Willie Dynamite

Wer ist Willie Dynamite? Er ist der geschniegelteste Zuhälter in New York, fährt einen personalisierten lila-goldenen Cadillac und trägt einige der schillerndsten sowie auffälligsten Outfits, die man jemals auf dem Bildschirm zu sehen bekommen wird. Er will die Nummer eins sein, doch kann ein so arroganter und amoralischer Mann wie Willie D, der die Polizei, den Staatsanwalt, andere Zuhälter und eine hartgesottene Sozialarbeiterin im Nacken sitzen hat, seinen eigenen Untergang verhindern?

Das Blaxploitation-Genre verfügt über mindestens ein Dutzend Einträge, deren Titel sogar von den beiläufigsten Filmliebhabern erkannt werden dürften, von Coffy, Blacula, Dolemite, Super Fly bis Shaft, The Mack – Straßen zur Hölle, Foxy Brown, Black Caesar und Slaughter. Willie Dynamite (1974) von Gilbert Moses schafft es vielleicht nicht so richtig in die engere Auswahl, bleibt aber ein unterhaltsamer sowie unverwüstlicher kleiner Film für sich. Obwohl der Streifen mit der gleichen unverblümten Frauenfeindlichkeit und weiteren Genre-Merkmalen „gesegnet“ ist, die Blaxploitation nur ziemlich selten zu einem ernsthaften Diskussionsthema machen, hat er auch einen ausgeprägten Sinn für Humor sowie eine unterschwellige Betonung auf soziale Gerechtigkeit zu bieten. Dabei darf Roscoe Ormans pimp-tastische Vorstellung als Willie D selbstverständlich nicht vergessen werden. Orman erlangte sehr große Bekannt- sowie Beliebtheit als Ensemblemitglied der amerikanischen Sesamstraße (ein karrierebestimmender Job, den er kurz nach Willie Dynamite antreten konnte). Dort spielte er von 1974 bis 2018 in 421 Folgen die Rolle des Gordon und übernahm den Part auch in diversen Sesamstraßen-Spielfilmen (TV, Video und Kino), darunter Bibos abenteuerliche Flucht (1985) und Elmo im Grummelland (1999)

Ein jüngeres Publikum, dem das Genre am ehesten durch Black Dynamite von 2009 bekannt ist, dürfte in Willie Dynamite einen ziemlich guten Ausgangspunkt finden, um diese Gattung von Filmen weiter erkunden zu können. Die ultra-bunten Outfits, gut choreografierten Actionszenen, der fantastische Soundtrack und die soliden Darbietungen lassen den Streifen zu einer zugänglichen sowie äußerst angenehmen Sichtung werden, wobei das Publikum durch seinen vielschichtigen Plot etwas mehr involviert wird, als man normalerweise gewohnt ist. Der Titelcharakter erweist sich als ein extravaganter Zuhälter aus New York City, der laut seines Titelsongs „seven women in the palm of his hand“ hält, die den Bedürfnissen hochkarätiger Geschäftsleute zu Diensten sind. Er träumt davon der König der Zuhälter innerhalb der Stadtgrenzen zu werden, betrachtet seine Frauen als „Cream-of-the-Crop“ und sieht seinen „Beruf“ als etwas Normales, Nichts Verwerfliches an. Willie ist allerdings auch als Kokaindealer sowie Steuerhinterzieher bekannt, was – zusammen mit dem Druck von korrupten Polizisten, dem Bezirksstaatsanwalt (Thalmus Rasulala) und einer unerbittlichen Sozialarbeiterin (Diana Sands), die gleichzeitig auch die Freundin des Staatsanwalts ist – seine Karriere beenden könnte, bevor er die Spitze erklommen hat.

Während es in typischer Genre-Kost normalerweise darum geht gegen The Man anzukämpfen, gelingt es Willie Dynamites vielfältiger Besetzung sowie seinem dreisten Antihelden das Drehbuch etwas vom Üblichen abzukehren. Unser Titelcharakter ist manchmal wirklich nur schwierig zu ertragen, transportiert aber selbst in seinen schlimmsten Momenten ein gewisses Maß an Integrität. Ormans tolle schauspielerische Leistung stellt dabei ein gehöriges Plus dar, denn obwohl ihn das Publikum während der ersten Sichtung aufgrund seiner wenig moralischen Einstellung sehr gerne verdammen möchte, verliert er sich fast vollständig in der Rolle und trägt maßgeblich dazu bei, dass der Film reibungslos läuft. Diana Sands – ebenfalls exzellent in der Bühnen- sowie Originalverfilmung von Lorraine Hansburys A Raisin in the Sun (Ein Fleck in der Sonne, 1961) – spielt ebenfalls groß auf, indem sie Willies größte Widersacherin abgibt und dabei unzählige Szenen stiehlt. Tragischer Weise starb sie vor dem Kinostart des Films an Krebs, während Willie Dynamite als ihr vorletzter Auftritt aufgeführt wird. Ihre letzte Rolle spielte sie in Honeybaby, Honeybaby. Egal, ob man nun die Action, das Kostümdesign, die Geschichte oder einfach nur das Low-Budget-Kino der 70er Jahre genießen möchte, Gilbert Moses‘ Willie Dynamite repräsentiert eine unterhaltsame und vergnügliche Produktion, der es gelingt, sich besser zu behaupten, als die meisten seiner Art.

Es gibt zwar augenscheinliche Mängel auf dem Weg zum Finale zu entdecken, wobei ein Großteil des komödiantischen Wertes des Films wohl als unbeabsichtigt bezeichnet werden muss, doch insgesamt stellt der Flick eines der eher unterschätzten Exemplare des Blaxploitation-Genres dar. Willie Dynamite sticht aus diesem relativ eng gesteckten Genre mehr oder weniger deutlich heraus, obwohl es mindestens ein halbes Dutzend bekannterer Einträge zu bieten hat. Hier handelt es sich mit Sicherheit um keinen lebensverändernden Film, der aber seine Momente hat und den Mehrwert eines selbstbewussten sozialen Kommentars in sich trägt. Auch die Haupt- und Nebendarbietungen sind durchweg als gut bis ausgezeichnet zu beschreiben. Willie Dynamite ist besser gealtert als die meisten Filme seiner Art … und sollte man zu den Liebhabern von Blaxploitation-Flicks gehören, so dürfte einem bereits bewusst sein, dass man mit Willie D und Co. immer wieder eine verdammt gute Zeit haben kann.

SPECIAL EDITION CONTENTS

  • High Definition Blu-ray (1080p) and Standard Definition DVD presentation of the feature, transferred from original film elements by MGM
  • Original 1.0 mono audio (uncompressed on the Blu-ray)
  • Optional English subtitles for the deaf and hard-of-hearing
  • Kiss My Baad Asss, a guide to blaxploitation hosted by actor and musician Ice-T, and featuring interviews with Richard Roundtree, Melvin van Peebles, Isaac Hayes and others
  • Theatrical trailer
  • Reversible sleeve featuring original and newly commissioned artwork by Sean Phillips

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  • Seitenverhältnis:‎ 16:9 – 1.85:1
  • Regisseur:‎ Gilbert Moses
  • Medienformat:‎ Import
  • Laufzeit:‎ 102 Minuten
  • Sprache: ‎Englisch (Dolby Digital 1.0)
  • Studio:‎ Arrow Video

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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