Borgman

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Auf der Flucht vor einer Gruppe brutaler Männer sucht der geheimnisvolle Landstreicher Borgman Unterschlupf bei der wohlhabenden Familie van Schendel. Vom Familienvater Richard zunächst verjagt, kehrt Borgman zurück und verzieht sich heimlich ins Gartenhaus des Anwesens. Richards Ehefrau Marina bietet dem Fremden unkompliziert Hilfe an und ein warmes Bad. Marina fühlt sich zunehmend von ihm angezogen und will nicht zulassen, dass er die Familie wieder verlässt. Kurz darauf verschwindet der Gärtner auf mysteriöse Weise, Borgman schleicht sich mit neuer Identität in die Mitte der Familie und nistet sich ein. Nun geraten auch die Kinder in seinen perfiden Bann, eine kaltblütige Manipulation beginnt.

Borgman

Symbolismus und Gegenüberstellung können wirklich mächtige Elemente sein, wenn es um die Kunst des Filmemachens geht. In den letzten Jahren haben es Mainstream-Regisseure immer wieder für Notwendig erhalten dem Publikum ihre „Botschaften“ förmlich um die Ohren zu hauen. Während der Zuschauer beinahe jedes fragenaufwerfende Ereignis anschließend bis ins Detail erläutert bekommt damit auch jeder „Dumme“ verstehen kann worum es eigentlich geht, verschließt sich ihm nach dem Abspann die Möglichkeit einer interessanten Diskussion. Sind denn Filmemacher, die ihr Publikum zu solchen Diskussionen herausfordern, nicht mehr gefragt? Ist das nicht, was „Kunst“ anregen sollte? Nun, genau das bringt Autor/Regisseur Alex van Warmerdam mit seinem neusten Werk Borgman zu Stande. Der Streifen war nicht nur der offizielle Beitrag der Niederlande bei den Oscars für den besten ausländischen Film, sondern auch der erste niederländische Film, der seit 38 Jahren beim Cannes Film Festival aufgeführt wurde. Borgman ist unumstritten ein der Aufmerksamkeit würdiges feature.

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Nachdem ein Landstreicher namens Camiel Borgman (Jan Bijvoet) aus einer gefährlichen Situation entkommen kann, klingelt er an einem Haus, bittet darum ein Bad nehmen zu dürfen und behauptet dem Hausherren gegenüber dessen Ehefrau Marina (Hadewych Minis) hätte ihn schon einmal medizinisch behandelt. Ihr Ehemann, Richard (Jeroen Perceval), verweigert dem Fremden unter Prügeln den Eintritt in sein Haus. Marina hingegen zeigt sich mitfühlend und erlaubt Borgmann heimlich vorübergehend im Schuppen Unterschlupf zu finden. In seiner Gegenwart beginnt sich das Leben der Familie aus der Oberschicht in einen psychologischen Alptraum zu verwandeln, der sie auseinander reißen könnte

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Borgman beginnt schon sehr merkwürdig, als Camiel von einem Priester mit Gewehr und zwei weiteren bewaffneten Männern gejagt wird. Das Publikum wird einfach in diese angespannte Situation hineingestoßen ohne zu wissen warum dies eigentlich geschieht und realisiert schon bald, dass es sich so über den größten Teil des Films verhalten wird. Borgman fordert dazu auf während der gesamten Laufzeit zwischen den Zeilen zu lesen. So gut wie nichts wird dem Betrachter erklärt, denn Alex van Warmerdam möchte sein Publikum wie intelligente Menschen behandeln. Der Plot verbreitet ein Gefühl der Unklarheit und lässt uns immer im Dunkeln darüber, was als nächstes passieren wird. Dieses Stück spielt nicht mit den Regeln, die man normalerweise erwartet, wird zunehmend komplexer und erweckt schnell große Neugier. Dies gilt selbst für die Charakter Disposition, während man langsam mehr über die Protagonisten erfährt. Es finden deutliche Veränderungen in Marina, Richard und ihren Kindern samt Kindermädchen statt, die alle ihren Anfang in Camiels Präsenz finden. Dies wird später noch durch Borgmans sonderbare „Gehilfen“ verstärkt.

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Borgmans erstes Stückchen Sozialkritik ist ganz offensichtlich die klare Trennung zwischen Arm und Reich. Camiel lebt in einer unterirdischen Höhle im Wald, während Marina und Richard in einem gepflegten und modernen Haus leben. Wie bilderbuchmäßig dieses Haus auch aussehen mag, letztendlich erscheint es genauso oberflächlich und kalt wie die Menschen, die darin leben. Doch erst mit dem Erscheinen Camiels beginnen diese Eigenschaften zutage zu treten. Das meiste der Geschichte wird aus Marinas Sicht geschildert. Sie wird plötzlich von schrecklichen Albträumen geplagt, die tief in ihr Unterbewusstsein sickern. Bevor sie aufwacht sieht man das markante Bild eines nackten Camiel, der hockend über Marina gebeugt dort ausharrt und erst verschwindet, als sie gepeinigt aus dem unruhigen Schlaf aufschreckt. Diese Szene bietet sofort eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten, doch eines ist bereits jetzt klar ersichtlich: Camiel legt eindeutig die Eigenschaften eines Incubus [Incubus (Dämon), als Incubus, Plural Incubi, auch Inkubus, Plural Inkuben (von lateinisch: incubare für ‚oben liegen‘, ‚ausbrüten‘) wird in der Mythologie ein männlicher Alb (Elf), ein Albträume verursachender nachtaktiver Dämon, ein Waldgeist oder auch Sylvan bezeichnet, der sich nachts mit einer schlafenden Frau paart, ohne dass diese etwas davon bemerkt. Wikipedia] an den Tag. Borgman bietet viele Einblicke in Alex van Warmerdams Perspektive auf Religion und Mythologie, die er geschickt ineinander verwebt und somit wahrlich eine außergewöhnliche Atmosphäre kreiert.

