die letzten Amerikaner (1981)

Southern Comfort

Ein in der Regel weniger beachteter Film, aber vielleicht ein quintessentieller Walter Hill Film. Boothe, Caraddine und Co mimen eine Gruppe von Nationalgardisten die sich in den Sümpfen von Luisiana verlaufen und mit den Ansässigen anlegen – ein schwerwiegender Fehler. Der Film ist ein Echo des Vietnamkriegs, bedient sich typischer Elemente des Hixploitation Kinos und bietet das typisch grimmige, dystopische Zerrbild der amerikanischen Gesellschaft die Hill gerne auf die Leinwand zaubert – zumal er ab und an in seiner Karriere wieder geographisch in den Südosten der USA zurückkehrt. Southern Comfort ist unbequem, er ist sehr untypisch (mir fallen wenige ähnlich Filme ein), und er wird oft übersehen eben weil er so schwer einzuordnen ist. Wer Hill verstehen möchte kommt aber daran nicht vorbei.

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Extreme Prejudice / Ausgelöscht (1987)

Extreme Prejudice

Extreme Prejudice weiß mit cooler Action, brutaler Atmosphäre und einer spannenden Story zu überzeugen und hat zu Recht einen gewissen Kult Status inne, der auch ein wenig daher rührt dass der Film eine zu lange Zeit nicht wirklich einfach und in guter Qualität zu bekommen war. Das hat nun ein Ende und so steht einem derben Kinoabend nix mehr im Wege!“
>> Hier unser Artikel mit der vollen Besprechung

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Update! Da die vorherige Edition ja schon lange ausverkauft war, gibt es nun Nachschub, darunter auch ein Amazon-exklusives Mediabook. Bei Amazon: BluRay kaufen

48 Hours / 48 Stunden + Another 48 Hours (1982+1990)

Etwas Klamauk ist logischerweise mit von der Partie bei dem Duo, aber eigentlich handelt es sich um einen relativ krassen 80er Krimistreifen. Leider wurde eine 4K Restauration angekündigt just nachdem ich mir den Film auf Amazon reingezogen habe. Er ist besser als ich ihn in Erinnerung hatte, und die Szene in der Redneck-Disko ist natürlich legendär. Die Fortsetzung machte noch etwas mehr aus den Comic Relief Aspekten des ungleichen Duos, ohne den gewissen Hill Schneid zu vergessen. Die angekündigten neuen BluRays bieten die Gelegenheit, sich das ganze nochmal frisch reinzuziehen. Nicht Hills größte Werke, aber zwei unvergessliche Unterhaltungsfilme mit großartigen Nick Nolte und Eddie Murphy. Gibt es auf BluRay und bei Amazon Prime!

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Streets of Fire (1984)

„Streets of Fire ist kein klassischer Rock-n-Roll Film, denn er spielt nicht wirklich in den wilden 50ern, es läuft kein Rockabillly und die Zeiten von wilden Gangs und all diesen Themen sind in den 80ern eigentlich längst vorbei. Dem Film ist das egal, und er kombiniert die Stories und die Autors und die Gefühle der alten James Dean Zeit in die industriellen 80er.“
>> Hier unser Artikel mit der vollen Besprechung.

Den Film – den ich persönlich sehr schätze – haben wir ja schon rezensiert. Seither ist auch eine Neuauflage mit etwas besserer HD-Abtastung im Umlauf, die ich aber noch nicht in die Hände bekommen konnte. Sehr empfehlenswert jedenfalls, von der Besetzung bis zur Mucke – ansonsten siehe Besprechung oben verlinkt.

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Brewster’s Millions (Zum Teufel mit den Kohlen) (1985)

Diese Lücke in meiner Walter Hill Filmographie konnte ich nun endlich schließen dank der Veröffentlichung von Explosive Media, die ich von Koch Films hierfür erhalten hatte. Eine Komödie, die so nicht ganz in Hills Oeve passt, möchte man meinen.

Brewster's Millions
Zum Teufel mit den Kohlen BluRay Walter HIll

Der Film handelt von dem nicht gerade talentierten Provinz-Baseball Spieler Monty (Richard Pryor), der durch Zufall 300 Millionen Dollar von seinem unbekannten Onkel erben soll. Doch der Nachlass hat einen Haken: Um das Geld zu bekommen muss er zunächst 30 Millionen Dollar in kurzer Zeit verpulvern und darf niemandem von dieser Bedingung erzählen. Er darf das Geld auch nicht einfach alles verschenken oder für Eigentum ausgeben. Sein Kumpel Spike (John Candy) weiß ebenso wenig davon wie die vom Notarbeüro bestellte Buchhalterin Angela (Lonette McKee) die der Verprasserei den offiziellen Stempel aufdrückt. Er verliebt sich in die Dame, und auf dem Weg aus dem neuen Reichtum macht er sich viele Freunde und lernt über den wahren Wert des Lebens…. also genau die Lektion die ihm sein Onkel lehren wollte.

