Alien Predators

In der spanischen Kleinstadt Duarte erhoffen sich Michael, Damon und Samantha eine kurze Auszeit auf ihrer Reise nach Madrid. Doch die Idylle trügt. Schon kurz nach ihrer Ankunft wird das Trio von den seltsamen Dorfbewohnern attackiert. Auf der Suche nach Schutz treffen die Urlauber auf einen Weltraumforscher. Dieser erklärt ihnen, in welch grauenvoller Situation sie sich eigentlich befinden. Vor Jahren sind durch einen Zwischenfall Bakterien auf der Erde, in der Nähe von Duarte, gelandet. Jeder der sich damit infiziert, wird unweigerlich zu einem Wirt einer außerirdischen Lebensform. Ist man infiziert, dauert es nur wenige Stunden, bis der wachsende Parasit den Wirt in eine lebende Mordbestie verwandelt und ihn schließlich tötet, indem er aus ihm herausbricht. Die Lebensuhr tickt. (filmArt)

Alien Predators kann mit einem Wort beschrieben werden: Chaos. Angeblich ein Alien-Film (offensichtlich bei dem Titel), bei dem jedoch keine Aliens zu sehen sind, jedenfalls nicht bis zum Ende des Films, wenn ein kitschiger Klumpen mit Reißzähnen eine Windschutzscheibe angreift. Es tauchen auch keine nennenswerten Prädatoren auf, obwohl die Aliens, die ab und zu erwähnt werden, eigentlich bedrohlich sein sollen. Auf der anderen Seite ähnelt die Bedrohung eher einem Virus, wobei die Menschen und Tiere, die angegriffen werden, alle so aussehen, als ob irgendetwas nicht mit ihnen stimmt. Eine „angegriffene“ Kuh zum Beispiel, scheint wirklich schlimme Nesselsucht und Furunkel zu entwickeln, während sich eine spanische Kellnerin (Alien Predators spielt unerklärlicherweise in Spanien – wahrscheinlich, weil es dort günstiger gewesen sein muss, zu drehen) in einen lächerlich lustigen, bösen „Haarband“-Leadsänger der 80er Jahre verwandelt, der zufällig auch ein Zombie ist. Eine weitere Instanziierung des außerirdischen Prädatoren ist ein stummer Perverser, der die Maske aus Communion – Messe des Grauens (1976) trägt und im Supermarkt herumsteht.

Die Handlung, so kompliziert sie auch sein mag, sieht ungefähr so aus: Während sich Skylab im Orbit befand, wurden Experimente mit biologischen Organismen durchgeführt, die während einer Apollo-Mission auf dem Mond gefunden wurden. Anscheinend sind die Organismen aus ihrer Ruhephase aufgewacht, weswegen Skylab aus der Umlaufbahn geriet und in Spanien abstürzte. Später fahren drei unglaublich doofe kalifornische Jugendliche mit einem Wohnmobil, das einem Dünenbuggy folgt, quer durch Europa – selbstverständlich fahren sie zur falschen Zeit durch das falsche Gebiet Spaniens. Sie treffen auf die lächerliche Kellnerin sowie andere seltsame Menschen. Eines Tages, als sich das doofe Teenager-Mädchen auf dem Rückweg vom Einkaufen befindet, wird sie vom schlimmsten Schauspieler, den man jemals gesehen hat (ein NASA-Wissenschaftler und ja, sogar noch schlimmer als Mike Raven aus Das Monster mit der Teufelsklaue) in ihrem Dünenbuggy entführt. Er bringt sie zu einem billigen Hotel, wo er versucht, eine Notoperation selbst durchzuführen. Dort erklärt er, dass die Außerirdischen in ihre Gastgeber eindringen, um deren DNA wie ein Buffet zu genießen und alle Eigenschaften des Opfers annehmen, die sie gebrauchen können. Angeblich werden diese dadurch zu psychotischen Mördern. Basierend auf dem Film handelt es sich jedoch um psychotische Mörder, die gerne außer Sichtweite bleiben, da in einer kleinen Stadt, in der jeder „infiziert“ sein soll, im gesamten Film nur zwei der Bewohner zu sehen sind. Diese Beschreibung stellt bis hier hin nur den Anfang der Handlung dar. Es gibt Romantik, Horror, Action, SciFi und mindestens eine unerklärliche Handlungsentwicklung pro Szene zu bestaunen. Einiges an Dialog versucht offensichtlich auf eine niedliche Art und Weise lustig zu sein, doch nichts davon ist irgendwie lustig. Viele Dialoge, die Vorstellung des NASA-Wissenschaftlers und viele Handlungsentwicklungen sowie die Hintergrundgeschichte sollen ernst angelegt sein, erweisen sich in Wirklichkeit allerdings als urkomisch.

