Zwei Supertypen räumen auf / I padroni della città / Mister Scarface / Rulers of the City

VHS – Edition

Tony und Rick sind kleine Ganoven, armer Leute Kinder, die in einer Gang ihre Heimat gefunden haben. Als aber diese Gang beginnt, auch die kleinen Leute des Viertels zu erpressen und rücksichtslos Schutzgelder eintreibt, beginnen Tony und Rick zu begreifen. Die Romantik der Gesetzlosen ist dahin. Sie beginnen zu handeln und aufzuräumen … und das sehr zum Erstaunen und Missfallen der Gang. (Toppic Video)

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

Tony (Harry Baer) ist ein aalglatter sowie gutaussehender, jedoch unbedeutender Kerl, der als Geldeintreiber für Luigi Cherico (Edmund Purdom) arbeitet; dem Crime-Boss Nummer zwei in der Stadt. Um bei Luigi Eindruck schinden zu können, gelingt es Tony auf geniale Art und Weise zehn Millionen Lire von Crime-Boss Nummer eins zu ergaunern, dem gefürchteten sowie unnachgiebigen Manzari (Jack Palance), der auch „Der Skrupellose“ genannt wird und zuvor drei Millionen Lire aus Chericos „Casino“ entwendet hatte. Dadurch beschwört Tony unfreiwillig einen Mafia-Krieg in Rom herauf und findet sich inmitten der beiden Lager wieder. Glücklicherweise erhält er Hilfe von Vinchenzo Napoli (Vittorio Caprioli), einem extravaganten Gauner der alten Schule und Rick (Al Cliver), einem mysteriösen blonden Experten für Schusswaffen, der eine alte, sehr persönliche Rechnung mit Manzari zu begleichen hat.

Nach dem künstlerischen Misserfolg seiner Betrugskomödie Gli amici di Nick Hezard (Der Dreh mit dem Millionencoup / Der Stachel, 1976) kehrte Fernando Di Leo auf bekannteres Terrain zurück. Obwohl es sich bereits um des Regisseurs x-ten Vorstoß in die Welt des Verbrechens handelte, hat Zwei Supertypen räumen auf (der Originaltitel I Padroni della Città bedeutet frei übersetzt ungefähr so viel wie Die Herrscher der Stadt) dennoch eine ironische, pikareske Ader zu bieten, die den Ableitungen des Filmemachers ins Komödiantische, wie Colpo in canna (Ich polier‘ dir deine Glatze, 1975) näher ist, als Di Leos früheren Filmen Milano calibro 9 (Milano Kaliber 9, 1972) und La mala ordina (Der Mafiaboss – Der Eisenfresser, 1972). Das kann schon am Originaltitel selbst erkannt werden, der einen epischen Umfang ankündigt, den der Film allerdings nicht bieten kann. Die „Herrscher“ sind hier nämlich kleine Gauner, mittellose Schurken, die sich in schäbigen Tavernen und Billard-Hallen herumtreiben, während der Film ein Flair von niedrigem Budget versprüht, das perfekt zu seinem Thema passt. Normalerweise schlitzen sich Mitglieder der Unterwelt nicht gegenseitig die Kehlen auf, wenn es „nur“ um 300.000 Dollar geht. Doch auf dieser Ebene sind schon einige Millionen Lire, ein miserabel laufendes Geschäft von Schutzgelderpressung und die Kontrolle über ein heruntergekommenes „Casino“ Grund genug, um einen Krieg zu entfachen.

Achtung Spoiler !!!

In Zwei Supertypen räumen auf präsentiert Di Leo seinem Publikum keine Größen des international organisierten Verbrechens, sondern stattdessen einen Boss aus der Nachbarschaft ohne Mumm (Edward Purdom), der sich beinahe in die Hosen pinkelt, als ihm ein Rivale auf die Füße tritt; dessen prahlerische sowie opportunistische rechte Hand Beppe (Enzo Pulcrano); einen kleinen Geldeintreiber, Tony (Harry Baer), der in einem Dünenbuggy herumfährt, sich mehr für Frauen als für „Geschäfte“ interessiert und davon träumt nach Brasilien auszuwandern und einen schweigsamen Schusswaffenexperten mit untrüglichem Ziel, Rick (ein schnurrbartloser Al Cliver), der sich auf eine bereits lang ersehnte Rache vorbereitet. Dies sind „Die Herrscher der Stadt“, ein Haufen kleiner Fische, die von der Hand in den Mund leben, in einem Labyrinth aus Doppelkreuzen und Verschwörungen, Bestechungs- und Schmiergeldern, Hänseleien und Verrat. Hier wird eine Welt porträtiert, die im Begriff ist zu verschwinden, teils wegen des Aufkommens neuer organisierter Kriminalität, teils wegen Selbstzerstörung. Ein solches Leben kann sich ziemlich traumatisch gestalten, wobei sich jeder die Schlangen heranzüchtet, die er letztendlich auch verdient: Der passive Luigi bekommt von Beppe in einer bemerkenswert konzipierten und geschnittenen Sequenz eine Kugel in den Kopf gejagt, während der Hauptschurke des Films „Der Skrupellose“ Manzari (Jack Palance), so dermaßen von sich selbst eingenommen ist, sodass er seinen Gesprächspartnern nie in die Augen sieht und so erst kurz vor seinem Tod begreift, dass sein ehemaliger Handlanger Rick der Junge ist, dessen Vater er Jahre zuvor vor den Augen seines Sohnes erschossen hatte.