Die Comedy-Giganten Richard Pryor (der 2005 verstarb) und John Candy (der 1994 verstarb) verleihen diesem Film ein ganz besonderes Etwas. Ein smartes Drehbuch (basiert auf einem bekannten Buch das hier schon das siebte mal adaptiert wird) und haarscharfe Dialoge machen diese aberwitzige Satire über Wohlstand und Geld zu einem sehenswerten Filmspaß. Der Film zeeigt beispielsweise wie lächerlich schwer es ist, große Summen Geld für vergängliche Dinge auszugeben ohne dabei noch mehr Wohlstand anzusammeln. Es ist nicht einfach, reich zu sein – oder arm zu werden wenn man reich ist. Die Kehrseite von „it takes money to make money“. Untermalt voneinem eher weniger beachtenswerten Soundtrack von Ry Cooder, ist Brewster’s Millions sicher kein typischer Walter Hill Film, doch der derbe Humor und die Rags-to-Riches-to-Rags-to-Riches Geschichte mag ihn gejuckt haben (). Ein schön erzählter, ernster und nachdenklicher Film der als Comedy nicht zum Schreien komisch ist aber viel Herz und Verstand mitbringt.

Die BuRay sieht ziemlich gut aus und lässt den Film in neuem Glanz erscheinen. wer vielleicht alle DVDs oder TV-Ausstrahlungen kannte weiß was es für ein Qualitätssprung ist. Referenzmaterial ist das zwar nicht, aber solide Kontraste und ein sauberes Bild machen die Präsentation sehr solide. Der Ton klingt ebenfalls sehr gut, und wer mag hat auch die Wahl der deutschen Synchronfassung. Es gibt Untertitel auf Deutsch oder Englisch auszuwühlen. Der Trailer und eine Bildergalerie sind die Extras auf dieser Scheibe.

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Red Heat (1988)

Red Heat

Red Heat ist sowas sowas wie 48 Hours aber mit Ost-West Vibes und zwei der heissesten Stars der 80er: Arnold Schwarzenegger und Jim Belushi. Eine vollwertige kritische Bewertung müsste ich bei Gelegenheit mal nachreichen wenn ich den Mut aubringe mit Jim und Arnie einen Abend zu verbringen. Der Ruf des Films spricht denke ich aber eh für sich: kultig, etwas brachial und unterhaltsam zugleich.

Die BluRay gibts mittlerweile überall und auch ungekürzt (frühere Versionen waren durchaus fürs Nachmittagsfernsehen FSK12 konform gekürzt; trotz der komödiantischen Natur ist der Film durchaus brutal und passt nicht so recht in die Kategorien der Jugendschützer) und seit Kurzem auch als 4K Auflage.

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Last Man Standing (1996)

Einer meiner persönlichen Lieblingsfilme, und vielleicht einer von Hills bekanntesten Werken. Das Remake von Akira Kurosawas Yojimbo, nicht wie bei Für eine Handvoll Dollar im wilden Western, sondern in der Zeit der Prohibition.

Die BluRay von Warner bietet gute Qualität, aber leider keine Extras. Hier könnte man sich mal vorstellen, dass es doch mal so etwas wie eine ausführlichere Sammleredition geben könnte. Das düstere Szenario, ja fast aussichtslos brutale Szenario, untermalt von der großartigen Musik von Ry Cooder und in alle Rollen gut besetze Drama sind nicht umsonst ein Favorit bei Fans. Actionsfans kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Fans stimmiger Western oder staubiger Prohibitions-Thrillern.

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Trespass (1992)

Für mich einer der wenigen seiner Filme, die ich tatsächlich noch nicht gesehen habe, wie auch immer das passieren konnte. Es gibt eine gute BluRay von Turbine und Bluntwolf hat dazu auch schon mal eine eingehendere Rezension abgeliefert:

„Für den Rest seiner Laufzeit entwickelt sich Trespass zum urbanen Äquivalent eines Hawksian Western. Wie in den beengten Gebieten, in denen sich die Protagonisten aus Rio Bravo wiederfinden, verbarrikadieren sich Don, Vince, Bradlee sowie Lucky hinter Türen und Mauern, um King James und seine Kollegen abwehren zu können“
>> Hier unser Artikel mit der vollen Besprechung

Auf die Besetzung habe ich sehr Bock und der kommt auf die baldige Abschussliste.

