Hong Kong Film-Retrospektive in Berlin

Das Arsenal Kino wendet sich, etwa ein halbes Jahr nach dem Babylon Mitte übrigens (dort läuft seit 1.3. eine Film Noir Reihe, auch verlockend), dem Hong Kong Kino zu und zeigt ab März eine Reihe unterschiedlichster Werke aus der Zeit von 1949 bis 1997. Die Retrospektive wird gezeigt in Kooperation mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen und wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und das Hong Kong Economic and Trade Office in Berlin. Unter dem Titel „Splendid Isolation“ gibt es einen bunten Mix zu sehen an Filmen aus der ehemaligen britischen Kolonie, darunter alles von Dramen über Action über Wuxia und vieles mehr, die das Kurator*innenkollektiv The Canine Condition (Lukas Foerster, Nikolaus Perneczky, Fabian Tietke, Cecilia Valenti) auftischt. Besonderes Highlight an der Retrospektive ist die Anwesenheit von Regisseurin Ann Hui (Boat People). Alle 27 Filme werden in analogen 35-mm-Kopien gezeigt.

Wer übrigens in Berlin ist, oder nach Berlin kommen möchte, kann sich gerne an uns wenden, vielleicht schaffen wir es, am Rande der Retrospektive eine Art Nischenkino Get-Together zu organisieren (leider abhängig vom Terminkalender und Gesundheitszustand meiner Wenigkeit aber versuchen kann man es). Nach dem folgenden Auszug aus dem Pressetext gibts mehr Infos zu den Filmen


Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in der damaligen britischen Kronkolonie Hongkong eine Ausnahmekinematografie, deren Einfallsreichtum und schöpferische Kraft ihresgleichen suchen. Anfangs produzierte diese Filmindustrie, die Genre-Modelle aus Hollywood aufgriff, zugleich jedoch an das Shanghaier Kino der Vorkriegszeit anknüpfte, Adaptionen klassischer Opernstoffe, modernistische Melodramen und populäre Martial-Arts-Filme: Grundpfeiler eines einzigartig ausdifferenzierten Genre- und Starsystems, das Leinwandgrößen von Linda Lin Dai bis Chow Yun Fat hervorgebracht hat. Die Filmreihe „Splendid Isolation: Hong Kong Cinema 1949–1997“ schlägt einen Bogen von der wenig bekannten Frühzeit des Hongkong-Kinos über das populäre Genrefilmschaffen und die Autorenfilme der 70er und 80er Jahre, die auf internationalen Festivals Aufsehen erregten, bis zu seinen Ausläufern in den 90er Jahren, die nach dem handover von 1997 in die gesamtchinesische Filmproduktion eingegangen sind. Blieb das Kino des Stadtstaats zunächst noch über personelle und institutionelle Kontinuitäten dem chinesischen Filmschaffen der Vorkriegszeit verbunden, war es bis zu den 70er Jahren vom chinesischen Festland ebenso abgeschnitten wie von den Kinomärkten im nicht-asiatischen Ausland. Mit dem internationalen Erfolg der Martial-Arts-Filme und den ersten Filmen der Neuen Welle ab Ende der 70er änderte sich das allmählich. Trotz der Bemühungen einzelner Verleiher waren die bildgewaltigen Filme der späten 80er und 90er in Deutschland dennoch oft nur auf Festivals zu sehen und harren einer umfassenden Wiederentdeckung. „Splendid Isolation“ gibt einen einmaligen Überblick über dieses vielfältige Filmschaffen und präsentiert die Filme im originalen Produktionsformat von analogen 35-mm-Kopien aus Archiven in aller Welt. Unter den ausgewählten Filmen finden sich Klassiker des Hongkong-Kinos ebenso wie weitgehend vergessene Kleinode. Besonders freuen wir uns, unter den Gästen der Retrospektive den Hongkonger Regiestar Ann Hui begrüßen zu dürfen. Die Reihe wurde kuratiert von The Canine Condition (Lukas Foerster, Nikolaus Perneczky, Fabian Tietke, Cecilia Valenti) in Zusammenarbeit mit Lorenzo Berardelli.

