The Hateful Eight (70mm)

Eiskalter Wind erfasst eine Gruppe Männer, die Mäntel nur ein dürftiger Schutz vor den winterlichen Temperaturen. Berlin. 26ter Januar 2016. Wir stehen an für die Premiere mit rotem Teppich für die Roadshow Version von The Hateful Eight, Quentin Tarantinos achtem Kinofilm und dem dritten dessen Deutschlandpremiere ich erleben darf. Im Anschluss reist die Crew nach Rom und Mexiko Stadt weiter. Der Berliner Zoo Palast ist eines von nur vier Kinos im Land welches die 70mm Version zeigen kann, Aufregung liegt also in der Luft als wir zwischen Politikern, A bis D Promis, den Regisseuren Quentin Tarantino und Tom Tykwer, den anwesenden Schauspielern Kurt Russell und Jennifer Jason Leigh, dem Chef des Verleihs Universum Film und diversen Filmbegeisterten unseren Platz nehmen. Ennio Morricone liegt in der Luft als der Vorhang den Weg frei macht für die Overtüre….

The Hateful Eight

The Hateful Eight öffnet mit einer von sechs Pferden gezogenen Kutsche die sich ihren Weg durch die schneeverwehten Hügel bahnt. Auf ihrem Weg in die Sicherheit vor dem herannahenden Schneesturm Richtung Minnies Miederwarenladen, ein Proviantstop in den Bergen Wyomings, sammelt sie zuerst den Kopfgeldjäger Marquis Warren (Samuel L. Jackson) auf, der nach dem Verlust seines Pferds zu Fuß im Schnee steckt, zusammen mit einem Stapel tiefgefrorener Schurken, die er nach Red Rock bringen will um das ausgesetzte Kopfgeld zu kassieren. Die Kutsche gemietet hat John Ruth der Henker (Kurt Russell), auch ein Kopfgeldjäger, der Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) in Red Rock an den Galgen bringen will für die 10000 Dollar Belohnung. Er traut niemanden, Daisy hat er sich daher mit Handschellen an den eigenen Arm gebunden. Unfreiwilliger Weise nehmen sie dann noch einen vierten Passagier auf namens Chris Mannix (Walton Goggins), der behauptet, nach Red Rock zu wollen um dort als der neue Sheriff eingeschworen zu werden. Als der Schneefall zunimmt, kommen sie bei Minnies an und wollen schnell die Pferde in den Stall bringen. Minnie und ihr Kompanion sind wohl verreist, erklärt Bob (Demian Bichir) der sich um die Pferde kümmert. Drinnen werden die Neuankömmlinge erwartet von einem Cowboy mit dem Namen Joe Gage (Michael Madsen), einem Engländer der sich Oswaldo Mobray (Tim Roth) nennt, und dann sitzt da noch ein ehemaliger Südstaaten-General in einem Stuhl am Feuer der auf den Namen General Smithers (Bruce Dern) hört.Während die diversen Fremden es sich bequem machen, naht der Sturm heran. Etwas scheint all diese Herren zu vereinen, als John Ruth beginnt, sie über ihre Hintergründe auszufragen, und Marquis Warren einen Streit mit dem Konföderierten anzettelt. Die Spannung steigt… aber wer ist nicht für wen er oder sie sich ausgibt?