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Geronimo (1993)

Ich muss zugeben, ich hatte ihn deutlich schlechter und vor allem als einen deutlich anderen Film in Erinnerung. Daher war ich eigentlich überrascht wie düster und pessimistisch und wenig Actionhaft er eigentlich ist. Matt Damon ist natürlich total deplaziert als Newcomer, aber generell ist es ein doch recht nachdenklicher Film. Sprich, der Film ist über die Jahre nach erneuter Sichtung sowohl in meiner Gunst deutlich gestiegen als auch in meinem Verständnis von dem Film als doch waschechter Walter Hill Streifen.

Geronimo

Von diesem Film gibt es eine halbwegs neue BluRay von Explosive Media. Der Film ist auch aktuell bei Netflix zu sehen.

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Undisputed (2002)

Undisputed

Den habe ich entweder noch nicht gesehen, oder es muss schon so lange her sein dass ich es gar nicht mehr in Erinnerung habe. Scheinbar war der Film im Heimkino so erfolgreich, dass er eine Reihe billiger Sequels ausgelöst hat. Vermutlich ist das schon bei der Xten „Fortsetzung“ angelangt.

Als dieser hier rauskam jedenfalls war der Mix aus Knast- und Boxerfilm (durchaus mit Anlehnung an Hard Times vermutlich) einigermaßen edgy und sowohl Ving Rhames (Pulp Fiction) als auch Wesley Snipes (Art of War) noch „hot shit“. Hier muss Nischenkino bei Gelegenheit eine Besprechung nachliefern.

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Deadwood (2004)

Ich brauchte damals erstmal zwei Anläufe, um diese doch recht gefeierte HBO Serie wirklich zu genießen. Als dann Jahre später eine Art „Reunion“ als Film geplant war, war ich neugierig, den Film konnte ich allerdings noch nicht sehen. Die Serie bietet feinste Erwachsenen-Unterhaltung mit der damals populären Art wie HBO produzierte: teuer, realistisch aussehend, viel Schimpfworte, Alkohol, nackte Haut, Brutalität und düsterer Atmosphäre. Also genau was für Walter Hill! Die Serie war ein absoluter Hit und war hochgradig einflussreich wenn man sich Stil und Produktsionwert von Western-Produktionen seither ansieht, nicht zuletzt Godless oder Westworld. Da die Serie zudem noch jedenfalls relativ vague an reale Ereignisse und Charaktere anknüpfte erfreute sie sich auch unter konservativem Publikum und fand allseits relativ viel Respekt. Was mir nach ein paar Staffeln dann aber zum Hals raus hing war das ständige Gefluche, von dem ich finde, und viele sagten, dass es für die damalige Zeit höchst unplausibel sei. Jedenfalls in der Zügellosigkeit wie hier dargestellt. Außerdem franste die Serie am Ende etwas aus, stumpfte etwas ab, und verlor Fokus – es fehlte an einer zielgerichteten Story die man erzählen wollte. Dennoch gilt: bis heute ist Deadwood eine sehr unterhaltsame, sehr gut gemachte und sehr empfehlenswerte Serie, der man mittlerweile mit einem Spielfilm ja auch noch einen drauf setzen kann (ähnlich Firefly und Serenity).

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Broken Trail (2006)

Broken Trail

Bei uns relativ unbekannt, so gibt es ihn zumindest als Import BluRay. Die TV Produktion (als Zweiteiler) bietet eine klassische Westernstory mit dem unvergleichlichen Robert Duvall in der Hauptrolle. Ein etwas unterbelichteter Film der durchaus Qualitäten hat. Immerhin war er mehrfach Emmy-nominiert und letztlich mit dem Golden Globe ausgezeichnet.

Für eine TV Produktion ist Broken Trail ein optisches Leckerbissen und mit etwa drei Stunden Gesamtlaufzeit zwar ein wenig langatmig und eher stereotypisch, aber für die Zielgruppe genau das richtige. Großartige Schauspieler, rauhe Sitten, harte Themen, weite Landschaften. Genau das richtige Spielfeld für Walter Hill. Und wie bei seinen Filmen üblich, hab auch dieser ein paar Prisen ungewöhnlicher oder zumindest nicht typischer Zutaten, die ihn zu einer sehr interessanten Charakterstudie machen. Ein kleiner Walter Hill Geheimtip? Vielleicht.

