Nackte Fäuste – Die tödliche Karatelady / Firecracker

Die Kampfkunstlehrerin Susanne Carter reist auf die Philippinen, um den Mörder ihrer Schwester zu finden. Sie findet heraus, dass die ihre letzten Tage in einem Kampfkunst-Nachtclub verbracht hat, der auch als Fassade für den lokalen Drogenhandel fungiert. Hier kann man eine Mahlzeit genießen und sich Kämpfe anschauen, die bis zum Tod führen. Carter nähert sich den Bossen der Organisation und verliebt sich schließlich in den besten Kämpfer des Establishments, der selbst Mitglied des Drogenkonsortiums ist.

Wenn der Trailer eines Films mit dem Slogan „Der erste erotische Kampfkunst-Thriller“ endet, muss man schon zugeben, dass er damit so einiges an Interesse weckt. Und was soll man schreiben, Nackte Fäuste – Die tödliche Karatelady erfüllt die Aussage des Sprechers und stellt sich als ein durchaus erfreulicher, jedoch scheinbar unbekannter Martial-Arts-Film aus der trashtastischen Filmfabrik, die auf den Philippinen von B-Movie-Maestro Cirio H. Santiago betrieben wird.

Wie erwartet erweist sich die Handlung als zweitrangig, wobei der Film im Grunde eine vollständige Kopie von Santiagos frühem Blaxploitation-Martial-Arts Flick TNT Jackson darstellt, der Jeannie Bells Hauptrolle durch eine weiße Frau ersetzt und den Drehort auf die Philippinen verlegt. Es könnte sogar darüber spekuliert werden, ob Santiago das Titelblatt des TNT Jackson-Skripts nicht einfach ausgetauscht und mit der Aufschrift Firecracker versehen hat. So ähnlich gestaltet sich die Handlung dieser Filme! Hier reist eine sexy Kampfkünstlerin auf die Philippinen, um ihre vermisste Schwester zu finden (anstelle des Bruders in TNT). Sie versucht sich in einen Drogenring hineinzuschleusen und arbeitet schließlich mit einigen Undercover-DEA-Agenten zusammen (wieder genau wie bei TNT).

Der bzw. das absolut beste Teil dieses billigen Kampfkunst-Thrillers wird von Jillian Kesner (die man sehr wahrscheinlich aus Raw Force aka Jäger des tödlichen Jade kennen dürfte, der ein Jahr nach dieser TNTJ Kopie entstand) als unsere extrem sexy und enorm tödliche Hauptdarstellerin repräsentiert. Im Gegensatz zu TNT Jacksons Jeannie Bell, die keine Martial-Arts Fähigkeiten aufweisen konnte und ausschließlich für ihre „körperlichen Vorzüge“ engagiert wurde, stellt Kesner nicht nur eine äußerst attraktive Erscheinung dar, sondern ist auch als versierte Kampfkünstlerin zu bezeichnen. Aus diesem Grund versteht sie es sich auf beeindruckende Art und Weise in vielen gewalttätigen Kampfszenen zu behaupten. Kein Witz, davon gibt es insgesamt ungefähr zehn zu bestaunen, wobei sich die erste bereits während der ersten fünf Minuten abspielt! Schlock-Regisseur Cirio H. Santiago war natürlich bewusst was für eine Art von Film er da macht, weswegen er es sich nicht nehmen ließ Kesners wunderschönen Körper gelegentlich in den Fokus zu rücken. In ihrer ersten Kampfszene muss sie nur mit einem Höschen und einem BH bekleidet gegen einige Typen antreten, die in ihr Hotelzimmer eingedrungen sind. In einer etwas späteren, längeren Sequenz verliert sie nach und nach ihre Kleidung (ja, das ist unfreiwillig komisch) und kämpft dann Oben-ohne gegen ihre Feinde! Albern und ausbeuterisch? Ja. Unvergesslich? Auf jeden Fall!!!

Cirio peppt das Geschehen zusätzlich mit einigen blutigen Szenen auf: ein Nachtwächter wird von einem Werkzeug aufgespießt und es werden sogar ein paar Augen ausgestochen. Szenen, die auf unbegründeter Gewalt aufbauen, können immer als schöne Ergänzung angesehen werden, um einen B-Film aufzupeppen. Die Choreografie ist hier auch als recht anständig zu bezeichnen, was die Kampfszenen weitaus glaubwürdiger wirken lässt, als die sogenannten Kämpfe in TNT Jackson. Nackte Fäuste – Die tödliche Karatelady ist schlecht, macht aber einfach eine Menge Spaß. Das Schauspiel, der Schnitt und der gesamte Handlungsfluss zaubern einem ein breites Grinsen aufs Gesicht, die Kampfszenen und unsere sexy Heldin machen dies jedoch mehr als wett, weswegen sich die ganze Sache als sehr unterhaltsam erweist. Hierbei handelt es sich definitiv um ein sogenanntes guilty pleasure und zweifellos um einen besseren der Schlock-Filme des Kultregisseurs Cirio H. Santiago. Eine wahre Schande, dass Kesner nicht mehr Filme dieser Art gemacht hat. Firecracker benötigt unbedingt eine ordentliche BluRay- oder DVD-Veröffentlichung, denn der Streifen ist für Fans des Trash-Kinos mehr als nur einen Blick wert.

ACHTUNG! Jetzt wird’s freizügig…

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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Eine Antwort

  1. 8. Oktober 2020

    […] mit seinem Talent. Immerhin handelt es sich um den Mann, der die Kunst des Oben-ohne Kickboxens (Firecracker, 1981) erfunden hat. Apropos, hier taucht ein attraktives asiatisches Mädchen auf, das im Film ein […]

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