The Creeps – Deformed Monsters

Eine geheimnisvolle Apparatur, ein ziemlich verschrobener Wissenschaftler – die perfekte Kombination, um mit bizarren Experimenten das Grauen heraufzubeschwören. Und tatsächlich, bald schon materialisiert sich das ultimative Böse, jedoch … irgendwie ist hier was schiefgegangen. Nur durch die Opferung einer nackten Jungfrau könnte der Schaden behoben werden. Doch woher nehmen? Eine wahnwitzige Jagd beginnt, bei der kein Auge trocken bleibt. Und die Creatures immer saurer werden! (Wicked-Vision Media)

Was gibt es Schöneres, als einen anstrengenden Tag mit The Creeps abzuschließen, einem Film, in dem nicht nur eins, auch nicht zwei, sondern gleich alle vier klassischen Monster zu sehen sind! Dracula, Frankensteins Monster, Die Mumie und Der Wolfsmensch sind zurück, um die Tore zur Hölle zu öffnen, doch die Sache hat einen Haken. Denn, da es sich um einen Charles Band Film handelt (der Mann, der für seine Besessenheit mit kleinen Monstern bekannt ist) werden alle Kreaturen von Liliputanern verkörpert. Gleichzeitig ist The Creeps, in wahrem Full Moon Stil, bis zum Rand mit anderen seltsamen Ideen vollgestopft, welche die Brainstorming-Phase in anderen Studios nicht hinter sich gelassen hätten. The Creeps gelingt es allerdings auch noch auf eine andere Art und Weise zu überraschen und zwar nicht mit einer packenden Geschichte oder seinen gequälten Charakteren, sondern mit seiner Darstellung einer Videothek um das Jahr 1997.

Für alle, die in den 80er Jahren aufgewachsen sind, war die Videothek des Vertrauens ein beliebtes Ziel, ein Besuch stellte ein aufregendes Ereignis dar. Vor dem Aufstieg großer Ketten wie Video World waren es zumeist reine Filmliebhaber, die eher zufällig Geschäfte aufbauten und alles an Filmen anboten, was sie auch selbst für attraktiv hielten. Die Videothek in The Creeps repräsentiert einen solchen Ort, zwar eher zu Zeiten von Video World (1997 eben) aber trotzdem macht sich ein vertrautes, heimisches Gefühl breit. Der Pappaufsteller neben der Tür ist von Jackie Chans Erstschlag (Police Story IV), einem Film, der 1997 zu einem Videotheken-Hit avancierte. Überraschenderweise nutzte Band die Örtlichkeit nicht allzu sehr für billige Full Moon Eigenwerbung, obwohl ein bisschen davon schon vorhanden ist. Die Gänge mit den Kassettenschachteln zu sehen weckt warme Erinnerungen, all die Regale voll mit VHS, die die Personalbereiche dieser Geschäfte säumten. Jedes Tape ist mit einem nummerierten Aufkleber versehen, damit es bei der Auswahl zum Mitnehmen später wieder problemlos mit seiner Schachtel vereint werden kann. Leider sind die nummerierten Aufkleber mittlerweile verblasst und haben ihre Fähigkeit zum Kleben schon längst verloren.

Doch zurück zur eigentlichen Besprechung. Die Handlung von The Creeps beginnt mit der Bibliothekarin Anna, die auf seltene Bücher spezialisiert ist und sich mit einem Besucher über eine Erstausgabe von Mary Shelleys Frankenstein unterhält, die von der Autorin höchstpersönlich per Hand geschrieben wurde. Dem ominösen Besucher gelingt es letztendlich die extrem wertvolle Ausgabe zu stehlen und seine Beute zurück in sein mit Nebel angefülltes Technohaus zu bringen, wo bunte Lampen an verschiedensten Apparaten blinken und es offensichtlich ist, dass er nichts Gutes im Schilde führt. Er legt das Manuskript in eine Plastikbox neben eine Kammer, die sich neben drei weiteren identischen Kammern befindet, die auch jeweils mit einer Plastikbox und eigenem Buch versehen sind. Denn der nervöse, aufgedrehte Mann hat eine Maschine erfunden und gebaut (den Archetyp-Inducer), die einen Charakter aus einem Buch extrahieren und in eine reale, atmende Manifestation desselben verwandeln kann. Wie oder warum genau wird nie richtig erklärt und ehrlich gesagt ist das auch vollkommen egal. Solange man einige Monster auf dem Bildschirm präsentiert bekommt, soll der verrückte Professor ruhig seine Maschine haben, die es vollbringt Charaktere aus Büchern in die reale Welt zu ziehen.

