Coltfighter – Keiner entkommt Ihrer Rache – One Down, Two to Go

Das Geschäft der Organisation ‚Mob‘ heißt Karate. Ihr Einsatz ist der Mensch. der Kämpfer liefert sich ihren Bedingungen aus. ihr Gewinn ist Geld. Viel Geld. Der sieggewohnte, kampfesfreudige Chuck Wells durchkreuzt die Pläne von ‚Mob‘. Noch weiß er nicht, dass es lebensgefährlich ist, seinen eigenen Kampf zu kämpfen. Runde umrunde zu gewinnen, wenn man als Verlierer eingesetzt wird. Für ‚Mob ‘gibt es nur eins: Wells muss ausgeschaltet werden. Aber die gezielt auf ihn gerichtete Kugel verwundet ihn nur schwer. Er überlebt, schwört Rache und gibt auch nicht auf, als seine Freundin entführt und vergewaltigt, sein Freund getötet wird. Zwei Freunde nehmen für ihn den Kampf auf Leben und Tod gegen das Mob-Syndikat auf… (Cargo Records)

Als Coltfighter 1982 herauskam, war die Blaxsploitation-Ära schon so gut wie vorbei. Während Blaxspoloitation und Grindhouse die Studios in den 70er Jahren trugen, änderten Der weiße Hai (Jaws, 1975) und insbesondere Krieg der Sterne (Star Wars, 1977) alles. Multiplexe tauchten auf, die Budgets wurden riesig und Filme, die sich an Nischenpublikum richteten, wurden verachtet. Anscheinend hatte Fred The Hammer Williamson kein Memo erhalten, weswegen er einen Semi-Blacksploitation-Film mit den Legenden des Genres ablieferte, als niemand mehr solche Filme machte, geschweige denn sehen wollte. Ein Film mit Jim Slaughter Brown, Jim Black Belt Jones Kelly, Richard Shaft Roundtree und Fred Black Caesar Williamson. Ein Film, der großartig hätte sein sollen und von Liebhabern des Genres verehrt werden sollte. Leider wurde nichts daraus. Doch Fred Williamson ist unser Mann, weswegen wir nicht zu hart mit ihm umspringen können.

One Down, Two to Go beginnt auf einer MMA-Veranstaltung, lange bevor Mixed Martial Arts hip wurde. Das Ding dabei ist, dass die Kämpfer im Ring ernsthaft versuchen sich gegenseitig fertig zu machen. In Wirklichkeit! Anscheinend hatte Hammer einen authentischen Wettbewerb mit Geld sanktioniert!? Wie auch immer, Chuck (Jim Kelly) ist Trainer eines Teams und besorgt darüber, dass seine Jungs in diesem Turnier verlieren, obwohl sie eigentlich besser sind, als ihre Gegner. Er und seine rechte Hand Ralph (Richard Roundtree) überprüfen die Sache und finden heraus, dass Whitey ein betrügerisches Spiel spielt. Whitey. Verdammter Whitey. Herr Rossi (Peter Dane) füllt die Handschuhe seiner Kämpfer mit Steinen auf, was illegal ist. Doch er ist gezwungen dies zu tun, weil er dem bösen Herrn Mario (Tom Signorelli) versichert hat, dass die $400.000, die er als Preisgeld angeboten hat, sicher sind und seine hohen Wetten durchkommen werden. Als Chuck hinter die dunklen Geschäfte von Rossi und Mario kommt, wird auf ihn geschossen.

Da Chuck nun angeschossen und einigermaßen schwer verletzt ist, muss sich Ralph um Whitey kümmern. Doch obwohl Ralph ein ziemlicher Bad-Ass ist, kann er nicht allein in ein Dutzend Whitey Ärsche treten. Nun liegt Ralph am Boden. Man denkt, er sei tot, aber man weiß es nicht. Dann wird Chucks Freundin Teri (Paula Sills) in der wohl lahmsten Vergewaltigungsszene, die jemals gedreht wurde, von der Whitey-Bande vergewaltigt. Man kann nicht sagen, ob es jemals eine großartige Vergewaltigungsszene gegeben hat, aber diese hier ist einfach schrecklich. Ralph und Chuck sind nun aus dem Weg geräumt, weswegen die Show jetzt von Cal (Williamson) und J (Jim Brown) übernommen wird, die gerade in der Stadt ankommen. Hierzu zeigt Regisseur Williamson einige Variationen der Limousinen, in denen sie für eine scheinbare Ewigkeit langsam umherfahren.