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Der Film vereint so viele unterschiedliche Konzepte und Emotionen, sodass er nicht nur einem bestimmten Genre zugeordnet werden kann. Mit Sicherheit handelt es sich hier um einen Thriller, der aber sowohl Drama als auch Horrorfilm ist. Viele Elemente können sicherlich mit Filmen wie Funny Games oder anderen „home invasion“ Streifen verglichen werden, obwohl Folter hier auf rein psychologischer Ebene stattfindet. Man weiss nie so richtig wem oder was man glauben soll, denn Borgman wartet mit etlichen Handlungswendungen auf. Allerdings kommt das Tempo gegen Ende des zweiten Akts zum erliegen. Es wird zwar nie langweilig aber so stark hätte das Tempo nicht gedrosselt werden müssen. Glücklicherweise wird es zu Beginn des dritten Akts, genau rechtzeitig zum Klimax, wieder aufgenommen, denn nun bricht der Wahnsinn erst richtig aus und man muss sich schon wundern was eigentlich wirklich passiert ist. Borgman ist wie ein riesiges Puzzle, das man irgendwie nicht zufriedenstellend zuende puzzeln kann. Jedoch regt dieses seltsame Puzzle zu intensiven Diskussionen an.

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Angesichts der Vielschichtigkeit des Films zählt jede darstellerische Leistung doppelt. Nur ein mieser Schauspieler könnte den gesamten flow ruinieren. Gut, dass Borgman da in guten Händen ist. Jan Bijvoet liefert eine hypnotisierende Vorstellung als Camiel Borgman ab. Diese sehr geheimnisvolle Rolle hinterläßt beim Publikum ständig das Gefühl der Anwesenheit einer unheimlichen, bösen Macht. Bijovet ist dabei so authentisch und sinister wie es nur geht. Die äußerst attraktive Hadewych Minis kommt als Marina absolut überzeugend rüber. Ihr Schauspiel ist voller Dynamik der Emotionen, während sie unter Camiels Einfluss immer mehr dessen Manipulation erliegt. Doch auch die übrigen Schauspieler tragen wunderbar zu diesem ungewöhnlich fesselnden Filmerlebnis bei.

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Alex van Warmerdams visuelle Gestaltung sollte auch Erwähnung finden. Wenn solch ein Film seine visuellen Einflüsse richtig nutzt, kann dies ein starkes audiovisuelles Erlebnis kreieren. Die Kameraarbeit impliziert, dass der Zuschauer, gemeinsam mit der Familie, in gewissen Situationen gefangen ist, da sehr oft nur zwei Schauspieler aufgenommen werden, die perfekt in den Rahmen des Bildes passen. Im Verlauf des Films fühlt es sich so an, als ob man immer weniger Platz eingeräumt bekommen würde und man fühlt sich genauso eingeschränkt wie es die Charaktere mehr und mehr werden. Die geschickte Kameraarbeit sowie der exzellente Gebrauch von Farben führen zu Szenen, die sich anfühlen, als würde klassische Malerei zum Leben erweckt. Davon gibt es eine Menge zu bewundern und man merkt sehr bald, dass der Regisseur sehr viel in die visuelle Gestaltung investiert.

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Borgman scheint seine Zuschauer fast die gesamte Laufzeit über im Dunkeln zu lassen. Schaut man allerdings etwas genauer hin, so erkennt man, dass der Film überall Puzzleteile verstreut, die man aufgefordert wird zusammen zu setzen. Alex van Warmerdam kaut uns nichts vor, er erzeugt hochintelligentes Kino unter enormen Einsatz von Symbolik. Borgmann ist ein wirklich seltsames Schauspiel, das seinen Weg tief unter die Haut gräbt und bewirkt, dass wir alles, was wir über Charakter- und Handlungsaufbau wissen, in Frage stellen müssen. Der Film wird sicherlich stark polarisieren, vor allem, wenn man so gar nichts mit der Symbolik anfangen kann. Ich erachte ihn jedoch als sehr interessant und empfehlenswert!

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Borgman BluRay

  • Darsteller: Eva Van de Wijdeven, Jeroen Perceval, Jan Bijvoet, Hadewych Minis, Annet Malherbe
  • Regisseur: Alex van Warmerdam
  • Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1), Niederländisch (DTS-HD 5.1)
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 2.39:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Ascot Elite Home Entertainment
  • Erscheinungstermin: 17. Februar 2015
  • Produktionsjahr: 2013
  • Spieldauer: 113 Minuten

 

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Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Pandastorm Pictures zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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