Electric Boogaloo

Electric Boogaloo

Wer in den 1980er Jahren Videotheken-Kunde war, kennt ihre Filme. Die Cousins Menahem Golan und Yoram Globus kamen aus Israel, wo sie mit ihren „Eis am Stiel“-Produktionen viel Geld verdient hatten, und eroberten Amerika. Sie gingen nach Hollywood und machten in schwindelerregendem Tempo Filme, hemmungslos auf das zugeschnitten, was sie für den Publikumsgeschmack hielten. Action und Sex war ihre Devise. Ihre Stars hießen Chuck Norris, Van Damme und Charles Bronson. Bo Derek und Sylvia Kristel sorgten für Erotik. Wer für Cannon Films arbeitete, saß in einem Irrenhaus und hat viel zu erzählen. Und das tun die Interviewpartner in dieser Doku über die Cousins mit der großen Liebe zum Kino, aber ohne Geschmack. Ein Feuerwerk von Anekdoten und Filmclips sorgt für beste Unterhaltung!

Electric Boogaloo

Filmemacher Mark Hartley liebt Trash-Filme und blickt gerne hinter die Kulissen ihrer Produktion. Denn die Welt jenseits der Filmkunst und des teuren Mainstreams ist bunt, verrückt und äußerst vergnüglich. Mit großer Leidenschaft sucht und sammelt Hartley, was es Interessantes zu berichten gibt. In seiner neuesten Dokumentation widmet er sich dem Aufstieg und Fall der Cannon Group. Die B-Movies aus der Schmiede der beiden überlebensgroßen Filmverrückten Menahem Golan und Yoram Globus bieten diesem Archäologen des Trash-Films ein ideales Grabungsfeld: Delta Force, Missing in Action, Death Wish, Bloodsport, American Fighter. Denn Golan/Globus produzierten und inszenierten in manchen Jahren gut 40 Filme. Jeder, der jemals mit Cannon Films zu tun hatte, hat irrwitzige Geschichten zu erzählen. Hartley montiert aus Anekdoten und Kommentaren, TV-Ausschnitten und einer Unmenge von Filmclips eine rasante Fahrt durch gut zehn schillernde Jahre des Produzententeams. Über den absurden Stories und bizarren Filmszenen vergisst Hartley aber nicht, dass Cannon Films gelegentlich auch Meisterwerke wie Runaway Train hervorbrachte. Es ist ein berührender Moment, wenn der betagte Franco Zeffirelli über die Arbeit an seinem legendären Otello sagt: „Sie waren die besten Produzenten, mit denen ich je zusammengearbeitet habe.“

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Mark Hartley, der Mann hinter unterhaltsamen Dokumentationen über B-Filme wie Not Quite Hollywood (2008) und Machete Maidens Unleashed (2010), versorgt den geneigten Zuschauer nun mit seiner aktuellsten Doku Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Film. Ich kann mich noch ziemlich gut an das Cannon Films Logo erinnern, welches mit seinem unverwechselbaren lauten und krachenden Sound in so viele Filme einführte, die ich in meiner Jugend während der 1980er Jahre auf Video angeschaut habe. Mittlerweile haben es etliche Cannon Films Titel auf DVD und/oder BluRay geschafft, sodass diese zumeist billig produzierten aber ziemlich unterhaltsamen Filme wieder einer breiteren Masse zugänglich gemacht werden. Mark Hartley nahm dies zum Anlass eine weitere seiner tollen Dokus zu produzieren, für die er wirklich ein Händchen hat. In Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Film werden viele Anekdoten, von einer großen Auswahl an Leuten, die in die Verwirklichung dieser Filme involviert waren, zum Besten gegeben. Außerdem werden etliche Ausschnitte aus den verrückten, spaßigen und teilweise auch recht dummen Filmen gezeigt, duch die Cannon über die Jahre einen hohen Bekanntheitsgrad erlangen konnte. Geführt wurde die Firma von den beiden berühmt berüchtigten Israelis Menahem Golan und Yoram Globus, die mit dem nicht minder bekannten Film Eis am Stiel groß herausgekommen waren und anschließend die Filmwelt in Hollywood aufmischen wollten. Leider standen beide nicht für diese Dokumentation zur Verfügung, da sie spontan entschieden zeitgleich ihre eigene Doku im Cannon-Films Stil zu verwirklichen.