Pressetext Deutsch und Englisch:
Li Han Hsiangs Opernfilm The Kingdom and the Beauty (Jian Shan Mei Ren) von 1959 ist der älteste gezeigte Film, der läuft am 11. und 14. März. Aus den 60ern wird gezeigt Doe Chings Love Without End (Bu Liao Qing) von 1961 am 11. März, sowie The Love Eterne (Liang Shan Bo Yu Zhu Ying Tai) von 1963 und zwar am 1. und 6. März. Weiter geht es mit King Hus Come Drink With Me (Da Zui Xia) von 1966, der am 2. und 12. März gezeigt wird. Chang Chehs Golden Swallow (Jin Yan Zi) von 1968 läuft am 2. und 13. März, und Griffin Yueh Fengs Madam White Snake (Bai She Zhuan) von 1962 am 7. März.
In den 70ern geht es munter weiter mit The Arch (Dong Fu Ren) von 1970 der am 9. und 16. März läuft. Das vergessene Meisterwerk des Wuxia, The Deaf and Mute Heroine (Long Ya Jian) von Wu Ma, 1971 läuft am 7. März als Verleihkopie der englischsprachigen Synchronfassung da das Original nicht auffindbar scheint. The Private Eyes (Ban Jin Ba Liang) von Michael Hui aus dem Jahr 1978 kommt am 8. und 15. März. Der Martial Arts Klassiker Dirty Ho (Lan Tou He) von Lau Kar Leung 1979 kommt am 10. März. Intimate Confessions of a Chinese Courtesan (Ai Nu) von Chor Yuen aus dem Jahr 1972 läuft am 14. und 22. März und wird als „skandalöser Höhepunkte des Hongkong-Kinos“ beschreiben.
Aus den 80ern gibt es einen Berg spannender Filme.
Für Tsui Hark Fans läuft mit Peking Opera Blues (Do Ma Daan) von 1968 ein besonders Kleinod am 4. und 23. März. Ebenfalls ein Klassiker ist der erfolgreiche Fantasyfilm A Chinese Ghost Story (Sien Nui Yau Wan) von 1983 unter der Regie von Ching Siu Tung, der an den gleichen Tagen gezeigt wird. Großmeister Yuen Woo Ping tischt am 5. März seinen traditionsbewussten Dreadnaught (Yong Zhe Wu Ju) von 1981 auf. Apropos Tradition, der geniale The Prodigal Son (Bai Ga Jai) von Sammo Hung aus dem gleichen Jahr ist ganz im Stil alter Shaw Filme und läuft am 5. und 10. März. Richtig irre wird es mit The Boxers Omen (Mo) von Kuei Chih Hung aus dem Jahr 1983 am 18. März. Der energetische Cherie (Xue Er) von Patrick Tam aus dem Jahr 1984 läuft am 6. und 19. März. Einer der schönsten Filme der neuen Wellt ist Boon Bin Yen von Allen Fong aus dem Jahr 1983 den man am 9. März sehen kann. Johnny Maks Long Arm of the Law (Saang Gong Kei Bing) von 1984 kommt am 12. und 19. März bewegt die Retrospektive in die Actionrichtung. Mit Eight Taels of Gold (Ba Liang Jin) von Mabel Cheung aus dem Jahr 1989 wirds nochmal etwas dramatisch, der läuft am 13. und 28. März. Nun zu Ann Hui, die beim Screening am 24. März dabei ist: der epische Historienfilm The Romance of Book and Sword (Shu Jia En Chou Lu) von 1987 dürfte ein Geheimtip sein. Die Fantasy-Zeitreise-Komödie The Iceman Cometh (Ji Dong Qi Xia) von Clarence Fok aus 1989 kommt am 16. März auf die Leinwand. Mein persönliches Highlight wäre aber der Chow Yun Fat Klassiker God of Gamblers (Dou San) aus dem Jahr 1989 mit dem Regisseur Wong Jing einen Kracher gelandet hatte.
Die 90er sind für Hong Kong Fans natürlich eine Goldgrube. Benny Chans A Moment of Romance (Tin Joek Jau Ching) von 1990 lief nur am 3. März, sollte Fans aber ein Begriff sein (muss bei mir mal auf die dringende Watchlist). Für Actionfans ist dann Rigo Lams Full Contact (Xia Dao Gao Fei) natürlich ein Muss. Der Klassiker von 1992 läuft am 3. und 17. März. Wen ich ja gar nicht mag ist Stephen Chow. Sei es drum, wer ihn mag der darf seinen God of Cookery (Sik San) von 1996 am 8. oder 26. März sehen. Tsui Hark zweiter Auftritt. Mit The Blade (Dao) von 1995 wird ein ziemliches Feuerwerk geboten. Der Film läuft am 17. und am 25. März, dann mit Einführung von Lorenzo Berardelli (vielen Dank an dieser Stelle an Lorenzo für seine Mithilfe bei diesem Artikel, auch wenn der etwas spät kommt). Der Cop Thriller Taxi Hunter (Di Shi Pan Guan) von Herman Yau von 1993 läuft am 18. März.
Pictures of Come Drink With Me, Intimate Confessions of a Chinese Courtesan, The Boxer’s Omen, The Love Eterne, Cherie and Golden Swallow Courtesy to Celestial Pictures Limited. Pictures of The Private Eyes, The Prodigal Son and The Iceman Cometh © 2010 Fortune Star Media Limited All Rights Reserved.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

1 Antwort

  1. 15. Mai 2018

    […] Herman Yau (Ip Man Zero, Taxi Hunter) liefert hier einen fetzigen Actionthriller ab, der Stilelemente von The Hurt Locker, Stirb […]