Jigsaw

Die Stadt ist übersät von grausam entstellten Leichen. Die Ermittlungen führen schnell zu einem alten Bekannten: John Kramer. Doch der Mann, der auch Jigsaw genannt wird, soll seit mehr als einem Jahrzehnt tot sein. Aber wer steckt dann hinter den Morden? Ist einer seiner Schüler zum Lehrer geworden und führt Jigsaws Erbe fort? Steckt womöglich einer der Ermittler hinter den Morden? Die Spiele haben begonnen… (StudioCanal)

Die Saw Filme (liebt man sie oder hasst man sie) bilden das Horror-Franchise der frühen 2000er Jahre. Die Serie begann mit Saw (2004), einem hervorragend fiesen und wendungsreichen Thriller von Regisseur James Wan. Mit minimalem Budget hergestellt, wurde der Streifen ein riesiger Erfolg und brachte eine Reihe von Fortsetzungen hervor – Saw II (2005), Saw III (2006), Saw IV (2007), Saw V (2008), Saw VI (2009) und Saw 3D (2010). Unter anderen Regisseuren ging die Serie vom spannungsgeladenen Torture-Thriller direkt zum sogenannten Torture-Porn über, der so unangenehm und extrem wie möglich dargestellt wurde. Schließlich begrüßte man das Ende der Saw-Serie, wobei sie, wie die Filme der Police Academy Reihe, als ein Produkt ihrer Zeit angesehen und das natürliche Ende dieser Ära gefeiert werden sollte. Doch sieben Jahre nach der letzten veröffentlichten Fortsetzung wird das Franchise wieder aufgenommen, obwohl man aufgrund des ziemlich schlechten Abschneidens an der Kinokasse davon ausgehen kann, das es Jigsaw nicht gelingt eine Wiederbelebung des Franchise loszutreten.

Der vielversprechende Vorteil von Jigsaw seinen Vorgängern gegenüber ist, dass für den Streifen ein paar halbwegs vernünftige Regisseure verpflichtet werden konnten. Abgesehen von James Wan, der sein Debüt mit dem ersten Saw gab und sich zu einem vielversprechenden Regisseur entwickelt hat, wurden alle anderen Saw-Folgen von nicht gerade genialen Genre-Hacks wie Darren Lynn Bousman und Kevin Greutert „verbrochen“. Im Gegensatz dazu wurde Jigsaw unter der Regie der australischen Spierig Brüder verwirklicht, die als einzige der Saw-Regisseure mit dem seltsam hausgemachten Zombie / Alien-Entführungsfilm Nightbreakers – The Undead (Undead, 2003), dem faszinierenden Vampirfilm Daybreakers (2009), dem exzellenten Robert Heinlein-adaptierten Zeitparadox-Film Predestination (2014) sowie der realen Spukhausgeschichte Winchester: Das Haus der Verdammten (Winchester, 2018) bereits einige gute Filme fabriziert hatten.

Nun, mit Jigsaw bestand die berechtigte Hoffnung, den Spierig Brüdern würde es gelingen etwas auf die Beine zu stellen, das die Saw-Serie etwas aufwerten, vielleicht sogar zurück in die Gefilde des ersten Streifens führen würde, anstatt sich wieder nur den mittlerweile enorm abgenutzten Folter-Porno-Extremen hinzugeben. Leider ist dies nicht so ganz der Fall. Das Publikum bekommt, was zu erwarten war, einen Durchlauf aller Elemente der übrigen Saw-Filme vorgesetzt: eine Gruppe von entführten und eingesperrten Menschen, die sich quälender Selbstverstümmelung unterziehen müssen, um ihr Entkommen beeinflussen zu können; sowie Tobin Bell (noch am Leben, obwohl der Jigsaw-Killer vor vier Filmen getötet wurde), der sie für ihre Sünden verurteilt hat und büßen lassen will. Glücklicherweise ist es den Spierig-Brüdern dennoch zu verdanken, dass Jigsaw nicht so tief in Folter-Porno-Exzessen watet, wie seine Vorgänger. Selbstverständlich ist immer noch eine ordentliche Anzahl von Todes- und Foltergeräten vorhanden, doch dieser ist wahrscheinlich der am wenigsten gore-durchdrungene aller Saw-Filme. Keine der Tötungsmethoden ist besonders erinnerungswürdig, abgesehen von dem Kopf, der mit Laserstrahlen in Stücke geschnitten wird.

Jigsaw kehrt plot-technisch zu dem zurück, was in Saw und einigen der Fortsetzungen bereits Anwendung gefunden hatte – zwei parallele Handlungsstränge, wobei einer den Opfern folgt, wie sie sich durch Jigsaws Fallen kämpfen; während der andere zeigt, wie eine Gruppe von Cops versucht Jigsaws Puzzles zu lösen. Die Polizeiprozedur ist dabei Standardmaterial – wo ein Verdächtiger aus unwahrscheinlichen Gründen Studio-Räume angemietet und die meisten von Jigsaws Folterinstrumenten nachgebaut hat (man erfährt nie genau warum). Auf der anderen Seite macht das Ende des Films das Ganze plötzlich interessant. Die Enthüllung der Identität des wahren Jigsaw-Akolythen kommt einigermaßen als Überraschung rüber. Genauso wie die große Wendung, die aufzeigt, dass vieles von dem vorher Präsentierten des Zuschauers Zeitgefühl absichtlich durcheinanderwirbeln möchte (und sogar der Serienkontinuität nicht widerspricht). Das macht Jigsaw zumindest anschaubarer als seine Vorgänger.

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  • Darsteller: Laura Vandervoort, Tobin Bell, Callum Keith Rennie, Brittany Allen, Matt Passmore
  • Regisseur(e): Michael Spierig, Peter Spierig
  • Komponist: Charlie Clouser
  • Format: Dolby, PAL, Widescreen
  • Sprache: Deutsch (DD Stereo), Englisch (DD Stereo)
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
  • FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Studio: Studiocanal
  • Produktionsjahr: 2017
  • Spieldauer: 88 Minuten

 

Diese DVD wurde uns freundlicherweise von StudioCanal zur Verfügung gestellt.

 

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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