Ip Man 4 – The Finale

Ip Man 4

Wing-Chun Großmeister Ip Man kommt nach San Francisco um eine Schule für seinen Sohn zu finden und seinem Schüler Bruce Lee zu unterstützen. Dessen ungewöhnlichen Lehrmethoden sorgen für Anfeindungen von chinesischen und westlichen Martial Arts-Kämpfern. Besonders brutal geht dabei ein amerikanischer Marineoffizier vor, der die Auseinandersetzungen auf einen unausweichlichen Clash der Kampfkunst-Disziplinen zuspitzt: Welche Martial Arts-Form ist die überlegene? Welche Nation kann den Sieg davontragen?

Koch Films

Handlung

Achtung Spoiler! Der vierte Teil der Saga um Meister Ip führt uns von Hong Kong ins San Franciso der 60er. Ip Man (Donnie Yen) hat Krebs und sorgt sich um sein Erbe. Sein ambitionsloser Sohn Jin (He Ye) hat Ärger in der Schule. Wie passend, dass Man ein Schreiben seines alten Schülers Bruce Lee (Danny Chan) erhält, der ihn nach San Francisco einladen möchte, wo er bei dem heute legendären Karate Turnier 1964 antritt (man findet bei YouTube ein schlechtes Video des echten Bruce auf diesem Event). Meister Ip entschließt sich nach anfänglichem Zögern, die Reise anzutreten um in den USA nach einer guten Schule für Jin ausschau zu halten. Sein Bekannter Bob (Kent Cheng) soll währenddessen auf Jin aufpassen. Als erstes muss er der CBP (vereinfacht gesagt die chinesische Industrie- und Handelskammer) einen Besuch abstatten, von denen Jin als Immigrant ein Bürgschaftsschreiben bräuchte, um überhaupt auf eine gute Schule zu können. Das CBP, geführt von dem Vorsitzenden Wan (Yue Wu), seineszeichen Tai Chi Meister, treibt eine andere Sorge um und schlägt einen Deal vor: Man soll seinen alten Schüler Bruce maßregeln, der sich nicht an die lokalen Gepflogenheiten hält, Kung Fu nicht an Nicht-Chinesen zu vermitteln, und Wan stellt dafür das Schreiben aus. Meister Ip aber stellt sich hinter Lee, und macht sich den Verband zum Feind. Während Man mit seinen Freunden weiter versucht, an ein Empfehlungsschreiben zu kommen, lernt er auch den chinesischstämmigen Staff Sergeant Hartman (Vanness Wu) kennen, der bei den US Marines die Kung Fu Künste als Nachkampfausbildung einführen möchte – gegen alle kulturellen Widerstände. Vor allem der fiese Ausbilder Barton Geddes (Scott Adkins) drangsaliert ihn. Als Hartmann seine Nummer 2 Colin (Chris Collins) nicht besiegen kann, scheint seine Überzeugungsarbeit vorbei.

Die beiden Schicksale überschneiden sich, als Meister Ip die Tochter von Wan vor den Schikanen einer Schülergruppe rettet. Die weißen Eltern des eigentlich schuldigen Mädchens sind über deren Veilchen durch die Hände einer chinesischen Mitschülerin erbost, und ihr Vater, der bei der Immigrationsbehörde arbeitet, zieht los um Wan zu verhaften und die ganze CBA hochzunehmen. Auf einem Herbstfest demonstrieren Colin und seine Jungs ganz Chinatown, wie sie die alten Meister besiegen, erst Mans Auftritt macht Colins Machtdemonstration ein Ende. Geddes ist ebenfalls auf dem Weg zur CBA und kriegt raus dass Wan bei der Einwanderungsbehörde festsitzt. Man konnte die CBA Leute gerade noch warnen, die sich dann in die Schule von Bruce Lee flüchten, während ein korrupter Beamter Wan an Geddes aushändigt, der ihn auf dem Armeegelände in einem Turnier besiegt. Meister Ip fährt zu den US Marines, besiegt Geddes, verträgt sich mit Wan, fliegt zurück nach Hong Kong um sich mit seinem Sohn zu verstehen und der Film endet mit einer billigen Montage. Der Rest ist, wie man sagt, Geschichte.