Electric Boogaloo

In den 80er Jahren hatte Cannon Films seine absolut produktivste Zeit und veröffentlichte eine riesige Zahl an „Billigfilmen“, die von Horror über Sexploitation, Aktion, Tanzfilmchen und eine ganze Menge mehr dazwischen, so ziemlich jedes Genre abdeckten. Cannon wurde schnell als Hauptlieferant für sogenannte „Schlock-Filme“ bekannt und dies aus gutem Grund, obwohl die Firma auch einige wenige von der Kritik gefeierte Streifen ablieferte und mit wichtigen Regisseuren wie John Cassavetes und Jean Luc Godard zusammenarbeitete. In der Hauptsache zeichneten sich die beiden Cousins jedoch für Filme verantwortlich, die für gewöhnlich jegliche politische Korrektheit vermissen ließen und viel nackte Haut sowie gleichzeitig explizite Gewalt präsentierten, so wie in einem ihrer berüchtigsten Titel Death Wish II (1982). Andere Streifen wurden mit lachhaft schlechten Spezial-Effekten inszeniert, wie zum Beispiel Hercules (1983), oder sollten von gesellschaftlichen Trends profitieren, wie der Hip-Hop Tanzfilm Breakin‘ (1984). Weiterhin boten sie der damaligen Sex-Ikone Bo Derek mit Bolero (1984) eine Plattform, veröffentlichten das eher alberne Sequel The Texas Chainsaw Massacre 2 (1986), während einige ihrer Projekte einfach jeglicher Beschreibung spotteten, wie das äußerst seltsame und extrem dusselige Musical The Apple (1980).

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Cannon Films bereitete Charles Bronson und Chuck Norris die Möglichkeit ihre jeweiligen Karrieren fortzusetzen; entdeckte Jean Claude Van Damme und Dolph Lundgren, während Kult-Regisseure wie Tobe Hooper die Chance bekamen einfach Filme zu machen. 1987 begann für das Unternehmen dann der Anfang vom Ende, als sich die Cousins deutlich übernahmen, indem sie einige Millionen für drei ‚Box-Office‘ Flops in den Sand setzten: Over the Top mit einem armdrückenden (!?) Sylvester Stallone, Superman IV: The Quest for Peace, der aufgrund lächerlicher Spezialeffekte ein lachhafter Film wurde und schließlich Masters of the Universe mit Dolph Lundgren als He-Man mit mehr Text als für den Darsteller gut war.

Eletric Boogaloo funktioniert nicht zuletzt wegen der vielen unterhaltsamen Film-Clips und etlichen Anekdoten der involvierten Leute gut. Einziger Kritikpunkt von meiner Seite aus wäre, dass die Doku leider fast nur an der Oberfläche kratzt und nicht tiefer in der ‚Gossip‘-Grube wühlt, wie Richard Chamberlain, als er über Sharon Stone herzieht. Für B-Film Liebhaber ist die Doku ein absolutes Muss mit hohem Nostalgiefaktor. Ausserdem kann man vielleicht auch den einen oder anderen neuen Streifen (wieder)entdecken.

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  • Darsteller: Dolph Lundgren, Richard Chamberlain, Michael Dudikoff, Robert Forster
  • Regisseur(e): Mark Hartley
  • Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1, PAL
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Ascot Elite Home Entertainment
  • Erscheinungstermin: 21. April 2015
  • Produktionsjahr: 2014
  • Spieldauer: 106 Minuten

Electric Boogaloo

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Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Ascot Elite Home Entertainment zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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