Ein paar Szenen gestalten sich jedoch tatsächlich beängstigend, während einige weitere Sequenzen sogar als stilistisch gut gelungen bezeichnet werden können, mag man es nun glauben oder nicht. Selbst einige großartige Szenen des Gore gibt es zu bestaunen, vor allem den Kuhkadaver, der in der Eröffnungssequenz von wilden Hunden angegriffen wird. Dies deutet darauf hin, dass Alien Predators eigentlich ein guter-guter Film hätte sein können und kein guter-schlechter Film. Anscheinend hatten die Macher nicht genügend Geld zur Verfügung, um einen guten Film daraus zu machen. Sie hatten nicht einmal genug Geld, um nach einer Neufassung des Drehbuchs zu fragen, damit es nach einer Überarbeitung überhaupt Sinn ergibt. Hätte man sich doch bloß Notizen gemacht, um auch wirklich alle hirnverbrannten Dinge erwähnen zu können, die in diesem Film passieren. Beispielsweise fährt ein Protagonist während einer Verfolgungsjagd auf einem öffentlichen Platz im Kreis, um seinen Verfolger abzuschütteln. Gelegentlich taucht ein ominöses Fahrzeug im Mad Max Stil auf, das versucht, Menschen zu jagen und zu vernichten – obwohl es so aussieht, als würde es mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h fahren.

In einer anderen „brillanten“ Szene verliert der „Held“ seine Taschenlampe. Als er sie wiederfindet, schaltet er sie in vertikaler Position ein, wobei das Licht unter seinem Kinn auf die Oberseite seines Kopfes scheint, was ihn erschreckt. Es gibt noch Unmengen von solchen Szenen, die man auflisten könnte, hätte man sich doch bloß Notizen gemacht. Hier muss nun unbedingt eine Empfehlung ausgesprochen werden, denn Alien Predators könnte gut und gerne als Hauptnahrungsmittel für Liebhaber von Ultra-Trash-Filmen bezeichnet werden. Sollte man sehr gerne, sehr schlechte Filme sehen, darf man Alien Predators auf gar keinen Fall verpassen!

filmArt bringt Alien Predators auf BluRay heraus, wobei sich mit der Präsentation viel Mühe gegeben wurde (soweit es eben ging). Die technischen Daten wissen auch zu überzeugen, befinden sie sich doch auf recht hohem Niveau. Der Film ist bestimmt nicht jedermanns Sache aber Freunde des gepflegten Trashs sollten dem Streifen unbedingt eine Chance geben. Wer hier einen gruseligen und exzellent in Szene gesetzten Horrorfilm mit vorzüglichen Effekten erwartet wird allerdings bitter enttäuscht werden.

Bonusmaterial:
Kinotrailer / Wendecover ohne FSK-Logo

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Darsteller: Dennis Christopher, Martin Hewitt, Lynn-Holly Johnson, Luis Prendes, J.O. Bosso
Regisseur(e): Deran Sarafian
Sprache: Deutsch (Stereo), Englisch (Stereo)
Untertitel: Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: filmArt
Produktionsjahr: 1986
Spieldauer: 90 Minuten

Leider war es uns nicht möglich screenshots anzufertigen. Die Qualität der hier verwendeten Bilder hat selbstverständlich nichts mit der Qualität der BluRay gemein.

Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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