Jäger des tödlichen Jade / Raw Force

Auf einer Insel namens Warrior Island hausen Mönchs-Kannibalen, die von einer Gruppe Mädchenhändler mit „Frischfleisch“ versorgt werden. Als Gegenleistung erhalten die Händler von den Mönchen wertvolle Jade. Eine Touristengruppe, die sich gerade auf einer Kreuzfahrt befindet, plant einen Abstecher auf die verbotene, geheimnisvolle Insel. Leider verplappern sich zwei der Urlauber bei einem spontanen Besuch im Puff, in dem just zur gleichen Zeit der Mädchenhändlerring auf der Suche nach „Nachschub“ (=Mönchsnahrung) ist. Nun setzt der Bandenchef alles daran, dass die Touristen Warrior Island nie erreichen werden. Seine Helfer verüben einen Anschlag auf das Kreuzfahrtschiff, doch einige Touristen können sich mit einem Gummiboot retten – und werden rein zufällig an den Strand von Warrior Island gespült. Doch da warten auf sie nicht nur die kannibalistischen Mönche sondern auch verweste Zombie-Kung-Fu-Kämpfer, die sich von den Schiffbrüchigen in ihrer Totenruhe gestört fühlen. Werden die Touristen dieser Hölle auf Erden entfliehen können? (Fokus)

Ein Wasserflugzeug landet und legt an diesem als Warrior Island bekannten Gebiet in der Südsee an, wobei der Pilot Speer (Ralph Lombardi) aussteigt, um dem dortigen Oberhaupt der Mönche (Vic Diaz) seinen neuesten Fund vorzustellen. Dieser Fund, eine Gruppe junger Frauen, wurde extra für die Opferrituale der Mönche gefangen genommen, denn die sind Kannibalen. Die Mönche glauben, dass sie geistliches Wachstum erreichen können, wenn sie sich am Fleisch nubiler Damen weiden. Während sich die Opfer ausziehen müssen und in einen Käfig gesperrt werden, entscheidet der Hauptmönch, eine von ihnen wäre zu mager, woraufhin er sie von einem Katana schwingenden Zombie töten lässt.

Momentmal, was!? Das waren gerade einmal die ersten fünf Minuten von Raw Force, einem philippinischen Exploitation-Flick von Amerikanern gedreht, der irgendwie unter dem Radar vieler Fans dieser Art von Material gerutscht sein muss. Obwohl Cameron Mitchell mit von der Partie ist, der zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere zumeist in sogenannten Trash-Filmen auftrat, wenn auch nicht immer in guten. Um ehrlich zu sein, sind nicht sehr viele davon als gut zu bezeichnen, wobei dieser Streifen wirklich keine Ausnahme darstellen sollte, wenn er nicht eine Reihe verrückter Szenen beinhalten würde, die einen entweder zum Lachen bringen oder seine Hände über dem Kopf zusammenschlagen lassen, natürlich aufgrund der Lächerlichkeit des Films. So oder so erscheint es, als wollte Regisseur Edward Murphy so viele Elemente wie möglich zum Einsatz bringen, um das Interesse des Publikums nicht zu verlieren.

Es gibt kein Argument dafür, dass dies kein interessanter Film ist, doch ein paar Kampfsport-Liebhaber (anscheinend „The Burbank Karate Club“) gegen nicht nur gut ausgebildete Handlanger, sondern auch gegen diese Kannibalen-Mönche und ihre Zombie-Brut in den Kampf zu schicken, würde sich sowieso niemals langweilig gestalten. Mitchell verkörpert die Rolle des Kapitäns des Kreuzfahrtschiffes, auf dem der Club unterwegs ist, in der Hoffnung, die philippinischen Sehenswürdigkeiten erkunden zu können, ein paar Kickbox-Matches zu verfolgen – und ein lokales Bordell zu besuchen. Es gibt zwei Aspekte, auf die Murphy bei diesem Film setzt: alle paar Minuten einen Kampf stattfinden zu lassen und für die ersten zwei Drittel dürfen sich, im gleichen Intervall, beinahe alle Frauen die Kleider ausziehen.

Sobald jedoch das Pandämonium des Finales erst einmal in Gang gekommen ist, entscheidet er sich dafür, mit all der Nacktheit Schluss zu machen. Um seinem Unsinn noch mehr Würze zu verleihen, gibt es zudem ein gewisses Maß an Gore zu bestaunen, obwohl man seltsamerweise nie einen der Zombies beim „abnagen“ von nackten Schönheiten zu sehen bekommt. Wahrscheinlich reichte das Budget dafür nicht aus!? Die austauschbaren amerikanischen Kampfkünstler werden von O’Malley (Geoffrey Binney) angeführt und finden reichlich Gelegenheit ihr „Können“ aus dem Sack zu lassen, während Speers Handlanger ihre Reise sabotierten (aus Gründen, die nur ihnen selbst bekannt sein dürften). Eventuell, weil Speer wie Adolf Hitler in einem Safari-Anzug mit Zahnbürstenschnurrbart aussieht und mit deutschem Akzent spricht!? Man wird es nie erfahren.

Dabei ist Speer auch philippinischer Herkunft – ja richtig, ein philippinischer Führer, was noch nicht einmal den lächerlichsten Teil des Films darstellt. Jäger des tödlichen Jade besteht aus drei Akten, zuerst wird die Kreuzfahrt etabliert und die „Besichtigung“ der verrückten Passagiere durchgezogen, wobei es starke Hinweise gibt, dass Murphy glaubte, er drehe eine Komödie, was er wahrscheinlich auch wirklich annahm. Dann, einmal draußen auf dem Meer, beginnt eine lange Disco-Party, wo sich die Kamera um die Besetzung herumbewegt und sich für eine (oder mehrere) Schauspielerin entscheidet, die sich daraufhin ausziehen darf. Hier kommt es auch zu einem Gastauftritt von Camille Keaton, die man wohl am ehesten aus dem Original von I Spit On Your Grave (Ich spuck‘ auf dein Grab, 1978) kennen dürfte. Dann plötzlich wird die Party abgebrochen, das Boot wird zerstört und die schiffbrüchigen Überlebenden werden bei Warriors Island an Land gespült, um den Bösewichten letztendlich in den Allerwertesten zu treten. Raw Force stellt zweifellos einen gar lächerlichen Streifen dar, aber einen, der unbedarft daher schlendert und dem Exploitation-Genre einen guten Namen verleiht, was man an sich als Seltenheit bezeichnen kann.

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  • Darsteller: Cameron Mitchell, Geoffrey Binney, Hope Holiday, Jillian Kesner, John Dresden
  • Regisseur(e): Edward D. Murphy
  • Format: DVD-Video
  • Region: Region 2
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Studio: Fokus (Germany)

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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