Unglücklicherweise läuft für unseren verwirrten Wissenschaftler während des Prozesses etwas schief und als die Monster ihre Kammern verlassen, erscheinen sie als kleinere Versionen von sich selbst. Dies ist auch der Moment, in dem der Film endlich Fahrt aufnimmt. Nichts gegen die Eröffnungssequenz, doch es sind die Monster, für die man seine hart verdiente Kohle hingeblättert hat. Es macht also Sinn sie zu den Stars der Show aufzubauen, doch Dracula ist der einzige, dem wirklicher Dialog vorbehalten ist. Der Graf wird vom großartigen Phil Fondacaro eindrucksvoll verkörpert, indem er die Rolle genauso anlegt, wie man es von ihm erwartet und die Kontrolle über den Streifen übernimmt. Die anderen Monster kommen leider sehr wenig zum Einsatz, während sie weitgehend zu Statisten verkümmern. Frankensteins Monster wird noch am meisten repräsentiert, wobei er ein wenig stöhnen darf, doch sowohl Die Mumie als auch Der Wolfsmensch bekommen nur kleine „erleuchtende“ Momente gewährt. In diesen rar gesäten Augenblicken verstehen sie es allerdings abzuliefern, vor allem wenn Der Wolfsmensch direkt und ausgiebig auf das Kameraobjektiv sabbert. Diese Aufnahme macht zwar nur für die 3D Version wirklichen Sinn, stellt aber eine großartige Einstellung dar.

Das Schauspiel ist für einen B-Film dieses Budgets durchaus als gut zu bezeichnen und bei weitem nicht so schlecht, wie man es erwarten könnte. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, es sind viele kleine Ärgernisse und gestelzte Dialoge vorhanden, die aber, gemessen am Gesamtwerk, insgesamt zu vernachlässigen sind. Charles Bands Regieführung fällt einen Schritt hinter seine besseren 80er Jahre Werke zurück, funktioniert jedoch trotzdem recht zufriedenstellend und drosselt das Vergnügen zu keiner Zeit. Der Film wurde tatsächlich auch in 3D gedreht, was erklärt warum einige Einstellungen (wie die oben genannte „Sabber“-Sequenz) enthalten sind, die ohne 3D-Effekt eigentlich nur wenig Sinn machen. Szenen, in denen Gegenstände in Richtung Kamera fliegen (a la Und wieder ist Freitag der 13.) wird man hier allerdings nicht finden können. Genauso wenig, wie explizite Gewalt, obwohl der Streifen eine R-Bewertung (für ein wenig Nacktheit) verpasst bekommen hat, wird nicht einmal ein Tropfen Blut verspritzt, geschweige denn sonstiger Splatter geboten. In Wirklichkeit strahlt die gesamte Produktion die Atmosphäre eines Kinderfilms aus und käme es nicht zu dem brustfreilegenden Hemdenriss, hätte der Film mit Leichtigkeit als PG eingestuft werden können. Bei The Creeps handelt es sich weder um einen der erfolgreichsten, noch um einen der unterhaltsamsten Full Moon Filme, der Streifen ist aber zuweilen recht lustig geraten und wird nie langweilig. Eignet sich perfekt für einen Halloween-Abend mit B-Movies. Phil Fondacaro Fans werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.

Wicked-Vision Media veröffentlicht The Creeps – Deformed Monsters als Nummer 03 ihrer Full Moon Classic Selection in einer Scanavo Box auf BluRay. Bild (2,35:1/1080p) und Ton (deutsch + englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf hohem Niveau, da gibt‘s nichts zu meckern. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden. Extras: Wendecover mit Original-Artwork; Videozone und Originaltrailer. Insgesamt handelt es sich bei The Creeps – Deformed Monsters um eine äußerst gelungene Edition, die in keinem Regal von B-Film-Liebhabern und Full Moon-Freunden fehlen sollte.

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Darsteller: Rhonda Griffin, Justin Lauer, Kristin Norton
Regisseur(e): Neal Marshall Stevens
Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Wicked-Vision Media
Produktionsjahr: 1997
Spieldauer: 80 Minuten

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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