Das Schreckenshaus des Dr. Death / Madhouse

Paul Toombes (Vincent Price) ist ein gefeierter Horrorfilmstar, der durch seine Horrorfigur Dr. Death große Berühmtheit erlangte. Doch als seine Verlobte brutal ermordet wird, ist es mit Pauls Karriere vorbei – er verliert den Verstand. Als dringend Tatverdächtiger zweifelt er sogar selbst an seiner Unschuld. Nach Jahren in der Psychiatrie erhält er eine zweite Chance als Star einer TV-Serie, die auf seinen alten Dr.-Death-Filmen basiert. Doch wieder geschehen grausame Morde und sie alle tragen die Handschrift des Dr. Death … (Wicked-Vision)

Vor ungefähr zwölf Jahren beherrschte der Schauspieler Paul Toombes (Vincent Price) alle Rollen, die er auf dem Gebiet des Horrorfilms gespielt hatte. Er wurde weltweit als der beste Vertreter des Genres anerkannt, insbesondere aufgrund seines berühmtesten Charakters Doctor Death. An einem Silvesterabend auf einer Party in seiner Villa lief für ihn im wirklichen Leben jedoch alles schrecklich schief, als er, nachdem er den Gästen einen seiner Filme gezeigt hatte, seine Verlobung mit Ellen (Julie Crosthwaite) bekannt gab. Nur wenige Minuten später trat Produzent Oliver Quayle (Robert Quarry) an das Paar heran und informierte Paul, dass er Ellen zu ihrem großen Durchbruch verholfen hatte – in der Pornografie…

Wenn das nicht schon schlimm genug wäre, doch nachdem Toombes die Beherrschung verloren hatte, besuchte er Ellen in ihrem Zimmer, um sich zu entschuldigen, nur um herauszufinden, dass ihr jemand den Kopf abgeschnitten hat. Seitdem steht die Frage im Raum: Hat er diese hinterhältige Tat begangen oder war jemand anders hinter ihr her? Oder ihm? Diese Eröffnung, voller Bissigkeit und säuerlichem Humor, gibt den Ton für Das Schreckenshaus des Dr. Death vor, wobei sich der Ort des Titels anscheinend auf die Welt des Filmemachens bezieht, was diesen zu einem weiteren Film macht, der nicht nur gemischte Gefühle über den Beruf hervorrufen möchte, sondern ihn aktiv als Verachtenswert porträtiert. Bezeichnenderweise stellt dieser Film einen der letzten Streifen mit Vincent Price und Peter Cushing im Horrorzyklus dar, die sich dort ja bekanntlich ihren Namen machten.

Obwohl es viel Spaß macht und es enorm amüsant ist Vincent Price hier durch seine Routinen gehen zu sehen, kann man dennoch nicht behaupten, dass dies einen seiner Karrierehöhepunkte repräsentiert, selbst wenn er, offen gesagt, in zu wenigen Szenen neben Peter Cushing auftreten darf. Wobei Cushing den Drehbuchautor spielt, der den Doctor Death Charakter erfunden hat (Prices Make-up ist wirklich spitze; sein rosa Pyjama allerdings nicht so toll). In einem Film voller Insider-Witze ist einer der besten, dass Cushing auf einer Kostümparty in Dracula-Gestalt zu sehen ist: seltsam schrill, jedoch trotzdem interessant.

Wie auch immer, nach zwölf Jahren Bildschirmabstinenz, dank eines Nervenzusammenbruchs, der verständlicherweise durch seinen damaligen Schock verursacht wurde (und weil niemand wegen Mordes verhaftet wurde) willigt Toombes ein, als seine berühmteste Figur für eine Fernsehserie unter der Leitung von Quayle (der sich in der Zwischenzeit auf respektable Art und Weise einen Namen gemacht hat) zurückzukehren. Obwohl Toombes nicht mit der Publicity zurechtkommt – und dem zu leidenschaftlichen Fan Linda Hayden, die hinter ihm her ist – glaubt er, dass sich die Sache für ihn kathartisch gestalten wird. Sobald die Arbeit an der neuen Serie beginnt, beginnen auch die Morde, da die Nebendarsteller in ihrer kollektiven Blütezeit von einem Verrückten mit Totenkopfmaske dezimiert werden und man sich nun fragt, wer denn eigentlich der Schuldige sein könnte.

