BEN

Nachdem Willard Stiles durch seine einst treue Rattenhorde zu Tode gekommen ist, wird die Oberratte Ben von dem kränklichen Jungen Danny in Sicherheit gebracht. Obwohl Danny dem Tier viel Zuneigung entgegen bringt, kann er nicht verhindern, dass die Ratten ihren einmal eingeschlagenen Weg des Terrors fortsetzen. Unter der Führung Bens nehmen die Angriffe kein Ende und als es zu Todesfällen und Übergriffen kommt, sind Ordnungshüter und Bürger machtlos gegen die schier zahllosen und aggressiven Nagetiere. Ist das Rattenheer aufzuhalten, ehe weitere Opfer zu beklagen sind, oder wird eine ganze Stadt zu Rattenfutter? (Anolis)

Eine Menschenmenge hat sich mitten in der Nacht außerhalb eines Vorstadthauses versammelt und beobachtet still die nächsten Schritte der Behörden. Dort ist etwas Schreckliches passiert, denn jemand kam ums Leben: Es hat mit den Ratten zu tun, die das Gebäude befallen haben, und während die Schaulustigen glotzen, wird eine Leiche auf einer Bahre herausgetragen. Dabei handelt es sich vermutlich um den verstorbenen Besitzer, der Gerüchten nach von Nagetieren angegriffen wurde, genauso wie dessen „Freunde“, die das gleiche Schicksal ereilt hat. Eine anwesende Mutter beschließt ihren kleinen Sohn Danny (Lee Montgomery), entgegen seinen Protesten, nach Hause zu bringen. Was Danny, seine Schwester und seine Mutter nicht wissen (geschweige denn ahnen können), ist, dass er bald eine stärkere Verbindung zu den kleinen, pelzigen Kreaturen haben wird, als sich irgendjemand hätte vorstellen können.

Willard war 1971 ein Überraschungs-Hit, was selbstverständlich einen Nachfolger auf den Plan rief. Allerdings standen die Produzenten mit der Fortsetzung vor einem Problem, denn jeder wichtige Charakter war bis zum Ende von Willard gestorben. Wohin sollte die Reise nun gehen? Die Antwort darauf war Ben, der in Produktion gestürzt wurde, während im Kino gerade die letzten Vorstellungen des Originals liefen. Anstatt eines gemobbten Büroangestellten sollte diesmal ein Kind im Vordergrund stehen, um das Ganze noch viel rührseliger gestalten zu können, weswegen ein kleiner liebenswerter süßer Bengel aka Lee Montgomery als bester Freund des Titeltiers angeheuert wurde. Das Ergebnis präsentiert sich recht bizarr, als eine Art Melange aus Disney- und Tierhorrorfilm, wo sich Kind und Tier anfreunden, das Tier aber seine Truppen in einem Krieg gegen die Menschheit anführt.

Ben hat sogar diese matt helle Ausleuchtung und das Aussehen eines Disney-Films, wobei auch der kleine Hauptdarsteller im Vorjahr in einem Disney-Projekt (Die Millionen-Dollar-Ente) sein Debüt gefeiert hatte. Glücklicherweise geht der Film inhaltlich, zum größten Teil, dann doch einen vollkommen anderen Weg. Von der Polizei verfolgt, zieht sich Ben in die Tiefen der Abwasserkanäle zurück, wo er eine Armee von Tausenden seiner Brüder und Schwestern versammelt hat, um jeden angreifen und töten zu können, der es wagt sich ihnen in den Weg zu stellen. Da das Rattenheer bereits eine Reihe von Menschen ermordet hat, planen die Polizeikräfte (angeführt von Joseph Campanella) die Nager aus der Kanalisation zu „spülen“, um Schlimmeres zu verhindern. Wie nicht anders zu erwarten ist, geht das Vorhaben natürlich gründlich in die Hose.