Kritik

Ich habe freiwillig einen Film mit Scott Adkins gesehen! Im Ernst, an dem Film gibt es zunächst mal viel auszusetzen, wozu ich gleich komme, vorneweg aber wird jeder Fan von modernen Martial Arts Filmen natürlich auf die Kosten kommen, auch wenn man von der Sorte Film schon Besseres gesehen hat. Für den vierten Ip Man Film fährt der Regisseur nochmal vieles an Produktionsqualität auf, was bereits die Vorgänger von diversen anderen Biografien des Großmeisters abgehoben hat: große Budgets machen große Filme. Allerdings war auch das schon bei den letzten Filmen dennoch keine Abkehr von der Mainstream-Zielgruppe. Auch ein anderer Großmeister hatte sich nämlich schon mal mit großem Budget an diese Geschichte über den Großmeister gemacht: Wong Kar-Wai drehte 2013 The Grandmaster, seine eigene Interpretation eines Ip Man Films. Soviel zur kleinen Exkursion.

Was an dem Film etwas schwer im Magen liegt ist vor allem, dass er erneut die bekannte Bruce Lee Geschichte erzählt, aber plöztlich Meister Ip zur zentralen Figur wird, während er in anderen semi-fiktionalen Biografien, wie z.B. der Verfilmung Dragon – The Bruce Lee Story aus den 90ern, noch nicht mal vorkommt. Ich habe leider selbst nicht genug über Bruce Lees oder Ip Mans Leben gelesen, aber oberflächliche Recherche reicht um zu erfahren, dass man sich hier natürlich auch viele Freiheiten genommen hat, vielliecht sogar etwas zu viel, um den Superstar-Status von Ip Man im Kontext des kulturellen Einschlags von Bruce Lee nachhaltiger zu verankern. Böse Zungen mögen dahinter eine politische Strategie Chinas vermuten, das chinesische am Erbe Bruce Lees stärker in den Augen der Öffentlichkeit zu prägen (so weit ist das nicht hergeholt), vielleicht ist aber auch einfach nur ein bedeutungsloser Actionfilm. Allerdings hätte man sich von einem Film wie diesem etwas mehr Genauigkeit wünschen können, wo doch die chinesischen Zensoren so penibel auf die Darstellung Lees in Tarantinos letztem Film reagiert hatten, der mit nichten vorgibt ein Historienfilm zu sein. Man sollte Ip Man 4, genausowenig wie seine Vorgänger, also für ganz voll nehmen und für Geschichtswissen lieber ein Buch oder eine gute Dokumentation konsultieren.

Das zweite, damit ein wenig zusammenhängende Manko des Films sind der dick aufgetragene Pathos und der latente Rassismus des Films. Man könnte natürlich sagen, prima, jetzt weiß das westliche Publikum mal wie sich bei sonstigen stereotypsichen Hollywood-Produktionen das asiatische Publikum gefühlt hat. Touché, aber ich find ein Auge-um-Auge ist nicht der richtige Weg, diese wichtigen Geschichten dem Kinopublikum zugänglich zu machen. Ich finde hier wird teilweise zu amateurhaft und fast schon wie in einem schlechten Sketch mit der Darstellung von Schwarzen, aber auch (stereo)typischen Amerikanern, umgegangen. Während der Film also zu Recht und historisch gesehen völlig plausibel den ungerechten Umgang mit den chinesischen Immigranten anprangert und den Amis den Spiegel vorhält, macht der Film in vielerlei Hinsicht die gleichen Fehler – und steht damit in der Tat ein wenig repräsentativ für die aktuelle chinesische Politik, die manchmal etwas zu tollpatschig und auf Teufel komm raus am Wiederaufbau ihrer nationalen Größe in Kunst und Kultur arbeiten und dabei mangels politischer Offenheit nicht kritisch mit der eigenen Vergangenheit oder ihrem Rassismus umgehen können.

