Rache der Zombies / La revanche des mortes vivantes

Die Chemiefabrik eines kleinen, verschlafenen Ortes wird von Unbekannten erpresst. Die Erpresser drohen damit, etwas Schreckliches zu unternehmen, wenn auf die Geldforderungen nicht eingegangen werden sollte. Doch die Firmenleitung ignoriert die Drohungen und bleibt hart. Diese Entscheidung müssen drei junge, hübsche Frauen, die in der Chemiefabrik arbeiten, nach dem Genuss von vergifteter Milch mit dem Leben bezahlen. Doch das Gift scheint die jungen Frauen nicht nur getötet zu haben, es lässt sie des Nachts auch wieder aus ihren Gräbern steigen. Sie sind zu blutrünstigen Zombies mutiert, die nur eines im Sinn haben: Menschenfleisch. (Wicked-Vision Media)

Geht es um Qualität, so handelt es sich bei französischen Horrorfilmen eher um eine durchwachsene Angelegenheit, wobei Vokabeln wie eklektisch und exzentrisch zum Einsatz kommen könnten. Im schlimmsten Fall sind sie unverständlich, schlecht produziert und ziemlich lahm, mit Typen in „Pfannkuchen“ Make-up, die schlecht synchronisierte Dialoge runterleiern (obwohl, das auf seine Art auch Spaß machen kann, nicht wahr?). Etwas angenehmer zu konsumieren sind die Schlock-Shocks, die das „so schlecht, schon wieder gut“ Pantheon (a la Zombie Lake) umfassen, während kontinentaler Horror, der sich mit roher Energie und einzigartige Perspektive rühmen kann, am bekömmlichsten ist. In diese Kategorie fallen einige der fleischigeren Flicks von Jess Franco und die lyrischen Splatter-Opern von Jean Rollin, deren tragische Studien des Zerfalls genauso schön gefilmt, wie sie im Thema herausfordernd sind. Einiges derer hochgeladener Erotik, fatalistischer Bildsprache und der traumähnlichen Geschichtsstruktur wird in Rache der Zombies, einer fetischistischen Ode an Blut, Brüste und Brutalität, dupliziert. Als grauenhaftes Geschenk für beide Splatter-Fans und diejenigen, die die morose Atmosphäre der älteren europäischen Gothics zu schätzen wissen, umgibt Revenge of the Living Dead Girls eine gewöhnliche, einfache Geschichte über Verbrechen, Strafe und Zombies mit fatalistischer Eleganz. Der strukturell unebene – wenn auch enthusiastische – Plot wird zusätzlich noch mit Sex und Sadismus angereichert sowie mit Gusto erzählt. Der Film suhlt sich sogar noch in Eingeweiden, während bedeutende Themen wie politische Korruption, Bestechung und Toxizität behandelt werden, was ihn zu einem Kraftpaket des Bahnhofskinos macht. Subtilität findet hier keinen Platz, vielmehr offenbart der Streifen mit diesem Ansatz und der verweilenden Aufmerksamkeit auf Gewalt, dass es sein Ziel ist zu unterhalten und nicht zu moralisieren. Er erreicht dies, indem er immer ehrlich bleibt und seinen Teppich aus Terror mit wilder Energie und einer Vorliebe für das Widerliche zu weben pflegt.