The Hateful Eight

Wir nehmen einen keinen Umweg. Quentin Tarantinos achter Film hat einen ungewöhnlichen Werdegang hinter sich. Ein frühes Drehbuch wurde unerlaubt online publiziert. Zuerst war der Regisseur dadurch verunsichert, aber nach einer sehr erfolgreichen Live-Lesung des Drehbuchs schrieb er daran weiter und der Film ging kurze Zeit später doch in Produktion. Quentin entschied sich dazu, den Film in 65mm mit Ultra Panavision Objektiven zu drehen, altes Filmwerkzeug das seit über 60 Jahren kaum mehr verwendet wird. Unterstützt durch die Weinstein Company,wurden mit viel Aufwand fast 100 Kinos in den USA mit 70mm Projektoren ausgerüstet, Kinos die letztendlich die Roadshow Version zeigen würden können. Diese Version von The Hateful Eight enthält eine Pause, eine Overtüre, ein paar Minuten mehr Material, man bekommt ein Programmheft und natürlich wird der Film selbst analog auf 70mm Film projeziert, eine Methode die längeren Projektorabstand zur Leinwand benötigt, restaurierte Projektoren und einen Crashkurs für Projektionisten sowie teure Ausrüstung. Der Film startete am ersten Weihnachtstag in den US als Roadshow und expandierte in alle Kinos am 1. Januar diesen Jahres, zusammen mit Kinostarts weltweit, Land für Land, da Tarantino die Verleihe per Hand ausgewählt hat (im Gegensatz zu weltweiten Deals wie es mit Sony und Universal Pictures zum Beispiel bei Django Unchained bzw. Inglourious Basterds der Fall war). Der Film erntete schon einige Nominierungen und Auszeichnungen, allen voran der Großmeister der Filmkomposition Ennio Morricone, aber auch Darstellerin Jennifer Jason Leigh. Kamera-Jedi Bob Richardson ist für einen Oscar nominiert, die Pionierarbeit mit Ultra Panavision sticht unter den anderen Nominierten hervor, von denen einer auf 16mm, einer auf 32mm und der Rest digital gedreht wurde, darunter wiederum noch ein ausgezeichneter Western, The Revenant. Was für ein Kinojahr!

The Hateful Eight

Nun zurück zu The Hateful Eight. Mit einem Wink an  John Carpenters The Thing (der nur ein Stück des bestellten Soundtracks von Ennio Morricone benutzte, der Rest ging an Tarantino für The Hateful Eight, zusammen mit mehr Kompositionen um die musikalischen Motive auszubauen, wie wir in unserer Soundtrack Kritik auch beschrieben haben), seinem eigenen Reservoir Dogs, einer Dosis  Leichen pflastern seinen Weg und seinen Lieblingsepisoden von TV Serien wie The Virginian, schafft Quentin eine Art Kammerspiel der ganz besonderen Art. Vom Anfang weg ist dem Zuschauer sonnenklar dass es ein düsterer Film wird. Der ominöse Soundtrack, die grimmige Atmosphäre und die weiten Kamerawinkel transportieren eine Stimmung der Vorahnung, wenn nicht sogar der Bedrohung und des Verdachts. Der Film eröffnet mit den wunderbaren extrem weiten Panavision Aufnahmen von schneebedeckten Bergen und mündet in den bedrängenden vier Wänden des Miederwarenladens, als der Schnee draußen sich zu einem Crescendo hervorstürmt. Die Tür zur Hütte ist kaputt, jedes mal wenn jemand rein will, muss man sie nachher wieder zunageln. Der Grund kommt erst später im Film, aber es ist eine großartige Metapher für die zwielichte Situation die der Film darstellt. Die Eigentümer des Ortes sind weg, die Tür ist kaputt, es ist eine Kutsche mehr angezäunt als sonst, und all diese gestrandeten Fremden verbindet irgend etwas…  nur was?

The Hateful Eight

Quentin Tarantino beschäftigt sich mit derlei Ratespielen nicht zum ersten mal, kniffligen Pattsituationen in kleinen Orten, ob es eine Lagerhalle in LA ist (Reservoir Dogs), eine Kellertaverne in Frankreich (Inglourious Basterds), ein gemeinsames Abendessen (Django Unchained) oder gar ein Truckstop und Motorradclub (From Dusk Till Dawn). Man werfe einen Haufen schräger Vögel zusammen in einen Raum  rührt den Topf ein wenig und lässt ihn dann überkochen. Mit diesem Ansatz zeigt Tarantino immer wieder dass er seine Filme über seien Charaktere erzählen lässt. Obwohl in diesem Film ein kleiner Voiceover zu hören ist, sieht sich Tarantino in der Regel nicht als der Geschichtenerzähler im Sinne einer dritten Person, seine Filme sind eher Fenster zu den Leben andrer und wir observieren in dem wir mit denen abhängen. Daher haben die meisten seiner Filme auch eine beachtlichen Anteil an Laufzeit die man als „Hangout movies“ (Filme zum abhängen) bezeichnen kann. Pulp Fiction qualifiziert sich in Gänze dafür, und ein Großteil vonThe Hateful Eight ebenfalls. Seine Charakter sind sofort interessant, und charmant auf ihre komische Art und Weise. Mein Liebling ist Bob „Der Mexikaner“, gespielt von dem großartigen Demian Bichir. Welcher Filmemacher würde Bruce Dern eine Stunde lang nur auf einen Stuhl setzen und mit dieser Schauspiellegen sonst weiter nichts anfangen? Es gibt fast keine Frauen in dem Film, und diese Daisy wird wirklich blutig geprügelt. Jedoch gibt es trotz des Blutvergießens in diesem Film nicht eine Minute in der es nicht interessant wäre, sich neben diese gehässigen Leute zu sitzen und mit ihnen einen Kaffee zu trinken. So ist eben Tarantino.

