Die Peter Weir Collection

Das Jahr 2013 ist das Jahr der Sammlereditionen. Nach Elio Petri, der Giallo Box, den Italowestern Enzoklopädien und bald der Damiano Damiani Box (update: wurde leider gecancelt), fand auch die Peter Weir Collection seinen Weg in meine Hände. Koch Media beweist auch hier wieder ein gutes Händchen mit Repertoire Kino, und leistet liebevolle Arbeit wenn es darum geht, Raritäten Heimkino-reif zu machen. Vier Filme sind in dieser Box enthalten, alle aus Peter Weirs Anfangszeiten. Später wurde der Australier zum Beispiel mit The Truman Show weltberühmt und zählt zu den besten Drama Regisseuren der Gegenwart.

The Last Wave / Die letzte Flut

The Last Wave

Der Mystery Thriller aus Weirs Frühzeit spielt während eines Wochenlangen Unwetters in Australien. Aus unerklärten Gründen kommt ein Aboriginal ums Leben, und ein in diesen Fragen unerfahrener Anwalt David Burton (Richard Chamberlain), der komische Albträume hat, wird hinzugezogen um die  Beschuldigten, ebenfalls Ureinwohner, zu verteidigen und den Fall zu klären. Seine Albträume nehmen zu, doch was hinter dem Todesfall steckt erweist sich als sehr kompliziert aufzudecken. Während dessen regnet es weiter in Strömen, und Burton vermutet Stammesmagie sei im Spiel….

Diese fast schon apokalyptisch-gruselige Geschichte stellt ein Spanneungsverhältnis von Ureinwohnern, Naturgewalten und Weißen her, ein Misverstehen zwischen den Kulturen, ein Bedürfnis Unerklärliches erklären zu können und sich auf Unausweichliches gefasst machen zu können. Weirs Film ist dabei durchaus etwas creepy, dabei weder ein Horrorfilm noch ein Politdrama. Es ist ein atmosphärisch dichter Naturthriller der sich mit existenziellen Fragen beschäftigt – aber am Ende keine wirklich befriedigenden Antworten liefert.

The Plumber / Der Klempner

The Plumber

Jill lebt mit ihrem Mann in einer, man könnte sagen, Platte. Als eines Tages unbestellt ein Klempner ins Haus schneit, sieht es erst nach einer Routineprüfung aus. Doch der Klempner Max ist aufdringlich, scheint mehr kaputt zu machen als zu reparieren, und Jill fühlt sich terrorisiert. Ihr beschäftigter Mann hat dafür erstmal kein Ohr, er ist zu beschäftigt in seinem Labor an der Uni eine Delegation der WHO zu empfangen. Das Bad ist mittlerweile ein Chaos, und Jill kriegt Panik….

Ein Heidenspaß, soviel muss ich vorausschicken. Wer The Cableguy kennt, der weiß in etwa das Konzept des Filmes, nur ist dieser um einiges minimalistischer und charmanter. Er spielt quasi ganz in der kleinen Wohnung, und der Schauspieler der den Klempner mimt ist eine wahre Freude. Die Situation wird zunehmend absurder, und just wenn man annimmt es drohe zu eskalieren, gibt es eine witzige Wendung. Der Film nimmt sich nicht zu ernst, so sind durchaus auch einige wenige komische Momente enthalten, er ist aber keinesfalls eine Komödie. Ich fand den Film hervorragend und sehr unterhaltsam, und auch hier kam Weirs Liebe für indigene Kulturen wieder vor, was ich für ein super Motiv halte.

The Cars that ate Paris / Die Autos die Paris auffraßen

The Cars that ate Paris

Ein kleines Kaff im Nirgendwo lebt davon, Autos von der Straßee abzubringen, die Unfalltoten zu vertuschen und Auto und Inhalt unter sich aufzuteilen. Der Bürgermeister und seine Mitkonspiranten halten dicht, Überlebende werden im Krankenhaus von Paris, so der Name des Orts, “behandelt” und werden dabei nicht sellten für Irre deklariert oder mal kurzerhand “aufgebohrt”. Das aktuellste Opfer des Straßenstreichs überlebt, und wird dazu genötigt, in Paris zu verbleiben. Entkommen zwecklos. Als jedoch die Sache überhand nimmt, und die rebellierende Jugend des Dorfes gegen die konservativen Alten aufmüpft, kommt es zum Chaos…

Der Film ist sicherlich seltsam. Aber auf eine gute Art und Weise. Es handelt sich um einen innovativen Ansatz rund um das “hick village” Konzept, und gerade in diesem Film nimmt das ganze reichlich bizarre Züge an. Dabei geht Weir auch den interessanten Weg, und portraitiert viele Akteure des Films nicht menschlich, also die Autos der wilden Jugendlichen, die prinzipiell wie wilde Tiere inszeniert sind, die über das Dorf herfallen. Ein herrlich abstruser Kinospaß, der zwar langsam beginnt, aber dann an Schrägheit kaum zu überbieten ist.