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Wild Bill (1995)

Wild Bill

Eine wahrhaftige Besprechung dieses Films reiche ich vieleicht noch nach. Aktuell ist er bei Amazon recht preiswert auf BluRay zu haben, doch er hat es noch nicht in mein Heimkino geschafft. Der Ruf des Films ist durchwachsen, aber weil meine Neu-Sichtung von Geronimo gut funktionierte (den ich ja deutlich besser fand als ich ihn in Erinnung hatte), sehe ich diesem Titel positiv entgegen. Jeff Bridges kann außerdem kaum schief gehen vermutlich.

Der Film handelt von „Wild Bill „Hickok, einem der legendärsten Namen aus dem wilden Westen (gespielt von Bridges). Der Twist hier ist die Perspektive, nämlich eines Weggefährten aus England, was eine etwas entrückte Erzählweise zum Ergebnis hat, die durch Rückblenden und Wechsel in Schwarz-Weiß Bilder noch etwas mehr an Fluß verliert. Nicht zuletzt deshalb ist der Film für viele nicht ganz zugänglich, er hat aber einenrecht passablen Ruf.

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Johnny Handsome (1989)

Johnny Handsome

Ein Kleinod unter den Walter Hill Filmen ist sicherlich Johnny Handsome. Die Geschichte des von Geburt an deformierten Kleinganoven, der bei einem Überfall seinen Freund und Mentor verliert, hintergangen wird und im Knast fast erstochen wird, ist emotional dicht.

Johnny (sehr schön hier: Mickey Rourke) erholt sich, und krieg im Rahmen eines Pilotversuchs ein neues Gesicht verpasst. Wie der draußen, will er hinter den Schurken her um seinen Freund zu rächen. Dabei verliebt er sich in eine Sektretärin (Elizabeth McGovern), und wird zum zweifelhaften Mithelfer eines etwas unangenehmen Cops (Morgan Freeman). Ein Film, der mit den Jahren immer besser wird. Klar, ein paar typische 80er Faux-Pas, aber insgesamt ein visuell wirklich genialer Film mit herrlicher Atmosphäre und schönen Szenen, sowie der stimmigen Musik von Ry Cooder und einem Drehbuch von Ken Friedman (der auch Vigilante Force geschrieben hat, auf dessen DVD ja ein sehr langes und super informatives Interview mit ihm enthalten ist) das Dialoge mit bringt, die stellenweise echt zitierfähig sind. Ein hervorragender kleiner Gaunerfilm mit viel Großstadtromantik und Melancholie. Die Geschichte eines kleinen Mannes, der es im Leben nicht einfach hat.

>> Hier unser Artikel mit der vollen Besprechung.

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Bullet to the Head (Shootout) (2012)

Vom Titel her ein wenig an John Woo angelehnt, hat sich Walter Hill in den Jahren nochmal mit einem weiteren alten Actionstar, Sly Stallone, zusammen getan. Ein Actionfilm gemacht um von den Steuervorteilen in Lousiana zu profitieren, wahrscheinlich der einzige Grund warum in den letzten Jahren so viele Filme in New Orleans entstanden sind (doch auch Hard Times hat dort ja gespielt, und Southern Comfort spielte auch in den Sümpfen von Louisiana, insofern ist es für Hill jedenfalls kein neues Pflaster). Jedenfalls ist der Film eine typische Old-Guy Actionstory, mit ein paar netten atmosphärischen Elementen (ein cringe Voice-over gehört nicht dazu), der aufregenden Sara Shahi und viel Brutalität. Da hätte man sich von Walter Hill mehr erwarten können.

Man möchte etwas positiver über den Film sprechen, aber er hat wirklich keine guten Qualitäten vorzuweisen. Gut für nen Freitag nach der Arbeit aber insgesamt nicht aufregend genug um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Stallone ist kein Bronson, soviel ist sicher, aber insgesamt kann der Film einfach – auch nach erneutem gucken – nicht wirklich überzeugen, er wirkt zu konstruiert und aus dem Ärmel geschüttelt. Aber – so fair muss man sein – da gibts auf dem direct-to-VOD Markt auch wirklich schlechteres Zeug. Als Produzenten haben hier Urgestein Joel Silver ebenso die Finger im spiel wie Alexandra Milchan, die Tochter von dem anderen Urgestein, Arnon Milchan (Blade Runner). Mit Jason Momoa, Christian Slater, Brian van Holt, Dana Gourrier (Django Unchained) und Jon Seda wäre auch genug Starpower dabei gewesen um den Film etwas substanzvoller zu machen. Ach sorry ich vergaß Sung Kang (Fast and Furious)…. der hätte hier beweisen können dass er mehr drauf hat als schnelle Autos, scheitert aber daran, was bleibt ist halbwegs gute Chemie zwischen ihm und Sly.