The Hateful Eight

Wie mit allen Filmen gibt es ein dreifaltiges Dilemma wenn es um die Bewertung geht, womit Filmliebhaber natürlich vertraut sind. Mag ich einen Film sehr, denke ich es ist ein großartiges Kunstwerk, und wie oft kann man den Film nochmal sehen wegen dem Unterhaltungswert. Drei komplett unterschiedliche Bewertungs-Skalen. The Hateful Eight ist vielleicht Tarantinos größtes Kunstwerk, aber seine Mystery-Eigenschaft reduziert möglicherweise den Wieder-Ansehen Faktor enorm (oder nicht, wen der Zuschauer andere Aspekte des Films als zufriedenstellende Merkmale anerkennt). Und wenn jemand auf die unmittelbare Zufriedenstellung und Blockbuster Unterhaltung aus ist, wird er vielleicht nicht an Django Unchained oder frühere Werke heran reichen. The Hateful Eight ist anders. Man hat den Film schon als Spätwerk beschrieben, ein Erwachsenenwerk oder – was ich nicht unterschreiben kann – Tarantinos Spitze der Selbstreferenz. Der Film ist aus  meiner Sicht zwei Dinge. Zum einen ist er zusätzlich zu all seinen anderen Werken die das in gewisser Weise auch sind, ultimative Huldigungen an die glorreichen Zelluloid Tage von anno dazumal. Gefilmt in Ultra Panavision, gezeigt im wiederbelebten 70mm Format, so ist es eine trotzige Stellungnahme gegen den Tod von Film und eine Hommage an die großen Breitbild-Epen von früher. Zum anderen ist Tarantino hier Puppenspieler, und seine Lieblingsschauspieler sind die Puppen, und sein Drehbuch mit den meisterhaften Dialogen sind die Fäden. Kaum ein anderer Regisseur heute hat die Fähigkeit so einen Film nur durch die Besetzung zu transportieren, mit einer einzigen Location und großartigen Dialogen. Polanski ist mit Der Gott des Gemetzels groß daran gescheitert und ich denke es wird nicht viele Regisseure da draußen geben die etwas neues im Stile von 12 Angry Men schaffen könnten. Aber das ist Tarantinos Kaliber.

The Hateful Eight

The Hateful Eight ist auf drei Ebenen genießbar (ja ich bin ja gleich mit dem Analysescheiss fertig, nur noch ein bisschen). Es gibt die offensichtliche audiovisuelle Eben. Der Genuss der 70mm Erfahrung zusammen mit dem meisterlichen Soundtrack von Ennio Morricone ist ein Kino-Festmahl ohne Gleichen. Dan gibt es die Ebene, einem klasse Theaterensemble beim spielen zu zu sehen. Hier hängt man gerne mit diesen Charakteren ab, hier beginnt man die Schauspieler zu lieben und den Dialog. Die letzte Eben ist das Tarantinoversum im weiteren Sinne. Diese letzte Ebene erschließt sich wenn man Quentin Tarantino als Filmemacher versteht, jenseits des Hype, des Fantums, der Kontroversen und Kritiken, und sich sein Schaffenswerk als ganzes ansieht. Dann kann man die dritte Ebene von The Hateful Eight genießen, womöglich erst nach dem zweiten oder dritten Kinogang. Es bedeutet zu realisieren dass es die Kulmination seiner Handwerkskunst ist, und wie sie sich von bisherigen Werken speist und sie mit einer extra Portion Sahne toppt, oder eben Kondomen voller Kinoblut und Hirnstücken. All diese Pseudokritiker da draußen die sich über die Gewalt, Frauenverachtung oder Selbstverherrlichung aufregen, sind vor dieser Ebene gescheitert. Sie betrachten Tarantinos Werke als Stufen eines Treppenhauses das kreuz und quer verläuft wie die in Frau Winchesters Mystery House. Tatsächlich aber sind seine Filme Stufen einer Wendeltreppe, und The Hateful Eight ist nahe dran die Windung der Treppe bei 360 abzuschließen. Es sind vielleicht noch etwa zwei Filme übrig und Tarantino wird auf dem Obergeschoss angelangt sein und sich verabschieden – natürlich hoffen wir das nicht aber es gibt eine Schlüssigkeit daran die sich auch in seinen Aussagen in diversen Interviews dazu widerspiegeln, und wenn man seine Filme in umgekehrter Reihenfolge ansieht, und am Ende noch die überlebenden Minuten von My Best Friend’s Birthday ansieht, wird einem alles total Sinn machen.