Wie dem auch sei, eine vollumfängliche soziopolitische Einordnung kann ich nicht vornehmen, man darf das aber nicht ausblenden, das währe auf Seiten einer Filmkritik aber auch seitens der Zuschauer, fahrlässig. Kommen wir zum Wichtigsten: den Fights. Die waren in den letzten Ip Man Filmen meist beeindruckende, gut choreographierte Kunststücke die mit einem kleinen Maß an Computereffekten auskamen und Ip Mans Ruf zementierten ohne dass dieser viel reden musste. Allerdings portraitierte Donnie Yen in den Vorgängern eine deutlich charismatischere Figur als im vierten Teil, in dem er fast schon ausdruckslos durch die Gegend spaziert und ein paar Handgemenge für sich entscheidet. Kurzum, ich bin hier etwas entäuscht. Dazu trägt auch die insgesamt etwas schlechte Synchro (ich rede von der chinesischen immerhin) und das Over-Acting bei, ganz zu schweigen von der für aktuelle chinesische Produktionen leider üblichen Retorten-Musik, der überbelichteten aufwändigen Kulissen und den nicht gerade moderat eingesetzen Computerffekten.

Was die Vorgängerfilme eben so interssant machte, war mehr der historische Aspekt, weniger der Martial Arts Aspekt, der hier bei Ip Man 4 in den Vordergrund rückt, auch wenn eine etwas dick aufgetragene Geschichte um einen Kultur-Clash als Kulisse dafür dienen soll (ich finde: mehr schlecht als recht, und zu überfrachtet, vor allem der Teil mit dem Militär). Der Gang nach Amerika ist eine billige Ausrede für einen weiteren Film über Meister Ip, über den man so viel mehr erzählen hätte können, als diese etwas flache Macho-Story, wer in San Francisco nun damals angeblich die dickere Hose anhatte. Nach vier Filmen wissen wir leider noch zu wenig – also als Kinozuschauer – über Mans Philosophie und Technik, sein tatsächliches Verhältnis zu Bruce (warum hat man den Film nicht gleich darauf fokussiert, der Auftritt von Bruce verkommt hier zum Werbegag für den Film) oder sein politisches oder wirtschaftliches Wirken. Was gut ist, ist der Versuch hier nochmal ein ganz großes Finale anzubieten für eine Filmreihe, die mehr als alles was davor kam erreicht hat, eine doch außerhalb der Fachwelt unbekannte Figur bekannt zu machen. Leider bleibt ein fader Nebengeschmack, dass man dahinter auch unterstellen könnte, es geschähe im Dienste der Propaganda. Diese Kritik kann der Film leider nicht entkräften, da er auf Ebene der Handwerkskunst – und der Kampfkunst – leider auch bei weitem nicht so viel bieten kann wie erhofft.

Mein Fazit: Ein sehenswertes Finale der Filmreihe, das gut zum sonstigen pop-kulturellen Erbe Meister Ips passt, aber definitiv nicht als Ersatz für eine fachlich-historische Auseinandersetzung herhält.

Die BluRay

Die BluRay erscheint im Vertrieb von Koch Films (alternativ auch im Steelbook) und bietet sehr gute Bildqualität ist, wenn auch nicht Referenzqualität. Das Bild leidet ein wenig an Überbelichtigung (ob künstlich oder aus dem PC ist egal), das stemmt das HD Bild nicht ganz, könnte aber evtl. auf einem HDR-fähigen Gerät von einer 4K UHD abgespielt anders aussehen (die gibt es hier bei Amazon). Insgesamt sind Kontrast, Schärfe und Farben aber sehr sehr gut. Der Ton (chinesische Spur getestet – es gibt deutsche, aber leider keine englische Untertitel) klingt solide, überzeugt aber nur begrenzt. Viel Raumklang bekommt man nicht geboten und auch das etwas mittendrin/nahe Gefühl aus den Vorgängerfilmen ist etwas weniger präsent. Insgesamt klingt das aber in Ordnung.

In Sachen Extras gibt es den Trailer, eine Bildergalerie und ein 2-minütiges „10 year special“. Dazu gesellen sich ein weiteres 2-minütiges Making-Of, ein Feature zur Geschichte (ebenfalls. 2min) – alles eher Werbung. Auch die „Einladungen“ ins Kino zu gehen von Donnie und Herrn Adkins, bieten keinen wirklichen Mehrwert. Insgesamt keine tollen Extras, vor allem keine mit Substanz. Man hätte durchaus eine drichtige Doku über Ip Man auftreiben können oder längere Featurettes über die Fight Choreographie und so weiter.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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