Die erste Hälfte des Streifens könnte für den einen oder anderen Tierhorror-Fan schon eine harte Prüfung darstellen, denn das Publikum wird praktisch dazu gezwungen, Danny als ein zuckersüßes, einsames Kind auf der Suche nach Freundschaft zu akzeptieren. Lee Montgomery, der einige Jahre später im tollen Burnt Offerings aka Das Landhaus der toten Seelen auftreten sollte, präsentiert mit Vorliebe seine „beeindruckende“ Marionettenshow und trällert dabei Lieder, die er auch selbst komponiert hat. Diese Szenen (bzw. seine „Songs“) sind nur sehr schwer zu ertragen und sorgen für den wirklichen Horror des Films. Eigentlich sollte Danny schwer Herzkrank sein, doch wenn er tanzend, singend und Mundharmonika spielend durch sein Spielzimmer wirbelt, ist davon nichts zu erkennen. Während der zweiten Hälfte von Ben bleibt der Zuschauer, zum Glück, von solchem Firlefanz verschont. Es kommt zwar noch zu ein paar „herzzerreißenden“ und tränenreichen Sequenzen zwischen Danny und Ben, doch hauptsächlich wird sich hier auf die Rattenhatz konzentriert. Joseph Campanella (Mannix) leitet dabei die polizeilichen Ermittlungen und hebt das Material über das eines Mannes hinaus, der „einfach nur“ nach Ratten sucht. Rosemary Murphy (Die Hand, 1981) und Meredith Baxter (Familienbande, 1982-1989) spielen Dannys Mutter und Schwester, wobei beide in ihren Rollen als beschützende Familienmitglieder überzeugen können.

Diesmal übernimmt Ben die sympathische Hauptrolle und während die Menschen nicht so fies und gemein sind, wie in Willard, wird man als Zuschauer trotzdem zu den Ratten halten. Die Nagetiere sind sehr gut dressiert und die massenhaften Sequenzen mit ihnen können schon angsteinflößend sein bzw. bedrohlich wirken, besonders für jeden, der Angst vor Ratten hat. Ben funktioniert letztendlich besser als man nun denken mag (trotz der unsäglichen Gesangseinlagen), doch schaut man den Film als „Doublefeature“ mit dem Originalstreifen, verblasst er ein wenig im Vergleich. Davon abgesehen ist dies (nach Willard) der mit Abstand beste Killer-Ratten-Film inklusive Titelsong von Michael Jackson, den man wahrscheinlich jemals gesehen haben wird. Komplettisten werden sich an der neuen Veröffentlichung von Anolis erfreuen können.

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Darsteller: Lee Harcourt Montgomery, Meredith Baxter, Joseph Campbell, Kenneth Tobey
Regisseur: Phil Karlson
Format: Limited Edition
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Anolis Entertainment
Produktionsjahr: 1972
Spieldauer: 92 Minuten

 

Anolis Entertainment bringt Ben im Rahmen ihrer Die 70er Reihe als Nummer 2 in einer BluRay-Edition heraus und leistet damit, wie bereits gewohnt, hervorragende Arbeit. Das Bild präsentiert sich im 1.85:1 / 16:9 (1920x1080p) Format und sieht absolut klasse aus. Es zeigt sich sehr gut restauriert, farbenfroh, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Beim Ton kann man zwischen den Sprachen Deutsch und Englisch (beide DTS-HD-MA 2.0 Mono) wählen, wobei deutsche Untertitel zuschaltbar sind. Außerdem gibt es neben der deutschen Kinofassung, dem amerikanischen Kinotrailer, Radio+TV Spots, einem deutschen Werberatschlag, einem Presseheft, einem Filmogramm und einer Bildergalerie, noch das 20-seitige Booklet, von David Renske interessant gestaltet und toll geschrieben, zu bestaunen. Der Audiokommentar sowie das Interview mit Lee Montgomery gehören eindeutig zu den Höhepunkten der Veröffentlichung, versorgen sie den geneigten Zuschauer doch mit einer Fülle an interessanten Informationen über den Film. Fans von trashigen Film-Obskuritäten werden Ben lieben und riesigen Spaß mit dem Streifen haben.

Dieses Mediabook sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Anolis Entertainment zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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