Es war einmal in Amerika Extended Cut

Am 9. Oktober bzw 23. Oktober erscheint der lange erwartete Es war einmal in Amerika Extended Cut auf BluRay. Sergio Leone’s Meisterwerk und gleichzeitig letzter Film kommt somit erstmals restauriert in einer Fassung heraus, die der Originalvorführung bis dato am nächsten ist.

Es war einmal in Amerika Extended Cut

Der Film hat eine turbulente Geschichte hinter sich. Nach seiner Premiere in Italien kam der Film in den USA damals nur extrem gekürzt in die Kinos und floppte. Kritiker und Besucher waren gleichermaßen schwer für den Film zu gewinnen. Es war ein Debakel. Mit Schuld damals auch der Publisher, man hatte wohl Angst vor einem zweiten Heaven’s Gate und wusste nicht recht damit anzufangen. Das erste mal in den Genuß der ungekürtzen Kinoversion kamen US-Zuschauer damals im Spartensender Z Channel, der heute nicht mehr existiert (siehe Artikel auf Furious Cinema). Seither begann das Revival des Films der mittlerweile als Meilenstein des Kinos weltweit anerkannt und geliebt ist, und in mehreren DVD und BluRay Fassungen in den letzten Jahren zumindest wieder an Standing und Popularität gewinnen konnte. Doch auch diese Fassungen entsprachen nicht dem italienischen Original. Martin Scorsese sprang ein und hat mit den Leone Erben den Film restaurieren lassen. Als aller ersters kam der Es war einmal in Amerika Extended Cut vor einem Jahr in Italien auf den BluRay Markt (Fassung DVD, Fassung BluRay). Zum Schock der Fans zu stark komprimiert, und leider mit schlechter Bildqualität. Nach der Vorführung in Cannes 2012 eine bittere Enttäuschung und eine Frechheit auf Seiten von Warner Brothers. Anfang diesen Jahres wurde dann die US BluRay angekündigt, und genau diese Fassung kommt nun im Oktober erstmals auch in Deutschland in den Handel, und gleichsam auch nochmal in Italian, UK, etc.

US Edition

US Edition

Der Es war einmal in Amerika Extended Cut erscheint also als limitiertes Steelbook und als normal erhältliche Edition auf BluRay. Peter hat auf unserer Englischsprachigen Schwesterseite Furious Cinema die US BluRay und seine Extras vorgestellt, die deutsche BluRay wird diesem Umfang in etwa genauso entsprechen, bzw genauer gesagt der auch in England erhältlichen europäischen Variante mit mehr Sprachvielfalt. Leider ist auch diesmal nur ein Auszug der Sergio Leone Dokumentation mit dabei. Warum diese nicht mal ganz mitgeliefert wird ist seltsam.

Es war einmal in Amerika Extended CutDer Film handelt von einer Gruppe Kids im New York der 1920er, die zusammen in ihrem Viertel aufwachsen und zu mächtigen  Gangsterbossen avancieren. Noodles (Robert de Niro) und Max (James Woods) entwickeln sich dabei in unterschiedliche Richtungen. Der Film mach zwei Sprünge. Der erste ist der in die 30er, der zweite der in die 70er. Gewalt, Kriminalität, Opium und Liebe zersprengen die Gruppe von damals. Noodles Liebe Deborah (Elizabeth McGovern) spielt in diesem tragischen Epos eine zentrale Rolle. Die Karrieren der Bande, ihr Aufstieg mit der Prohibition, und ihr Zerfall mit dem Fortschritt und der Korruption, bilden eine erzählerische Meisterleistung, die von Ennio Morricones genialem Soundtrack unterstützt wird. Es war einmal in Amerika ist ein Meilenstein der Filmgeschichte, welches man gesehen haben muss.

Mit dem Es war einmal in Amerika Extended Cut hat man endlich die Möglichkeit, den Film und die Charakter besser zu verstehen. Die von Leone gewünschte Struktur ist so wieder intakt, und der Film fühlt sich in der zweiten Hälfte nicht mehr so  unausgeglichen an wie das in den bisher erhältlichen Schnittfassungen der Fall war. Der Film läuft so 22 Minuten länger als die bisherige Version. Fausto Ancillai, der Sound Editor des Films, war an der Restauration beteiligt. Es ist einfach ein unglaubliches Erlebnis diesen Film wieder entdecken  zu können. Der Fall zeigt auch wie unglaublich wichtig Filmkonservierung ist. Die extra Materialien sehen qualtiativ nicht so gut aus wie der sorgsam restaurierte Rest des Films. Man kennt das Problem in allen Genres, z.B. auch beim Italowestern. Gut erhaltenes Filmmaterial vieler alter Filme zu bekommen ist schwierig, weil das Thema der ordentlichen Lagerung und Präservierung einfach Jahrzehnte lang vernachlässigt wurde. Auch von Fritz Langs Meisterwerk Metropolis hatte man erst vor einigen Jahren eine lang verloren geglaubte Version in Argentinien wieder ausgegraben. Es handelt sich hier um das kulturelle filmische Erbe. Diese Filme zu restaurieren und zu präservieren ist eine Kernaufgabe der Industrie, und der Job von uns Cineasten ist es, diese daran ständig zu erinnern – aber auch mit unserem Konsum zu beweisen dass es sich auch finanziell lohnt dies zu tun.

Es war einmal in Amerika Extended CutDer Es war einmal in Amerika Extended Cut ist bei Amazon bestellbar und im Handel erhältlich. Ob man sich die etwas schmuckere Steelbox holt, oder die normale Edition, die wohl in begrenzter Stückzahl auch in einer Papphülle daherkommt (muss ich noch bestätigen lassen, jedenfalls die US BluRay wird u.a. in einer sehr aufwendigen Verpackung vertrieben inklusive Buch), ist jedem selbst überlassen. Was außer Frage steht, ist dass man diesen Film, in dieser Fassung, (gesehen) haben muss. Ich freue mich wie ein kleines Kind ihn so wieder zu erleben, und in die Welt von Sergio Leones letztem Werk abzutauchen.

Steelbook Edition beziehen bei: Amazon.de  oder Amazon.co.uk

Reguläre Edition beziehen bei: Amazon.de oder Amazon.co.uk oder Amazon.es (auch DVD) oder Amazon.it

US Edition (wovon es eine Sammlerversion mit Buch gibt, und eine einfach Edition) beziehen bei: Amazon.com (laut Bluray-disc.de mit dt. Tonspur und Untertitel, sowie Regioncode ABC) | oder DVD Version

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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2 Antworten

  1. Bluntwolf sagt:

    Prima … ich hoffe die deutsche VÖ gleicht der US-Edition mit Booklet. Sieht klasse aus!

  1. 7. Mai 2017

    […] es die richtige Zeit für Mafiafilme. Der Zenith war zwar überschritten, und niemand würde je an Once Upon a Time in America oder The Godfather herankommen, aber es gab noch genügend Stories zu erzählen, und das […]

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