Yamato – Schlacht um Japan

Der Film, der im Original Arukimedesu no taisen heißt (und entsprechend auch international als The Great War of Archimedes vermarktet wird) landet hierzulande als Yamato – Schlacht um Japan auf VOD und BluRay. Dabei ist der Film von 2019 im Kern weniger ein Kriegsfilm denn ein Drama, und es geht dabei weniger um das Schlachtschiff Yamato oder den Krieg im Pazifik, sondern um die Lehren des griechischen Mathematikers Archimedes.

Admiral Yamamoto (Hiroshi Tachi), der erkannt hat, dass künftige Kriege weniger durch Panzerkreuzer sondern durch Flugzeugträger gewonnen werden, sieht eine kommende Sitzung des Verteidigungsstabs kritisch entgegen. Die konservativen Kräfte legen für die Anschaffung dicker Kreuzer, im eher Prestigeprojekte darstellen als militärisch sinnvolle Investitionen, zu niedrige Kostenschätzungen vor, um dem Minister die Entscheidung zu erleichern. Yamamoto wittert Schummelei, und so heuern er und sein Mitstreiter Osami (Jun Kunimura) den jungen Mathematiker Tadashi Kai (Masaki Suda) an, um die wahren Kosten aufzudecken. Dem Militär-Neuling werden alle möglichen Steine in den Weg gelegt, doch es gelingt ihm, bei der großen Sitzung in Anwesenheit der Generalitäten und des Verteidigungsministers mit seinen mathematischen Fähigkeiten das Vorhaben in Frage zu stellen, unter anderem indem er es hinbekommt, die Produktionskosten beliebiger Schiffstypen anhand mathematischer Formeln zu berechnen. Doch ob das Kostenargument alleine ausschlaggeben ist?

Die Story ist verblüffen. The Great War of Archimedes ist kein Schlachtenepos, die wenigen Schlachtszenen sind nach 5min vorbei und es entfaltet sich ein akribischer kleiner Thriller rund um einen jungen Mathematiker, der für einen progressiven Militär einen Vergabeskandal aufdecken soll. Dass er letztlich mathematische Schätzungen vornehmen kann liegt an einer Reihe von Unterstützten die er hat und seinem Erfindergeist, doch er gerät damit in die politischen Mühlen der Vorkriegszeit. Krieg erscheint für die meisten unausweichlich: würde der Bau eines großen Schlachtschiffs dies dem Feind signalisieren? Würde der militärisch-industrielle Komplex so weit gehen, wegen Aufträgen einen Krieg zu provozieren? Was braucht eigentlich die kaiserliche Marine und welche Opfer ist das Land bereit in Kauf zu nehmen?

Viele dieser Fragen wirft der Film am Rande und vor allem am Ende auf. Es klingt durch das Wehklagen der Historiker, deren Quasi-Konsens es ist, dass das japanische Volk lieber bis zum bitteren Untergang kämpfen würde statt zu kapitulieren (letztlich der Grund für die Atombomben). Doch es wird auch sorgsam ausgebreitet mit welchen Intrigen und Taktiken gekämpft wird um unterschiedliche Strömungen innerhalb der Regierung auszuspielen und die Politik zu instrumentalisieren. Dass sich dabei Falken und Tauben gegenüberstehen ist letztlich auch fast ein zu simples Bild, wie der junge Tadashi am Ende feststellen muss.

The Great War of Archimedes reisst niemanden vom Hocker, und als Geschichtsstunde ist er zu oberflächlich um viel Einsicht zu gewähren. Doch vermag der Film durch seine gewiefte Perspektive und gutes Kammerspiel zu überzeugen und bleibt bis zum Ende sehr spannend. Er wirft viele, bis heute relevante und auch in anderen Kontexten wichtige Fragen auf und verpacket es in einem unterhaltsamen Gewand.

Die BluRay bietet sehr solides Bild und überzeugenden Ton. Trotz der martialischen Vermarktung und der Eröffnungssequenz ist es ein ruhiger, dialorientierter Film (Japanisch getestet, es gibt auch eine Synchronfassung, sowie natürlich deutsche Untertitel). Es gibt nur den Trailer und Bilder als Extras.

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Die BluRay wurde uns zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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