Blei ist sein Lohn / Ocaso de un pistolero / Mani di pistolero / Hands of a Gunfighter

Für den ehemaligen Revolverhelden Dan Murphy (Craig Hill) hat das ehrbare Leben mit Frau und Kind ein Ende, als er von Sheriff Ford erkannt und gestellt wird – eine Konfrontation, die Murphys Sohn mit dem Leben bezahlt. Als Dan im Gegenzug das Kind seines Widersachers entführt, um seinen Traum von Familie ein weiteres Mal wahr werden zu lassen, kommt es zur Katastrophe: Konfrontiert mit den mörderischen Castle-Brüdern und einem Häscher des Sheriffs muss Murphy erneut zur Waffe greifen, um im finalen Duell dem Mörder seines Sohnes gegenüberzutreten… (Koch Media)

Blei ist sein Lohn repräsentiert einen frühen spanisch / italienisch koproduzierten Western, der Rafael Romero Marchents erstes Regieprojekt darstellt, wobei sein etwas älterer sowie berühmterer Bruder Joaquín das Drehbuch geschrieben und mit produziert hat. Außerdem erweist sich der Film als der erste europäische Western des amerikanischen Schauspielers Craig Hill. Der Streifen wird oft als eines der besseren frühen Genre-Exemplare mit spanischer Beteiligung bezeichnet. Der ursprüngliche spanische Titel Ocaso de un pistolero bedeutet so viel wie Untergang eines Revolverhelden, was ein bisschen besser zum Film passt, als die Übersetzung des ziemlich faden italienischen / englischen Titels Hände eines Revolverhelden. Nun Blei ist sein Lohn fällt auch nicht gerade sehr viel passender aus, denn Angesichts der melodramatischen Geschichte hätte man den Flick am besten mit Revolverheld am Rande eines Nervenzusammenbruchs betiteln können.

Dan Murphy (Craig Hill) ist ein ehemaliger Revolverheld, auf dessen Kopf eine Prämie ausgesetzt worden ist. Seine Schießeisen hat er an den Nagel gehängt, um ein friedliches Leben zu führen, doch seine Träume werden von Erinnerungen an einen Vorfall heimgesucht, bei dem sein neugeborener Sohn versehentlich von Sheriff Robert Rogers (Jesús Puente) erschossen wurde, der ihn gerade verhaften wollte. Heute lebt Murphy mit seiner Frau Laura (Gloria Milland) und dem gemeinsamen Sohn auf einer abgelegenen Ranch. Ihrem gemeinsamen Sohn!? Wurde das Kind nicht während des Vorfalls mit dem Sheriff getötet? Wurde es, doch Dan und Laura haben den Sohn des Sheriffs gekidnappt, ihn wie ihren eigenen aufgezogen und ihn (wie das verstorbene Kind) Andy genannt. Eines Tages taucht einer der Männer (Raf Baldassarre), die im Namen des Sheriffs nach ihm suchen, bei der Murphy-Ranch auf und schlägt einen Deal vor: Sollten sie bereit dazu sein, das Kind seinem leiblichen Vater zu übergeben, wird Dan kein gesuchter Mann mehr sein. Laura drängt ihren Mann auf den Deal einzugehen, weil es sowieso von Anfang an falsch gewesen ist das Baby zu stehlen und sie niemals Frieden finden werden, bis die Dinge in Ordnung gebracht worden sind. Murphy willigt ein, doch dann wird sein Nachbar getötet und er fühlt sich genötigt wieder zu seinen Pistolen zu greifen.

Wie die meisten frühen spanisch koproduzierten Genre-Einträge, steht auch Blei ist sein Lohn noch immer unter dem Einfluss Hollywoods. Der Streifen fühlt sich oft so wie einer dieser psychologischen Hollywood-Western aus den fünfziger Jahren an, die von Revolverhelden handeln, die versuchen ihre gewalttätige Vergangenheit hinter sich zu lassen. Diese Prämisse wird mit einer melodramatischen Geschichte über einen Jungen verschmolzen, der von seinen Entführern aufgezogen wird und sich daher zwischen seinen „zwei Vätern“ entscheiden muss. Die erste Hälfte des Films hat zwar ein paar Faustkämpfe zu bieten, ist aber ansonsten eher zahm angelegt worden. Doch die Dinge nehmen mit einer bizarren (und faszinierenden) Szene fahrt auf, einer Art Variante des Russischen Roulettes, in der sich Hill um Davy (Piero Lulli) kümmert, den Ältesten und Gefährlichsten der bösen Castle-Brüder, die ihn schon die ganze Zeit herausgefordert haben. Daraufhin folgt eine schnelle Reihe von Ereignissen, die zu einem melodramatischen, jedoch recht effektiven Finale führen, das im Geiste zwar immer noch spanischer Natur ist, allerdings im barockeren Stil des Italo-Westerns gedreht wurde. Die spanischen Western legen normalerweise einen saubereren, weniger „schmutzigen“ Look an den Tag, während die Betonung eher auf persönlicher Ehre und Ritterlichkeit liegt, als auf der Rache-Philosophie der italienischen Western. Der dramatische Ausgang (der besessene Murphy ist nicht mehr zu retten) entspricht immer noch dem spanischen Ansatz, doch die Art und Weise, wie die Schießerei gefilmt worden ist, zeigt bereits wohin sich das Genre entwickelt.

Es stellt keine Überraschung dar, dass dieser Film gute Kritiken von Leuten erhält, die europäische Western mit spanischem Flair zu schätzen wissen. Wir persönlich finden, dass sich die Erzählung hier und da ein wenig unzusammenhängend anfühlt, weil verschiedene Story-Elemente nicht immer sehr gut miteinander harmonieren. Die Nebenhandlung mit den bösen Castle-Brüdern fühlt sich zum Beispiel zu lange von der eigentlichen Grundhandlung losgelöst an, in der es sich hauptsächlich um Hills Verwandlung von einem friedlichen Mann in ein nervöses Wrack dreht, das seinen eigenen Untergang heraufbeschwört. Allerdings funktionieren die Actionsequenzen richtig gut, während Hill den aufgewühlten Dan Murphy ziemlich effektiv verkörpert. Craig Hill war als ein eher introspektiver (denn als ein ausdrucksstarker) Schauspieler bekannt, wobei seine Vorstellung hier noch dadurch unterstützt wird, dass er die Rolle von jeglicher Sentimentalität befreit. Ach ja, das Kind kommt glücklicherweise auch nicht zu irritierend rüber, wie es in einigen Italo-Western leider der Fall ist. Letztendlich repräsentiert Blei ist sein Lohn einen leicht überdurchschnittlichen spanischen Western mit italienischer Beteiligung.

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  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Marchent, Rafael Romero
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 17 Minuten
  • Darsteller: ‎Hill, Craig, Lulli, Piero, Milland, Gloria, Bartha, Janos, Baldassarre, Raf
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Sprache: ‎Deutsch (PCM2 .0), Englisch (PCM2 .0), Spanisch (PCM2 .0)
  • Studio: Koch Media GmbH

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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