Wild Beasts / Belve feroci

Im Zoo einer deutschen Großstadt bricht die Hölle los, als eine größere Menge PCP ins Trinkwasser gerät und die ansonsten friedlichen Tiere zu aggressiven Bestien mutieren lässt. Im drogeninduzierten Blutrausch überwinden sie alle Sperranlagen und fallen alsbald über die arglosen Bewohner der Metropole her. Nun liegt es in den Händen eines draufgängerischen Wissenschaftlers und einer wagemutigen Reporterin, die Stadt zu retten… (Colosseo Film)

Rupert Berner (John Aldrich) arbeitet im städtischen Zoo und kümmert sich auf wissenschaftliche Art und Weise um die Tiere. Heute trifft er dort seine Freundin Laura Schwarz (Lorraine De Selle) und die beiden machen eine kurze Pause, um den blinden Komponisten zu begrüßen, der Tiergeräusche auf Band aufzeichnet, damit sie zu seinen musikalischen Kompositionen beitragen können. Rupert erhält Nachricht, dass sich eine der Tigerinnen, die kürzlich erst ein Junges geboren hat, seltsam verhält. Er betäubt das Tier, um es zu untersuchen und bemerkt, dass das Jungtier in die Brustwarzen seiner Mutter gebissen hat, anstatt daran zu saugen. Schon bald beginnen sich alle Tiere im Zoo seltsam zu verhalten.

Es hat etwas mit der Wasserversorgung zu tun, was die gesamte Stadt ins Chaos stürzen könnte. Und das in einem Film, der sehr wahrscheinlich viel berüchtigter wäre, wenn er ganz einfach besser bekannt wäre. Die Handlung besagt, dass die in Gefangenschaft lebenden Tiere entfesselt werden, weil ein Fehler am elektronischen Türsystem aufgetreten ist (was ist denn aus den guten alten Schlössern und Schlüsseln geworden?), der alle Käfige öffnet. Als wäre das nicht schon schlimm genug, zeigt uns die Eröffnungsmontage, dass die Wasserversorgung vergiftet worden ist, was die Bestien meschugge gemacht hat. Zu Beginn gibt es eine Mitteilung, die dem Publikum versichert, dass keine Tiere während der Dreharbeiten zu Schaden gekommen sind.

Bedenkt man allerdings, dass sich hierfür Franco Prosperi verantwortlich zeichnet, die eine Hälfte des Regieteams, das der Welt Schockdokumentationen wie Mondo cane (1962) und Addio Onkel Tom (1971) beschert hat, sollte man diese Aussage eher etwas skeptisch betrachten. Sicherlich hätte er nur sehr schwierig damit durchkommen können, wenn er die darstellenden Tiere für seinen Film missbraucht hätte. Hier gibt es jedoch Szenen, in denen man sich eigentlich um die Charaktere sorgen sollte, man stattdessen allerdings damit beginnt sich Sorgen um das Wohlergehen ihrer pelzigen Co-Stars zu machen. Klar, der Regisseur hat die Fauna auf seine Besetzungsliste gesetzt, wobei sich die hier eingesetzten Tiere immer noch weit entfernt von domestizierten Haustieren verhalten.

Die Erzählung besteht im Wesentlichen aus einer Sammlung von Angriffen auf Menschen, einem nach dem anderen im Romanstil von James Herbert, während Berner versucht die Krise einzudämmen, bevor sie noch mehr außer Kontrolle gerät. Den Film anzuschauen stellt schon eine seltsame Erfahrung dar, da es Sequenzen gibt, die sich ganz einfach lächerlich gestalten, wie die, in der eine Frau in einem geschmückten Volkswagen Käfer von einem blutrünstigen Geparden durch die Straßen gejagt wird. Natürlich kann der Gepard mit dem Auto mithalten, denn es handelt sich schließlich um das schnellste Landtier der Welt. Außerdem muss man noch die Folgen eines Rattenangriffs verkraften, bei dem die Nagetiere mit einem Flammenwerfer vernichtet werden – falls die verbrannten Ratten inszeniert worden sein sollten, so handelt es sich hier um sehr überzeugende Spezialeffekte.