Tja und dieses Problem hat selbst nach dem Ende des Films noch Bestand, da so viele „rote Heringe“ bereitgestellt werden, so dass man sich noch immer nicht ganz sicher sein kann, was eigentlich passiert ist. Was nicht unbedingt als negativ gewertet werden sollte. Es werden Fragen aufgeworfen, warum ein Mordopfer durch einen exakten Replik-Dummy ersetzt wurde? Anscheinend aus keinem anderen Grund als Prices House of Wax (Das Kabinett des Professor Bondi, 1953) Tribut zu zollen!? Diese Frage repräsentiert nicht das einzige lose Ende eines Drehbuchs, das sich noch während der Dreharbeiten in der Schreibphase befand, oder wie sollte man sich ansonsten erklären können, dass die Identität des Mörders so willkürlich angelegt wurde? Als britische Koproduktion zwischen Amicus und A.I.P. hätte dieser Streifen eigentlich das Beste von beiden Seiten des atlantischen Ozeans bezüglich der Horror-Traditionen zusammenbringen sollen, versorgt das Publikum jedoch lediglich mit einer Mischung aus set-pieces, ähnlich den Dr. Phibes Filmen. Im Wesentlichen werden dem Publikum viele verschiedene Tötungsmethoden vorgestellt – kombiniert mit einem merkwürdig gereizten Blick auf das Showgeschäft. Insgesamt handelt es sich bei Das Schreckenshaus des Dr. Death um keinen perfekten Horrorfilm, allerdings um einen sehr unterhaltsamen Streifen (trotz, oder gerade wegen der vielen verschiedenen falschen Fährten, man ist ständig am Rätseln und Abwegen). Vincent Price und Peter Cushing geben zu diesem sehr späten Zeitpunkt in ihren jeweiligen Karrieren zwar keine absolut brillanten Vorstellungen mehr ab, es bereitet jedoch trotzdem eine Menge Spaß den beiden Genre-Veteranen bei ihrer noch immer begeisterungswürdigen Arbeit zuzusehen. Alle weiteren Schauspieler machen ihre Sache ebenfalls sehr gut, vor allem Adrienne Corri, als Cushings mehr als bemitleidenswerte Ehefrau. Ein Highlight des Films: Vincent Price singt das Lied When Day is Done höchst selbst! Ein Downlight des Films: Die in einigen Sequenzen eingesetzten Gummispinnen machen denen aus Lucio Fulcis …E tu vivrai nel terrore! L’aldilà (Über dem Jenseits, 1981) ordentlich Konkurrenz. Allerdings nicht bezüglich des Gore-Faktors.

Wicked-Vision veröffentlicht Das Schreckenshaus des Dr. Death als Nummer 40 ihrer Collector’s Edition im Mediabook (BluRay und DVD), mit drei verschiedenen Cover-Motiven, die jeweils limitiert sind. Bild (1,78:1 /1080p) und Ton (Deutsch + Englisch DTS-HD Master Audio 2.0 / Dolby Digital 2.0) bewegen sich auf recht zufriedenstellendem Niveau, da kann man sich kaum beschweren. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden. Insgesamt handelt es sich bei Das Schreckenshaus des Dr. Death wieder einmal um eine äußerst gelungene Mediabook-Edition mit nettem Bonusmaterial, die bei Liebhabern und Freunden von Gothic-Horror Filmen und/oder Fans von Vincent Price bzw. Peter Cushing enorm gut ankommen sollte.

Extras:
24-seitiges Booklet mit einem Essay von Dr. Rolf Giesen; Neuer Audiokommentar mit David Del Valle und Autor/Produzent Phoef Sutton aus dem Jahr 2019; Making-of: „Revenge of Dr. Death“; Deutscher Trailer; Originaltrailer; Deutscher Trailer (Re-Cut zensiert); Deutscher Trailer (Re-Cut unzensiert); Originaltrailer (Re-Cut zensiert); Originaltrailer (Re-Cut unzensiert); Bildergalerie

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.77:1, 16:9 – 1.78:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : Clark, Jim, Clark, James B.
  • Laufzeit : 1 Stunde und 32 Minuten
  • Darsteller : Price, Vincent, Cushing, Peter, Quarry, Robert, Hayden, Linda, Corri, Adrienne
  • Untertitel: : Deutsch
  • Studio : Wicked Vision Distribution GmbH

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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