Bei Zwei Supertypen räumen auf legt Di Leo jedoch eine nachsichtigere und wohlwollendere Haltung, als in seinen früheren Filmen an den Tag. Zum einen lässt der Regisseur oft Raum für komische Einlagen, da ja in solch einem Milieu Tragödie und Farce oft aneinandergrenzen. Solche Momente beruhen hauptsächlich auf dem großen Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseur Vittorio Caprioli (der bei so wichtigen Filmen wie Parigi o cara / Paris, My Love, 1962 und Splendori e miserie di Madame Royal, 1970 Regie geführt hat und außerdem einer der zuverlässigsten Charakterdarsteller des italienischen Kinos gewesen ist), als älterer, pittoresker Taschendieb, der vielleicht als Alter Ego des Regisseurs angesehen werden kann und dessen Klagen über die Kluft zwischen alter und neuer „Schule“ Di Leos Sichtweise mit einer angenehm ironischen Note auf den Punkt bringt. Abgesehen von seinem knappen Budget wird der Film von zwei nicht allzu überzeugenden Hauptdarstellern ein wenig kompromittiert. Al Cliver spielt hilflos hölzern, während Harry Baer – ein deutscher Schauspieler, der mit Rainer Werner Fassbinder zusammengearbeitet hat (u.a. Die dritte Generation; Lili Marleen; Lola; Die Sehnsucht der Veronika Voss) und wohl nur aus Koproduktionsgründen besetzt wurde – als römischer Subproletarier eher unglaubwürdig rüberkommt. Neben Baer gab es mit Gisela Hahn und Peter Berling auch noch zwei weitere deutsche Schauspieler, wobei letzterer auch als Co-Drehbuchautor aufgeführt wurde, jedoch lediglich aus Gründen der Koproduktionsquote, da das Drehbuch ausschließlich von Di Leo verfasst wurde.

Zwei Supertypen räumen auf verblasst nicht im Vergleich zu den Meisterwerken des Regisseurs und enthält einige von Di Leos bestgedrehten Sequenzen. So wie den Mord an Ricks Vater in der Eröffnungsszene, bei dem Zeitlupenaufnahmen und leicht unscharfe Kinematografie (von Erico Menczer) eine barbarische Vergangenheit heraufbeschwören, die sich zumindest in Ricks Erinnerung festgefressen hat. Nicht zuletzt repräsentiert der kulminierende Showdown in der verlassenen Ziegelbrennerei (gedreht mit vielen spektakulären Auto-Stunts) wirklich eines der großartigen set-pieces des italienischen Kriminalkinos. Wie immer bei Di Leos Filmen steht die Action im Dienst des Dialogs, der wie immer Spaß macht (glücklicherweise hält sich die deutsche Synchronisation mit allzu derben Kalauern zurück, obwohl Tonys erste Prügelei mit Pietro Ceccarelli zu Beginn des Films einem schon gehörig Angst und Bange macht) und niemals banal rüberkommt. Sätze, die von Caprioli ausgesprochen werden „Ach, dass ihr jungen Spunde immer nur den Zaster im Kopf habt, das ist schrecklich. Ihr Jungs habt es immer eilig – ihr habt es eilig, Geld zu machen, zu stehlen und zu sterben.“ können als Metaphern gelesen werden. Die sterbende Welt dieser kleinen Gangster spiegelt irgendwie – vielleicht unfreiwillig aber auf unheimlich präzise Art und Weise – die der italienischen Filmindustrie wider, die unter der Offensive der neugeborenen kommerziellen Fernsehsender und dem daraus resultierenden wirtschaftlichen Untergang bereits stark nach Luft schnappte. Zwei Supertypen räumen auf war der letzte Film, der von Daunia 70 Cinematografica produziert wurde, der unabhängigen Firma, die alle vorherigen Di Leo Filme (mit Ausnahme von Il poliziotto è marcio / Shoot First, Die Later und La città sconvolta: caccia spietata ai rapitori / Auge um Auge, die von Galliano Juso produziert wurden) finanziert hatte, beginnend mit I ragazzi del massacro / Note 7 – Die Jungen der Gewalt von 1969. Von da an sah sich der Regisseur mit zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert, worunter seine folgenden Arbeiten (Avere vent’anni / Oben ohne, unten Jeans; Razza violenta / Söldner Attack und Killer contro killers / Death Commando) zwangsläufig zu leiden hatten und allmählich in die Unsichtbarkeit abdrifteten.

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  • Artikel-Nr.: V13311
  • Bildformat: 1,66:1
  • Spielzeit: ca. 83 Min
  • Sprache: Deutsch
  • TV-Norm: PAL
  • Zustand: sehr guter Zustand – Einleger
  • FSK: ungeprüft
  • Tonformat Analog: Mono
  • Medium:

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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