Cal und J kommen also in der Stadt an. J in einem viel zu engen Anzug und Cal in einem Einteiler (oder was auch immer das sein soll) der auch viel zu eng ist. Die Miete für die Limousinen war wohl auch zu hoch, weil Cal und J für den Rest des Films entweder zu Fuß unterwegs sind oder einen lausigen Mercury Zephyr fahren. Außerdem wohnen sie im Holiday Inn!? Das ist verdammt nochmal New York City und diese major players übernachten in einem Holiday Inn!? Wie enttäuschend! Unabhängig davon wissen Cal und J, dass Chuck vermisst wird, wobei der einzige Weg dessen Aufenthaltsort herauszufinden darin besteht, Whitey immer und immer wieder zu verprügeln und sich mit ihm zu schießen. Selbstverständlich darf auch der Sex mit der weißen Frau nicht fehlen, obwohl sich Schauspielerin Laura Loftus offenbar geweigert hat den Nacktheitsverzicht zu unterschreiben, da Williamson sie nur vom Kinn aufwärts gefilmt hat. Es muss 1982 ziemlich schwierig gewesen sein, Frauen zu finden, die sich in einem Film ausziehen und nackt zeigen!?

Ja, bei One Down, Two to Go handelt es sich um einen etwas enttäuschenden Film. Doch sollte es nicht One Down, Three to Go heissen? Roundtree bekommt in diesem Film sehr wenig Liebe geschenkt. Sicher, das Drehbuch ist bestenfalls als rudimentär zu bezeichnen und im schlimmsten Fall haben unsere Schauspieler nicht wirklich an einem Drehbuch gearbeitet, sondern während des Filmens enorm improvisiert. Weiterhin kann man sich dem Argument anschließen, dass Fred The Hammer Williamson bei der Regie dieser (schwarzen) Perle nicht seine beste Arbeit abgeliefert hat… oder man seinen Film Vegas Vampires (2007) gesehen und erkannt hat, dass Fred The Auteur Williamson einfach niemals besser gewesen ist. Wir würden das nie aussprechen, doch eine unhöfliche Person irgendwo da draußen könnte es. Der Film hat Probleme mit Logik und Struktur sowie mit dem Drehbuch und den Schauspielern. Fred soll bloß nicht glauben, wir hätten nicht bemerkt, dass Jim Kelly bereits zu Beginn des Films „auf die Bretter geschickt wird“, um die Notwendigkeit begrenzen zu können, ihn Zeilen rezitieren zu lassen. Im Wesentlichen war das dann auch Mr. Kellys letzter Streifen, obwohl er noch ein paar kleinere Rollen in Film und Fernsehen annahm (Ultimatum und Stranglehold, beide 1994) bevor er 2009 in dem direct-to-video Flic Afro Ninja mit James Black auftauchte, der eine Hommage an die Kampfkunstlegende Jim Kelly darstellt und auf einem äußerst erfolgreichen YouTube-Video basiert. Vier Jahre später verstarb Jim Kelly im Alter von 67 Jahren.

Trotz der langen Liste mit Problemen, die diesem Film als solide Unterhaltung im Wege stehen, spielen Kelly, Roundtree, Brown und Williamson mit, was in unserem Buch schon einiges wert ist. Naja, irgendwie tauchen sie in diesem Film zusammen auf. So irgendwie aber doch nicht richtig. Erst am Ende erscheinen alle vier dieser Superstars zusammen auf dem Bildschirm. Zwar war es 1982 schon nicht mehr cool Whitey zu töten, doch Fred Williamson bekam das Memo nicht und wir lieben ihn dafür. Wäre ihm bewusst gewesen, dass dies das letzte Mal sein sollte, dass diese vier Helden gleichzeitig zusammen auftreten, hätte er sich wahrscheinlich ein bisschen mehr Mühe gegeben. Aber wer hätte das schon wissen können?

Cargo Records bringt Coltfighter – Keiner entkommt Ihrer Rache auf DVD heraus. Allerdings kann die DVD auf technischem Gebiet nicht sonderlich überzeugen. Das Bild wird in 1,78:1 Format präsentiert und kann als brauchbar bezeichnet werden. Es macht den Anschein, als würde es sich hier um einen einigermaßen guten VHS-Rip handeln. Beim Ton (DD 2.0) stehen die deutsche und englische Spur zur Verfügung, die beide noch ok klingen. Untertitel können nicht zugeschaltet werden. Ein Wendecover ohne FSK Logo ist vorhanden. Letztendlich kann man bei diesem Produkt nur bedingt eine Kaufempfehlung aussprechen. Der Film ist zwar noch gut konsumierbar, doch die technische Qualität der DVD lässt eher zu wünschen übrig.

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Darsteller: Fred Williamson, Jim Brown, Jim Kelly, Richard Roundtree, Joe Spinell
Regisseur: Fred Williamson
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Region: Region 2
Bild: 16:9 – 1.77:1, PAL
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: CARGO Records DVD
Produktionsjahr: 1982
Spieldauer: 84 Minuten

Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Cargo Records zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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