The Hateful Eight

Bob Richardson leistet mit diesem Film hervorragende Arbeit. Die 70mm Vorführung ist dabei nicht einfach nur ein Gag. Es ist nicht nur eine andere Art den Film zu sehen. Während die meisten Menschen auf diesem Planeten diese Roadshow Version wohl nie sehen werden, werden sie dennoch The Hateful Eight erleben können. Es ist aber ein extra Meta Aspekt, es geht um das besondere i-Tüpfelchen das die Roadshow Version darstellt. Ich sprach das letzte mal mit Kurt Russell vor dem Start von Grindhouse, und er sagte richtigerweise dass es sich dabei nicht nur um einen Film handelt, sondern um einen besonderen Abend.Es geht um das Kinoerlebnis als solches. Acht Jahre später steht Kurt wieder für Tarantino vor der Kamera, und wieder ist es nicht einfach nur ein Film, sondern ein Abendprogramm. Die Roadshow Version ist kein kurzer Abstecher ins Multiplex, es ist ein Filmereignis. Doch auch wenn man all das weg läst, ist es immer noch ein unvergleichbares Erlebnis, The Hateful Eight zu sehen. Der Western ist bei Leibe nicht tot (weitere kommen bald oder erschienen in den letzten Monaten und Jahren),aber es gibt nicht viele die den Western als Genre so feiern wie es Tarantino tut, er erhebt ihn auf einen Altar der Wertschätzung. Ich mag Western, vor allem Italowestern, aber auch die realistischen modernen, zum Beispiel Open Range, oder den mystischen Seraphim Falls, aber kürzlich entdecke ich auch wieder den alten US Western, ob Abenteuer von Budd Boetticher, oder Ausritte mit dem guten alten Joel McCrea. Der Wilde Western ist genauso Mythos und Metapher als treibende Kraft amerikanischer Kultur wie er als Genre zum Vehikel für wirklich unglaubliches Storytelling wird. Deswegen erkennt man den Western in anderen Genres wieder, ob Samurai Filme oder Science Fiction. Der Western ist ein Genre in dem die verrücktesten Charaktere aufeinander prallen können in einer Kutsche in mitten eines Schneesturms, in dem es Schießereien in einem Miederwarenladen gibt. The Hateful Eight ist ein ultimativer Western, auch wenn er gleichzeitig durch und durch Tarantino in sich hat (wie alle seiner Filme) und viele den Film einfach hassen werden, genauso wie es viele Leute geben wird die den Film einfach wie verrückt lieben werden.

The Hateful Eight

Die herausragenden Leistungen aller Schauspieler und Schauspielerinnen, und ja damit meine ich auch Channing Tatum, machen The Hateful Eight zu einem genussvollen Ensemble Film. Das bringt mich zum letzten Aspekt den ich erwähnen will. Was mir klar wurde ist eine fast schon schockierende Realisierung was Tarantino als Erzähler betrifft. Wir haben es mit einem Regisseur zu tun der so viel Vertrauen in sein Material hat, dass er nicht davor scheut jeden beliebigen Charakter zu jeder beliebigen Zeit abzumurksen ohne mit der Wimper zu zucken. Das ist ein harter Brocken für einen Hangout Film das mag sein, und meine Güte manche dieser Charaktere werdet ihr echt vermissen, aber gleichzeitig ist es auch sehr befriedigend. Quentin lässt sich von Konventionen nicht aufhalten. Das hier ist kein Star-Vehikel, kein Will Smith Film, kein Superhelden-Popcorn-Blockbuster Dreck, wenn man The Hateful Eight sieht, ist man in Tarantinoland, und in Tarantinoland kann abgedrehtes Zeug passieren und eines dürft Ihr euch sicher sein, niemand kommt ohne einen verdammt guten Grund mitten während eines Schneesturms in Minnies Miederwarenladen, und wenn es das eigene Ende bedeutet, was es wahrscheinlich tut.

