War on Everyone – Berlinale Special

Mein vierter und letzter Ausflug der diesjährigen Berlinale war gleichzeitig auch die allerletzte Vorstellung des Festivals, quasi der Rausschmeisser…. und was für einer. War on Everyone übertraf alle Erwartungen an ein quasi unbekanntes Buddy-Cop Movie. Der Film von John Michael McDonagh (The Guard, Ned Kelly) ist ein urkomischer, politisch inkorrekter, brutaler und schräger Film mit Michael Peña (Fury) und Alexander Skarsgård (Melancholia) in den Hauptrollen.

Der Suffkopf Terry Monroe (Skarsgård) und sein Familienvater-Kollege Bob Bolaño (Peña) sind Cops in Albuquerque, New Mexico. Mehrfach verwarnt, oft vom Chef gescholten und mit jeder Menge Dreck am Stecken treiben die beiden in New Mexico ihr Unwesen, nehmen Kriminelle aus, sacken Bestechungsgeld ein oder zinken Beweise. Im Laufe ihrer Ermittlungen nehmen sie den Informanten Reggie (Malcom Barrett) in die Pflicht um  einen geplanten Raubüberfall auf zu decken. Damit pissen sie aber jemandem ans Bein der viel gefährlicher ist als alle zusammen, immerhin ein britischer Lord und kriminelles Genie (Teo James). Terry holt die junge Jackie (Tessa Thompson) zum Schutz zu sich, als ihr Freund umgelegt wird, und verliebt sich in sie. Außerdem retten die beiden noch ein Kind, das wertvolle Infos darüber hat, wer hinter den Morden an sämtlichem am Raubüberfall beteiligten Leuten hat…. doch die Unterwelt schlägt zurück, und die Gefahr kommt Bob und seiner Frau (Stephanie Sigman) zu nahe, und dann werden die beiden ohnehin suspendiert… Zeit aufzuräumen….

„Härter als Starsky & Hutch, komischer als Laurel & Hardy, besser aussehend als Siegfried & Roy.“ (Berlinale.de)

War on Everyone

Vor der eintönigen Kulisse New Mexikos (die ein oder andere Location dürfte Breaking Bad Kenntern bekannt vorkommen) entfaltet sich ein verrückter Chaostrip. John Michael McDonagh lässt sich nicht lumpen, wirft alle Konventionen über Bord (behält aber viele Cliches bei) und kredenzt mit War on Everyone eine kleine Buddy Comedy mit jeder Menge Augenzwinkern und kleinen wie großen Lachern, voll mit popkulturellen Referenzen, Übertreibungen, Style, cooler Mucke und großartiger Dialoge. Ob der Film sich einfach vermarkten lassen wird, da bin ich mir noch nicht ganz sicher. Was dem Film zu Gute kommt ist, dass er sich nicht so wirklich ernst nimmt, und das Dialog- und Actionfeuerwerk der ersten zwanzig Minuten volle Kanne die restlichen 70 weiteren Minuten weiter durchzieht. Es gibt Tote. Es hagelt blöde Sprüche. Es wird gesoffen und gekokst.  Man sollte nicht den blöden Vergleich mit der aufgewärmten Starsky & Hutch Kackscheisse mit Owen Wilson ziehen, viel mehr erinnert mich der Film ein wenig an den grandiosen End of Watch (ebenfalls mit Pena), aber dieses mal ist es eine düster lustige Persiflage auf das Genre, und ein satirisches, zynisches Bild von Cops außer Rand und Band.

War on Everyone

Es ist die große Pena Show. Sein Charaktername Roberto Bolaño ist auch ein sehr gefeierter chilenischer Schriftsteller, sehr passend denn Bob zitiert im Film Intellektuelle aller Couleur, und bietet damit eine Art möchtegern-substantielles Gegenstück zu dem eher gefühlsleeren Terry, der seinen Platz in der Welt irgendwie nicht so recht gefunden hat, bis er mit Jackie und dem kleinen Kronzeugen langsam Familiengefühle bekommt. Pena und Skarsgard geben wirklich alles, ziehen alle Register, dürfen sich wirklich ausleben. Die Dialoge sind messerscharf, roh und ordentlich lustig. Das macht große Lust, den Film bald nochmal zu sehen. Visuell hat der Film trotz der drögen Kulissen viel zu bilden. Der Film spielt in der Gegenwart, aber die beiden fahren Vintage Karosserien und die Welt in der sich die beiden Chaoten bewegen ist eine stilisierte Nachtwelt und der Großstadt Dschungel von Albuquerque in all seiner Bandbreite. Hinzu kommt ein erstklassiger Soundtrack der ordentlich rockt und wunderbar schräg zum Gesamtbild beiträgt.

Dass der Saal brüllte vor Lachen liegt primär daran, dass der Film voll ist mit politisch inkorrekten Witzen, derben Szenen, unverholener Attitute der beiden Cops und die wirklich abgedrehte Serie an Ereignissen die den Rahmen der Handlung darstellen. Der Film macht Spaß, so viel Spaß hatte man seit Lethal Weapon nicht mehr mit  zwei Cops. Gleichzeitig kann der Film seinen Medium-Budget Indie Charme aufrecht erhalten. Die vorherigen Filme des Regisseurs wurden zu Recht als etwas schräg und eigenwillige bezeichnet, und man kann froh sein dass er hier noch einen drauf setzt. Der Film ist nicht von Studios glatt geschliffen sondern ist von vorne bis hinten wild und wagemutig. Klar ist das kein cineastisches Meisterwerk, er hat nicht die Wirkung und Tiefe von End of Watch, und ich wette auch nicht den nachhaltigen Einschlag von Lethal Weapon, oder gar, um den blöden Titel nochmal fallen zu lassen, Starsky & Hutch. Man könnte sich aber dennoch vorstellen, mit den beiden Schlitzohren noch mehr Abenteuer zu erleben. Die hübschen Damen Thompson (Selma) und Sigman (in Spectre total verheizt, dafür großartig in Miss Bala) an der Seite von Pena und Skarsgard geben super Leistung, und so haben wir es doch mit einem rundum gelungenen Film zu tun, dem ich hiermit mal vorsichtig die 2016er Geheimtip-Medallie überreiche. Jedenfalls freue ich mich den nochmal zu sehen. War on Everyone macht ordentlich Laune. Ein deutscher Kinostart steht meines Wissens noch nicht fest.

Das wars mit der Berlinale dieses Jahr. Vier Filme, gar nicht so schlecht. Bis nächstes Jahr im Berlinale-Special von Nischenkino. Newsletter schon abonniert?

War on Everyone

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 27. Januar 2018

    […] erster Linie, so wie man sie nicht mehr so oft sieht. End of Watch ist ein sehr positives Beispiel, War on Everyone ein abstruses, Bright ein sehr schlechtes. Okay zurück zum Thema. Der Film bietet hervorragende […]