Picknick on Valentine’s Day / Picnic at Hanging Rock

Picnick at Hanging Rock

Am Valentinstag circa 1900 macht eine ganze Mädchenschule Picknick am Hanging Rock im Australischen Bundesstaat Victoria. Der Fels ist ein geologisches Wunderwerk, aber auch gefährlich, nicht nur wegen der vielen Schlangen und giftigen Ameisen. Die Mädchen genießen den Tag bei Kuchen und Tee am Fuße der Felsformation, unter der Obhut ihrer Mademoiselle und dem Kutscher. Drei Mädchen seilen sich ab, um die Natur zu erkunden, später eilt ihnen die Hilfslehrerin nach. Eines der Mädchen ist etwas weniger sportlich und fällt hinterher, sonderbarerweise ist es das einzige, das an dem Tag schreiend zum Rest stößt, von den anderen beiden und der Hilfslehrerin fehlt bis heute jede Spur. Suchende Jungs finden lediglich Tage später eines der Mädchen, völlig erschöpft, mit Kratzern im Gesicht, und ohne Erinnerung darüber was passiert…

Ein internationaler Erfolg war der Film, basierend auf dem gleichnamigen Roman, der die fiktive Story der verschollenen Mädchen erzählt, und selbst nicht auflöst. Jahre später führte der Erfolg des Films, und das gestiegene Interesse an dem Felsen dazu, dass die Autorin das zurückgehaltene letzte Kapitel des Buches veröffentlicht. Peter Weir inszeniert hier eine mysteriöse Natur-Horrorstory fast schon im Stil der frühen amerikanischen Autoren wie Nathaniel Hawthorne, die die Neugierde junger Leute an der beeindruckenden Natur vermischten mit Zaubergeschichten und überraschend erschreckenden Erlebnissen im Zusammenprall zwischen Mensch und Natur. Picnick at Hanging Rock ist ein langsamer, wunderbar inszenierter Film, der keine Fragen beantwortet, sondern ganz die Interpretation des Zuschauers foltert. Ein erstaunliches Frühwerk eines Regisseurs, dessen Stil ich nun nach dieser Filmsammlung sehr zu schätzen weiß.

DVDs

Peter Weir CollectionDie DVDs bietet ansonsten nur Trailer, TV Spots und Bildergalerien. Die Film sind jeweils in Deutsch oder Englisch verfügbar, mit optionalen Untertiteln. Das Bild sieht meist okay bis gut aus aus, ist aber von viel Bildrauschen oder Grieseln gezeichnet, was vor allem in dunklen Szenen manchmal stark sichtbar ist. Da es die Box auch als BluRay gibt, sind die Abtastungen grundsätzlich schon nicht schlecht, ist aber von Film zu Film wechselnd. Es ist schade dass es keine zusätzliche Disc mit Extras gibt, z.B. eine Dokumentation über Weir, oder Interviews und dergleichen.

Fazit

Peter Weir war mr zwar nicht unbekannt, aber irgendwie ein Enigma. Der Australier hat – das weiß ich nun – seine besten Werke damals abgeliefert, als er in Australien Independen Filme produziert hat, die stark von Natur und Mystik geprägt sind, ein Stileinfluß der wohl viel mit dem Selbstverständnis der Australier zu tun hat, und deren Beziehung zu ihrem Kontinent. Die Filme der Box sind allesamt sehr unterhaltsam, sowohl fesselnd und bizarr in einer bestimmten Weise.

Die Box ist ebenfalls als BluRay Variante erhältlich, diesem Artikel liegt die DVD Fassung zu Grunde. Bei nur 4 Euro Preisunterschied sollte man klar zur BluRay Box greifen, man kennt dem Material an dass auch höher aufgelöste Master zur Verfügung standen, auch wenn man den Filmen ihr Alter ansieht, und die Qualität etwas variiert.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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