The Hateful Eight

Muss jede Kritik mit einer möglichen vierten Ebene des Films aufwarten? Ich glaube nicht dran. Aber ich gebs zu dass man eine solche konstatieren kann, wenn man darauf besteht sie in den Film hinein zu interpretieren (wovon ich nicht glaube dass es notwendig ist). Hass, Rassismus und offene Konflikte sind diese vierte Ebene. In dem Film geht es nicht in erster Linie um den Bürgerkrieg, oder Rassismus oder Hassmotive. Es ist ein Film. Aber wenn es einen soziopolitischen Subtext gibt, dann diesen. Für manche Meinungsführer wurde es etwas standard diese Ebene im Kontext dieses Films hervorzuheben vor allem wegen der Debatte im letzten Jahr wegen Tarantinos lautem Standpunkt zur Polizeitbrutalität in den USA. Ich für meinen Teil lasse das nicht meiner Liebe zum Kino als vorrangig Kunst und Unterhaltung in die Quere kommen.

The Hateful Eight

Ich konnte nun die 70mm Roadshow Version von The Hateful Eight dreimal sehen (davon einmal in der deutschen Synchronfassung, die gar nicht so schlecht ist), und da ich hatte ja versprochen mein Fazit zu aktualisieren, Du liest also jetzt den aktuellen Text. Ich lernte The Hateful Eight mit jeder Vorführung mehr zu lieben. Der anfängliche Eindruck der Überwältigung ebnete dann den Weg für die Entdeckung netter Details, den Genuss darüber wie die Geschichte sich entfaltet und die Dialoge und das Zusammenspiel des Schauspielerensembles. Es ist immer eine Freude zu erleben wie ein neuer Quentin Tarantino Film das Kino hoch leben lässt, und  dieser Film ist keine Ausnahme dieser Freude. Ich erwähnte oben dass es drei Bewertungsskalen gibt um einen Film einzuschätzen. Ich denke der Film macht sich außergewöhnlich gut in Sachen filmischer Handwerkskunst. Es ist möglicherweise Tarantinos bis dato feinste Regiearbeit, trotz ein paar Schwächen beim Drehbuch die ihm denke ich die Oscarnominierung gekostet haben. Der Film ist überraschend schön mehrfach ansehbar. Zwar ist der Überraschungseffekt natürlich ruiniert nach dem ersten mal, aber der Film hat andere Schichten filmischen Reichtums die Spaß machen zu entdecken beim nochmaligen ansehen. Mit dem UltraPanavision und 70mm Format genießt man nicht nur ein anderes Bildseitenverhältnis, sondern mir hat vor allem auch die Wärme und Tiefe des Bildes gefallen, die Farben und Textur der Aufnahmen und der Kontrast. Es war eine fantastische Art und Weise den Film zu sehen. Am Ende macht der Film auch eine Menge Spaß. Es wurde gelacht, weil super Dialogzeilen und Comedy-Momente drin sind, und es gab Aufschrei, weil Köpfe platzen und Charaktere verrückte Tode ereilt. The Hateful Eight ist sicher nicht für jedermann, aber eines ist klar, an dieser cineastischen Gelegenheit geht kein Weg vorbei, es ist eine im Leben einmalige Sache diesen Film so zu sehen, das soll man nicht auslassen. Manche von euch werden ihn hassen, manche werden andere Tarantino Filme bevorzugen, er hat vielleicht nicht den prägenden Effekt von Pulp Fiction, darum gehts nicht. Worum es geht ist dass The Hateful Eight echt gemütliches Kino ist, und die bis dato deutlichste Ausprägung des roten Fadens der sich durch seine Filmographie zieht.

[Text aktualisiert am 1. Februar 2016]

The Hateful Eight

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 29. Juli 2017

    […] in der 70mm Projektionsfassung, das sollte man gesehen haben. Wie schon bei The Hateful Eight ist es zwar schwierig, diesen eher technischen Vorteil im Projektionsformat einfach zu erklären. […]

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