In einem kulturellen Umfeld von politischer Intrige und Korruption sowie ökonomischer Verschwörung leiden die gemeinen Menschen unter dem Ergebnis einer preiswerten, unsicheren Geschäftspraxis, die vergiften Müll auf den Gräbern von drei vor kurzem verstorbenen, attraktiven jungen Damen entsorgen lässt. Jup, man glaubt es kaum, doch hier kommen die Zombies und sie sind gar lustig anzuschauen. Wie man sich vielleicht denken kann, wird mit fieberhafter Intensität versucht das groteske Make-up mit dem billigen, aber effektiven Naturalismus zu kompensieren, der praktisch alle europäischen Zombiefilme zu zieren scheint und ihren Untoten eine Persönlichkeit verleiht, die in U.S.-Filmen fehlt. Kaum sind die ghoulishen Gals ihren Gräbern entstiegen, so machen sie sich sofort ans Werk und suchen die Verwaltung der örtlichen Milchviehfarm heim, die, wie es scheint, ihre Vergiftung verantwortet hat (obwohl Saboteure die Milch vergiftet hatten). Die „rasenden“ Angriffe der Monster, die ländliche Gespenstigkeit der Lokalitäten und das spärliche Budget kreieren eine schlampige Melange aus disparaten Elementen, die auf wunderliche Art und Weise trotzdem recht gut funktioniert. Die Kombination aus großartiger gotischer Atmosphäre und zeitgenössischem Zynismus, versetzt mit einer Brise Hammer Studios, kann schon Laune machen. Als ein Hybrid aus französischen Genre-Elementen ist La revanche des mortes vivantes alles andere als langweilig, was nicht zuletzt seiner visuellen Metaphorik, beeinflusst sowohl vom französischen Potboiler, als auch von Rollins‘ Opern, geschuldet ist. Während Fans schnell die Parallelen zwischen diesem Film und Rollins‘ The Living Dead Girl (Lady Dracula, 1982) feststellen werden, etabliert Regisseur Reinhard seine eigene Identität, die sich durch das Auseinandernehmen kultureller Tabus ausdrückt. Der Streifen schwelgt in so fragwürdigen Köstlichkeiten wie High-Heels-Augenbehandlung, Angriffe auf männliche Genitalien und Schwerter, die in Vaginas stoßen (Autsch!). Nichts für die Zimperlichen oder Befürworter des suggestiven Schreckens, denn dieses ausbeuterische Fleisch-Fest ist temperamentvoll … und verdammt stolz darauf!

Wicked-Vision Media bringt Rache der Zombies im Mediabook als BluRay- / DVD-Combo mit drei unterschiedlich limitierten, verschiedenen Cover-Motiven heraus. Über den Film lässt sich diesmal sicherlich nicht streiten, genauso wenig wie über die Qualität der Veröffentlichung. Das Bild präsentiert sich im 1,66:1 (1080p / 16:9) Format und macht einen hervorragenden Eindruck, während es beim Ton ebenso nichts zu meckern gibt. Hier stehen eine französische, deutsche und und englische Spur (DTS-HD Master Audio 2.0) zur Auswahl, wobei man deutsche und englische Untertitel zuschalten kann. Die Extras bestehen aus einem 24-seitigen Booklet mit enorm informativen Texten von Christian Keßler, Lars Dreyer-Winkelmann sowie Matthias Paul, dem Featurette „Rückkehr zur Rache der Zombies“, diversen Trailern (deutscher Promotrailer, deutscher Videotrailer, deutscher Kinotrailer, französischer Kinotrailer) und einer Bildergalerie. Vervollständigt und veredelt werden die Boni durch einen Audiokommentar mit Lars Dreyer-Winkelmann, einer geschnittenen Szene, einem alternativem Ende, dem Original Motion Picture Soundtrack und einer alternativen Horror-Version in HD. Insgesamt eine sehr gelungene Mediabook-Edition, die für Liebhaber und Freunde des gepflegten Trash-Films ganz bestimmt interessant sein sollte.

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  • Darsteller: Veronique Catanzaro, Kathryn Charly, Sylvie Novak
  • Regisseur: Pierre B. Reinhard
  • Format: Widescreen
  • Sprache: Deutsch (DTS HD 2.0 Mono), Englisch (DTS HD 2.0 Mono), Französisch (DTS HD 2.0 Mono)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Region: Alle Regionen
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: Wicked-Vision Media
  • Produktionsjahr: 1987
  • Spieldauer: 83 Minuten

Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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