Aus der Hölle gespuckt

The Mad Bomber (aka Police Connection aka Aus der Hölle gespuckt) ist ein klassischer Exploitationer (siehe GCDb Eintrag, der seit einiger Zeit nicht mehr indiziert und auf DVD erhältlich) ist. Der Film handelt von dem verbitterten Bombenleger Dorn (Chuck Connors), der seine Tochter an die Drogenszene verlor (das lernt man in Flashbacks kennen). Er ist auf den Staat und die Gesellschaft sauer, sieht überall moralischen Verfall, pöbelt Passanten an die Kaugummipapier auf die Straße werfen. Er legt Bomben in Krankenhäusern, Schulen, Polizeiwachen. Als der Vergewaltiger Fromley (Neville Brand) ihn zufällig beobachtet, gelingt es dem Polizisten Minelli (Vince Edwards), den Bombenleger ausfindig zu machen… doch die Uhr tickt… Dorn hat schon wieder weitere Ziele im Auge….

Chuck Connors, den ich vor allem aus seinen Ausflügen in den Italowestern kenne (vor allem Töte sie alle und kehre allein zurück), mimt hier hervorragend den einsamen Durchgeknallten, der von einem Familientrauma gebeutelt einen auf reaktionärer Vigilant macht und zum Terroristen wird. Es handelt sich dabei um letztlich typische amerikanische Exploitation-Ware: Zynisch, brutal, garstig, billig und eben auch unterhaltsam. Unterhaltsam ist übrigens auch die lächerliche Darstellung davon wie man damals glaubte dass Computer funktionieren. Sehr witziges Detail.

The Mad Bomber ist ein ganz und gar garstiges Filmchen: Hinter dem billigen Look und der Fließband-Story steckt ein kleiner Schocker voller gesalzener Sprüche, Sexismus und Splatter. Insofern ist er natürlich auch nix für Kinder, aber richtig erschreckend ist eigentlich vor allem die Qualität dieser DVD (dazu gleich mehr). Der Film geht zeitgerecht auf die Angst vor den einsamen Irren ein, zum Beispiel dem Unabomber der ab 1978 durch Briefbomben Terror verbreitete. Noch viel mehr aber ist es ein Wink in Richtung des konservativen Reaktionismus, der Verärgerung der älteren Konservativen über die Unfähigkeit des von ihnen zu Tode gesparten Staates, mit sozialen Spannungen umzugehen die in Kriminalität und gesellschaftlichen Gegenbewegungen resultierten. Da biss sich die Katze also in den Schwanz, doch das beschwert uns unterhaltsame Filme wie diesen hier.

The Mad Bomber ist auch deswegen klassische Exploitation-Ware weil er sogenannten „no-frills“ Stil verkörpert: Keine Schnörkel, keine Effekte, kein Ballast. Der Film kommt direkt auf den Punkt, nimmt keinen Blatt vor den Mund und versucht keine intellektuellen Sprünge: Unterhaltung pur, ohne dabei allerdings stumpfsinnig zu sein. Immerhin ist das Thema auch bierernst. Der hier dargestellte Vigilantismus (hier auch sehr zu empfehlen das Buch von Peter Vogl) erinnert ein wenig an den Film Falling Down aus den 90ern.

Von der DVD sollte man leider die Finger lassen. Wirklich sehr schlechte Qualität und Vollbild, vormals geschnittene Elemente (vor allem Gewaltszenen, aber auch Nacktaufnahmen und einige Sprüche von Personen) aus einer noch minderwertigeren (VHS) Quelle eingefügt, keine Untertitel. Das führt teilweise auch dazu hier kein englischer Ton verfügbar ist. Außerdem fehlt quasi der Vorspann in diesem Material, man sieht lediglich den Filmtitel (wie es tatsächlich aussehen soll, sieht man hier, und voilá da gibts auch englischen Ton für die entsprechenden Szenen). Naja, man kann damit höchstens den Film im Originalton mal sehen und damit als gesehen verbuchen. Die einzige Alternative bislang scheint wohl eine sehr stark limitierte BluRay von 2016 aus dem Hause Code Red zu sein, das US Label das nur sehr zögerlich außerhalb seines eigenen Onlineshops verkauft, und die bekommt man quasi nirgends (mehr). Vom Ton kann man sich hier auch nix erwarten, rauscht und zischt ziemlich stark, passend zur Bildqualität also 90er Jahre Qualität.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

1 Antwort

  1. 22. Januar 2018

    […] „The Mad Bomber“ wiederum ist mir bisher noch nicht untergekommen. Aber wenn Sebastian von Nischenkino schreibt: […]