Der schlechte Geschmack aus Prosperis anderen „Dokumentarfilmen“ steht hier also stark im Vordergrund, nur diesmal in einem fiktiven Kontext. Dies sollte sein letzter Film sein und könnte als Teil des Kreislaufs an ökologischen Thrillern angesehen werden, in denen sich die Natur am Menschen rächt. Teilweise kommt einem der Streifen allerdings wie eine Art Vorgänger von Jumanji (1995) vor, wo das CGI durch echte Tiere ersetzt wurde. Wir haben also eine Frau, deren Kopf von einem attackierenden Elefanten zerquetscht wird, den blinden Mann, der von seinem Blindenhund zerfleischt wird, das Pärchen im Auto, das sich von Ratten zernagen lassen muss und einen Eisbären, der eine andere Frau übel zurichtet. Prosperi mochte die Tiger angesichts ihrer Bildschirmzeit wohl am liebsten. Lorraine De Selle (keine Unbekannte innerhalb des zwielichtigen italienischen Kinos) kann sich Gedanken über das Schicksal ihrer verzogenen Tochter machen, die während eines Stromausfalls in ihrer Tanzklasse festsitzt, was die große Wendung am Ende auslöst, wo sich das Publikum fragen soll: Was ist Schlimmer, die Menschheit oder die Bestien? Die Musik wurde von Daniele Patucchi beigesteuert. Abschließend bleibt festzuhalten, dass kein Fan von italienischer Exploitation an dieser Veröffentlichung vorbeikommt, da es Prosperi (trotz aller Kritik an der Arbeit mit Tieren) sehr gut versteht einen spannenden Film mit atemberaubenden sowie sensationslüsternen Tieraufnahmen zu inszenieren.

Colosseo Film präsentiert Wild Beasts ungekürzt als restaurierte High Definition Neuabtastung, die wirklich sehr gut gelungen ist. Das Bild (1080p / 1.66:1) sieht super aus und gibt keinen Anlass zum Meckern. Es ist klar, die Farben froh und der Kontrast ordentlich. Auch Bildschäden konnten so gut wie komplett entfernt werden. Beim Ton liegen mit der deutschen, englischen und italienischen gleich drei Spuren vor. Für Freunde des italienischen Originaltons sind deutsche und englische Untertitel anwählbar. Die Extras bestehen aus dem Original Kinotrailer, einer Bildergalerie mit seltenem Bildmaterial, einem Interview mit Franco Prosperi und einem 16-seitigen Booklet verfasst von unseren Autorenfreunden Gerald Kuklinski und Thomas Hortian (Italo-Cinema.de). Neben einer Menge an Informationen über Film, Regisseur, Schauspieler und den Dreh mit Tieren wartet das wunderbar designte sowie äußerst interessant zu lesende Booklet auch mit einigen Bildern auf. Die Scheibe wird in einem sehr ansprechend gestalteten Pappschuber ausgeliefert, der in keinem Sammlerregal fehlen darf. Glücklicherweise ist das FSK-Logo nicht, wie auf den Bildern zu sehen, direkt auf den Schuber gedruckt worden und auch ein Wendecover wurde nicht vergessen. Der Film ist bisher in noch keiner besseren Verfassung erhältlich gewesen und wird es vermutlich auch in Zukunft nicht sein.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.66:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : Prosperi, Franco
  • Medienformat : Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 32 Minuten
  • Darsteller : de Selle, Lorraine, Bologna, Ugo, Die Leo, Antonio, de Selle, Lorraine, Bologna, Ugo
  • Untertitel: : Deutsch
  • Sprache, : Italienisch (DTS 2.0), Deutsch (DTS 2.0), Englisch (DTS 2.0)
  • Studio : Colosseo Film

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Colosseo Film zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition!

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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