Die Giallo Collection Teil 2

“Die spektakuläre Box der blanken Messer” untertitelt Koch Media diese zweite gelbe Sammelbox Giallo Collection (Teil 2) zu einem der interessantesten Italienischen Filmgenres die es gibt. Sie folgt auf die erste Box, die wir unter diesem Link rezensiert haben.

Was sind eigentlich Gialli? Giallo ist italienisch für Gelb, das Genre hat seinen Namen von den gelben Krimiheftchen auf denen viele der ersten Vertreter des Genres basierten. Zumeist sind es groteske Psychothriller, Slasherfilme, Rache-Krimis oder andere Themen die sich vom Mainstream Kimikino durch stilistische Elemente wie Religion, Fetisch, Erotik, (psychische) Krankheit, Sadismus, Occult, experimentielle Kinematografie, hochstilistische Musik, Mysterie etc. absetzten. Als Hauptbegründer des Genres in den 60ern und 70ern zählt Mario Bava. Mehr auf Wikimedia oder der Grindhouse Database

Blutiger Zahltag aka. The Pyjama Girl Case

Pyjama Girl Case

Die Geschichte um ein am Strand aufgefundenes totes Mädchen mit schweren Verbrennungen lockt den alten Ermittler Thompson aus dem Ruhestand. Das Mädchen trug einen gelben Pyjama und wurde von Strandbesuchern gefunden. Eher widerwillig lässt sein Chef ihn mitermitteln. Während die anderen Kommissare ihren normalen Arbeitsprozess beginnen, hört er auf seinen Instinkt und beginnt nachzubohren. Dass der Tod des Mädchens eng mit einer fatalen Dreiecksbeziehung zu tun hat, die der Film etwas ungeschickt als zweiten Handlungsfaden aufspinnt, erkennt der Ermittler am Ende, und der Zuschauer als Erzählung im Voiceover.

Leider ist die Story wirr, die Charaktere belanglos und der Film am Ende ein recht abstruses Gebilde. Als Giallo taugt er wenig weil die typischen Motive gar nicht wirklich zur Geltung kommen, als Krimi erreicht er höchstens Tatort Niveau (und das ist verdammt niedrig), und als Kunstwerk sind die vereinzelt guten Szenen in ihrer Dramaturgie zu dünn gestreut. Es handelt sich also um einen Genrevertreter den man genauso gut nicht gesehen haben muss.

In the Folds of Flesh

In the folds of the flesh

In einem abgelegenem Schloss am Strand mordet ein Trio sorglos vor sich hin. Liebhaber, Ermittler, Besucher… ein zufällig auf der Flucht befindlicher Ganove (Fernando Sancho) beobachtet, wie eine Leiche vergraben wird. Geschnappt wird er trotzdem. Jahre später aber kommt er wieder, und will mit dem Wissen das Trio erpressen. Ein fataler Fehler…  das Trio begräbt eine bittere Vergangenheit, die bis zu den Gaskammern der Nazis zurückreicht. Als dann der vermeintliche Vater und Schloßbesitzer zurückkehrt, bringt dies alles durcheinander was trotz all der Mordlust und Psychopathie noch an „Ordnung“ im Leben des Trios übrig ist…. was dann zu Tage kommt….

Dieser leicht wirre Psychothriller nimmt diverse Ecken und bewegt sich in einige Richtungen, bis er letztendlich zum Punkt kommt, gerade rechtzeitig um die Verwirrung des gelangweilten Zuschauers zu lindern.  Der Film will etwas Artsy sein, und diverse Elemente vereinen, was bleibt ist aber ein konfuser Mischmasch unter schlechter Regie. Die Grundidee dabei ist aber nicht so übel, umso mehr schade dass der Film so ein chaotisch erzähltes Werk ist, dass mich persönlich nicht überzeugt hat.

The Child – Die Stadt wird zum Albtraum aka Who saw her die?

Chi lha vista morire

Franco Serpieri (George Lazenby) ist ein in Venedig lebender Bildhauer. Als seine Tochter spurlos verschwindet und später erst als Leiche wieder auftaucht, gehen er und seine Frau Elizabeth (Anita Strindberg) eigenen Ermittlungen nach. Es gibt deutliche Parallelen zu bisherigen Mädchenmorden, und je mehr Franco sich umhört, desto gefährlicher wird es auch für ihn….

Eine gute Besetzung, Gänsehautmotive und ein gespenstischer Soundtrack. Na endlich, die Box hat nun wenigstens einen Film den es sich wirklich lohnt zu sehen. Wer Nicolas Roegs Dont Look Now (Wenn die Gondeln Trauer tragen) kennt, weiß wie gespenstisch Venedig sein kann. Der unheimliche Soundtrack des Films und klassische Giallo Motive zum Dank ist „The Child“ ein recht unterhaltsamer Krimispaß, wenn auch narrativ etwas wirr und handwerklich nicht auf dem Niveau von Roeg, dessen Film ein Jahr später in die Kinos kam.

Die Giallo Collection Teil 2 und Fazit

Koch Media Giallo Collection 2Wie schon bei der ersten Box, so freut sich der Cineast auch hier über die ausgezeichnete Aufmachung. Wieder liegen drei in gelb gehaltene Poster bei, die zusammen mit den drei DVDs in der schönen Box verstaut sind. Man darf auf weitere Boxen hoffen! Insgesamt ist Koch Media hier wieder ein schönes Sammlerstück gelungen, auch wenn die Qualität der Filme selbst sehr durchwachsen ist.

Bis auf „In the folds of the flesh“ sind bei allen Filmen neben dem Englischen und Italienischen Ton auch eine deutsche Sprachspur enthalten, nebst Untertiteln. Die Filme sind ungekürzt und sehen allesamt recht gut aus. Neben Trailern und Fotos, gibt es ein paar Extras oben drauf. So liegt „Folds“ ein Fotoroman auf PDF bei Blutiger Zahltag ist ein Interview mit Howard Ross drauf und bei The Child eines mit über einer halben Stunde Länge mit dem Regisseur Aldo Lado.

Die Box sei jedem Giallo Fan empfohlen und solchen die interessante Lücken schließen möchten. Der beste Film der box ist sicherlich „Who saw her die“. Ich freue mich auf die nächste Box!

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Koch Media hat diese Box freundlicherweise zur Rezension bereitgestellt.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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