Bei Amazon: BluRay kaufen – Aktuell auch bei Netflix Deutschland zu streamen (wo ich ihn eben nochmal gesehen habe).

Supernova (2000)

Der kommt auf die Liste weil es eine bizarre Entstehungsgeschichte ist, die uns diesen seltsamen Film eingebrockt hat. Walter Hill (als „Thomas Lee“) sollte diesen unglücklichen Film fertigstellen, doch MGM verweigerte notwendige Spezialeffekte, zeigte den unfertigen Film einem Testpublikum und es ging nach hinten los (wie von Hill befürchtet). Also heuerte man einen anderen Regisseur an (Jack Sholder), das Ergebnis war immer noch schlecht. Walter Hill verlangte dann mehr Geld, also ließ man es, und man holte am Ende aber Francis Ford Coppola rein um den Film für weitere Millionen zu reparieren, ebenfalls zu wenig Zufriedenheit. Letztendlich schleuderte man das Werk mehr als zwei Jahre nach Dreh auf den Markt. Übrig bleibt ein interessantes, wenn auch wenig hochwertiges Science-Fiction Werk. Man erkennt an einigen Szenen noch die guten Absichten, und das Staraufgebot mit Robert Forster, James Spader, Angela Basset, Lou Diamond-Philipps etc. ist durchaus verlockend. Es bleibt jedoch eine fade Story mit schlechten Effekten, langweiligem Drehbuch, viel Stereotypen und wenig Neuem. Ein B-Movie Kuriosum das ohne seine etwas wirre Entstehungsgeschichte und die vielen bekannten Namen niemand auch nur googeln würde. Hätte er Potential gehabt? Möglicherweise, doch es steckt eben wenig wirklich Originelles in diesem Film, so dass er auch mit einer weniger turbulenten Produktionshistorie und weniger Köche in der Küche womöglich nie in der A-Liga mitgespielt hätte. Außerdem hätte man sich statt Facinelli etwas besseres einfallen lassen müssen.

Supernova

Witzig dass Koch Films den noch schnell für die Vorweihnachtszeit 2021 neu veröffentlichte und zwar das erste mal auf BluRay in Deutschland. Ich konnte noch vor Weihnachten ein Exemplar davon erhalten und habe den Film auf der Basis nochmal gesichtet. Zur BluRay kann ich folgendes berichten:

Die Bildqualität ist in Ordnung, aber nicht auf Höhe der Zeit, das könnte fast ein Upscale sein, aber sei es drum, bei dem Film muss man ja eh froh sein. Über weite Strecken liefert sich das Bild auch kaum Schwächen, die Effekte waren auch vorher schon halbgar und genauer hinsehen muss man bei dem Film eh nicht. Völlig Okay, aber ob man das alles in ein Steelbook packen muss ist mehr als fraglich. Der Ton klingt auch ganz gut, dort wo er schwächelt dann wohl eher ein Problem der Abmischung denn der BluRay, auch der Raumklang klingt solide. Etwas unausgewogen halt leider bei der Lautstärke. Getestet habe ich die Originaltonspur, es gibt aber auch die deutsche Synchronfassung, und Untertitel auf Deutsch sowie Englisch. Als Extras liegt noch die um ein paar Aufnahmen gekürzte Kino bzw. ab-12-Fassung bei (bei Schnittberichte analysiert), das ganze allerdings nur SD, und wahlweise eine Eversion als Open Matte. Auch mit dabei ein 25-minütiges „Making Of“. Hier kommen Produzenten zur Sprache, und auch der großartige und leider schon verstorbene Robert Forster und Lou Diamong Phillips, ein ganz interessanter Rückblick wie auch oben skizziert, aber aufgrund der Auswahl der Interviews womöglich auch ein wenig einseitig in der Darstellung, aber insgesamt interessant und sehenswert. Dann etwa 14 Minuten entfernte Szenen in schlechter Qualität, die waren auch damals auf der DVD schon mit dabei. Keine davon alleine oder alle hätten den Film besser gemacht, insofern schon okay. Das alternative Ende (auch 5 Minuten, auch schlehcte Qualität) versucht sich an einer noch etwas abstruseren Wendung, sehr psychedelisch aber auch nicht passend (mir gefällt das tatsächliche Ende ebensowenig). Dann gibts noch einige Trailer und eine Bildergalerie.

Bei Amazon: Streamen – die BluRay gibt es als Steelbook derzeit nur als Koch Films Shop Exclusive.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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