Ich seh Ich seh

IchSehIchSeh_DVD2D (640x464)In einem abgelegenen, idyllischen Haus am Waldrand genießen die Zwillingsbrüder Lukas und Elias die Sommerferien. Die beiden streunen zwischen Waldsee und Maisfeld umher und können die Ankunft ihrer Mutter kaum erwarten. Als sie jedoch nach einem Unfall aus dem Krankenhaus mit einbandagiertem Gesicht zurückkehrt, sind alle früheren Gewissheiten verschwunden. In der strengen Frau, die nun vor ihnen steht, können sie ihre Mutter kaum wiedererkennen. Schon bald werden sie den Zweifel nicht mehr los, dass eine Fremde die Kontrolle übernimmt. Während die Mutter versucht, den sich regenden Widerstand zu ersticken, machen sich die Kinder mit der ihnen gebotenen Gründlichkeit daran, die Wahrheit herauszufinden. Ein existentieller Kampf um Identität und Urvertrauen entspinnt sich. (Koch Media)

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Dieser Film trifft einen vollkommen unvorbereitet. Man hat keine Ahnung, was zu erwarten ist, in diesem ersten Spielfilm des österreichischen Regisseur-Duos Severin Fiala und Veronika Franz. Goodnight Mama dreht sich um die jungen Zwillingsbrüder Lukas und Elias, die mit ihrer Mutter in einem Haus auf dem Land leben und den Großteil ihrer Zeit damit verbringen miteinander zu spielen. Ihre Mutter hat gerade eine Operation hinter sich, weswegen ihr Gesicht in Bandagen gehüllt ist und sie den Zwillingen gegenüber dadurch befremdlich wirkt. Die Beiden kommen letztendlich zu der Überzeugung, dass die Frau, die nach der Operation zu ihnen zurückgekehrt ist, nicht ihre leibliche Mutter sein kann… Dem Rest möchte ich nicht vorgreifen.
Hat man Interesse am Kino als Kunstform, so ist Ich seh, ich seh ein absolutes Muss. Der Film ist wunderschön gedreht, jede Einstellung ist so akribisch und perfekt inszeniert, dass man den Film jederzeit anhalten kann und dann ein Bild hat, das würdig ist eingerahmt über dem Sofa zu hängen. Ich habe noch nie gesehen wie venezeanische Jalousien so unterschiedliche und gute Verwendung gefunden haben, insbesondere während der nächtlichen Aufnahmen lassen sie natürliche Bewegungen geisterhaft und gruselig aussehen.

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Der eindringlichste Aspekt der unglaublichen visuellen Eindrücke ist die Annäherung an die Schrecken, wenn man sie denn so nennen kann, in der ersten Hälfte des Films. Das Entsetzen in Goodnight Mommy verschiebt sich, ab etwa der Mitte des Streifens, von rein subtil und visuell, hin zu sehr nervenaufreibendem Körper-Horror. Diese subtilen Aufnahmen zu Beginn erinnern an den alten französischen Film Les yeux sans visage (Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff aka Augen ohne Gesicht, 1960). Die Mutter wird nur in ihren Bandagen gezeigt, wodurch das Publikum keinen Bezugspunkt für das bekommt, was sich darunter verbirgt und etwas Schreckliches erwartet. Sie lauert, wie ein Monster, in dunklen Schatten und in Reflexionen, was genauso kühl, wie schön rüberkommt. Die Regie behandelt sowohl Subtilität als auch Gewalt unglaublich gut, was in zwei völlig unterschiedlichen, aber gleichermaßen gut gelungenen Hälften mündet. Dieser Übergang vom Hintergründigen zum Makabren trägt auch dazu bei, dass der Film mit „nur“ drei Schauspielern und einem einzigen Standort trotzdem interessant bis zum Ende bleibt. Und oh ja, die zweite Hälfte hat es in sich. Die Art von Gewalt, die sich die Charaktere gegenseitig antun ist sehr speziell ausgewählt. Sie mag nicht die blutigste oder ideologisch beunruhigendste sein, doch da man sich leicht in die Figuren einfühlen kann wirken die Gewaltakte schon recht beunruhigend. Hier wurde Vieles richtig gemacht!

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Ich seh, ich seh traut sich auch etwas, das sich nur sehr wenige Filme wagen. Er unterbricht das letzte Drittel, den spannensten Teil des Films, mit einer „urkomischen“ 5 Minuten Comedy-Szene, als ein paar Mitarbeiter des Roten Kreuzes bei den Jungs auftauchen, um Spenden zu sammeln. Die Leichtherzigkeit dieser Szene jedoch, lässt das Ende noch abscheulicher wirken. Ein kleiner Nachteil des Films ist, daß die Hauptwendung letztendlich zwar wunderbar funktioniert aber bereits nach dem ersten Drittel zu erahnen ist. Hinzu kommt, dass diese Art von Twist nicht zum ersten Mal filmisch verarbeitet worden ist und nichts Innovatives darstellt. Unabhängig davon könnte dies auch reine Absicht gewesen sein, da aus dem Ende sowieso keine große Sache gemacht wird. Tatsächlich kreiert die Wendung eine ziemlich clevere Verzerrung der Wahrnehmung der Protagonisten und verzerrt auch die Erwartungen der Zuschauer, wer denn nun was ist und wer denn nun was tut. Obwohl also nicht besonders originell, macht der Twist den Rest des Films besser und kann somit als ein notwendiges Übel akzeptiert werden. Goodnight Mama ist einer der stärksten Horror-Debütfilme die ich bis jetzt gesehen habe. Atemberaubender Körper-Horror, der mit seiner Kameraarbeit viele andere Filme in den Schatten stellt. Gute Regie, gutes Schauspiel, gute Atmospähre. Ein absolutes Muss !!!

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ICH SEH ICH SEH von Veronika Franz und Severin Fiala seziert in präzise komponierten Bildern, was die
Familienwelt im Innersten zusammenhält. Das Regie-Duo erzählt mit furchtloser Schärfe von einem Abgrund, der sich zwischen Wahrnehmung und Gesichtsverlust aufgetan hat. Ihnen gelingt eine hochspannende filmische Erzählung, der man sich kaum entziehen kann. Produziert wurde der Horrorfilm ICH SEH ICH SEH, der für Österreich ins Rennen um den Oscar® in der Kategorie „Bester Fremdsprachiger Film“ geht, von niemand geringerem als Kultregisseur Ulrich Seidl (PARADIES: LIEBE, HUNDSTAGE).

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Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

 

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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