Monstermann verbreitet Schrecken / Man Made Monster

Ein Jahrmarktskünstler überlebt als einziger einen Unfall, bei dem ein Bus gegen einen Starkstrommast prallt. Hierdurch wird der Mann immun gegen Elektrizität. Doch anstatt seine Fähigkeiten beruflich ausnutzen zu können, fällt der Künstler in die Hände eines skrupellosen Wissenschaftlers, der einen Übermenschen heranzüchten will. Dieser macht ihn zu seinem willenlosen Versuchskaninchen und Komplizen seiner Taten… (Ostalgica)

Letzte Nacht gab es einen schweren Busunfall, bei dem das Fahrzeug gegen einen Mast prallte und der Fahrer sowie fünf Passagiere einen schweren Stromschlag erlitten. Nun, nicht alle Passagiere starben, denn Dan McCormick (Lon Chaney Jr.) überlebte vollkommen unverletzt. Dies könnte an seinem Job liegen, wo er als Dan the Dynamo Man auf Rummelplätzen im ganzen Land auftritt. Obwohl er behauptet, seine Nummer bestehe nur aus einer Reihe von Tricks, scheint er dennoch einen Widerstand (oder so etwas wie Immunität) gegen Elektrizität aufgebaut zu haben. Während er sich noch im Krankenhaus aufhält, allerdings mehr als bereit ist es zu verlassen, erregt seine Geschichte die Aufmerksamkeit lokaler Wissenschaftler – könnte er bei ihren Experimenten nützlich sein?

Könnte sein, obwohl das von dessen Konzept von nützlich abhängt und ob es mörderische Amokläufe beinhaltet. Man Made Monster ist der Film, der Lon Chaney Jr. auf Horror-Flicks festlegte und soll die Rolle gewesen sein, die ihm später (im selben Jahr) mit The Wolf Man seinen berühmtesten Charakter sicherte, als Universal sein Potenzial eher in Chillern erkannte, als in führenden Rollen eines Charakterdarstellers. Hier wird er auf eine Art und Weise aufgebaut, die typisch werden sollte: er ist nicht von Natur aus Böse, sondern sieht sich vom wankelmütigen Schicksal verflucht, gegen seinen Willen ein Monster zu werden, die tragische Gestalt des Grauens, zu der er immer wieder zurückkehren würde.

Nicht, dass er nach einer Weile noch eine Wahl gehabt hätte, denn er spielte entweder ein Monster oder Variationen seiner Rolle als Lennie aus Of Mice and Men (Von Mäusen und Menschen, 1939). Hier repräsentiert er eine Mischung aus einer unbekümmerten Person mit sonnigem Gemüt und einem Todesbringer, als Dan in das Landhaus von Dr. Lawrence (Samuel S. Hinds) und seinem Kollegen Dr. Rigas (Lionel Atwill, der allen die Show stiehlt) gebracht wird. Dr. Rigas stellt den wahren Bösewicht des Stücks dar, da Dan von Natur aus kein so schlechter Kerl zu sein scheint, weil neben allen anderen auch der Hund Corky ihn sehr mag. Dadurch bildet sich schon früh eine sentimentale Ader zwischen Dan und Corky, wobei das Hündchen gemischte Gefühle für ihn entwickelt, als die Experimente beginnen und Dan elektrolysiert (oder wie auch immer der Begriff lautet) wird.

Corky schreckt also vor Dan zurück, nachdem der in Rigas‘ Labor auf den Tisch geschnallt wurde – und was für ein Labor das hier ist, ein perfektes Zuhause für einen verrückten Wissenschaftler mit einer Fülle an summenden und blitzenden Apparaten – und ein paar tausend Volt durch seinen Körper gejagt bekommen hat. Monstermann verbreitet Schrecken wird oft als Horrorfilm bezeichnet, könnte allerdings auch als Science-Fiction-Film angesehen werden, der sich bereits auf den Genre-Boom des nächsten Jahrzehnts freute. Bei Man Made Monster handelt es sich also weniger um einen Rückfall auf die von Frankensteins Monster beeinflussten Werke der dreißiger Jahre, sondern eher eine Vorwegnahme der Dinge, die da kommen sollten.

Dan wurde nun also ausreichend mit Elektrizität aufgeladen, um Goldfische töten zu können, weswegen es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis er dazu übergeht sich an Menschen zu vergreifen. Sein erstes Opfer kann doch unmöglich Dr. Lawrence sein, der Mann, der ihn aufgenommen hat, oder!? Leider doch, obwohl klargestellt wird, dass Dan gegen seinen Willen handelt und von Dr. Rigas gezwungen wird den freundlichen alten Herrn zu ermorden. Ein Gerichtsprozess folgt, woraufhin Dan zum Tode verurteilt und auf den elektrischen Stuhl geschickt wird – wobei man sich schon vorstellen kann, wie das Ganze ausgeht. Corky glaubt letztendlich immer noch an Dan, was zu einem ergreifenden Ende eines Films führt, der in seiner bescheidenen, den Job erledigenden Technik, nie nachlässt und im Laufe der Jahre die Herzen vieler Vintage-Schocker-Fans erobern konnte. Repräsentiert keinen Klassiker, kann aber als unerwartet liebenswert beschrieben werden.

Monstermann verbreitet Schrecken erscheint im Rahmen der Ostalgica Classic Chiller Collection in einer Blu-Ray Edition und ist erstmals deutschlandweit in High Definition erhältlich. Das Bild wird im 1,33:1 Format (1080p, AVC, 23.976fps) präsentiert und macht (bedenkt man das Alter des Films) einen zufriedenstellend guten Eindruck, während auch beim Ton kein Grund zur Beschwerde besteht. Hier kann man zwischen der englischen und deutschen Spur (DTS-HD Master Audio 1.0) wählen, die sich beide klasse hören lassen. Möchte man sich den Film lieber im Originalton ansehen, so stehen deutsche und englische Untertitel zur Verfügung. Als Extras beinhaltet die Edition, neben dem Originaltrailer zum Film und verschiedenen Bildergalerien auch noch die Super-8/16 Version Vom Menschen geschaffenes Monster. Außerdem wurden ein 16-seitiges Booklet mit dem Titel „Die traurigen Augen des Lon Chainey Jr.“ mit interessantem sowie informativem Text von Marco Koch (35 Millimeter – Das Retro-Film-Magazin) und ein recht informatives sowie gelungenes Video-Essay, ebenfalls von Marco Koch, auf bzw. in die Edition gepackt. Als Highlight der Extras muss allerdings der sehr informative sowie unterhaltsam eingesprochene Audiokommentar von Clemens Williges, Marco Koch und Lars Johansen von 35 Millimeter – Das Retro-Film-Magazin angesehen werden. Die klasse Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten Papp-Schuber daher und hat auch ein unterschiedliches Covermotiv zu bieten. Ostalgica gelingt somit eine tolle Veröffentlichung eines kleinen aber feinen Horrorfilms, der sicherlich nicht vermag im Fahrwasser der ganz Großen des Genres mit zu schwimmen, es aber dennoch bestens versteht sein Publikum zu unterhalten. Auf jeden Fall mehr als nur einen Blick wert!

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  • Seitenverhältnis: ‎4:3 – 1.33:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Waggner, George
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 1 Minute
  • Darsteller: ‎Atwill, Lionel, Nagel, Anne, Chaney, Lon Jr., Albertson, Frank
  • Untertitel: ‎Englisch, Deutsch
  • Studio: Ostalgica

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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