Der Bastard / The Human Tornado

Pimp Dolomite ist in Partylaune. In seiner Villa geht es richtig zur Sache, bis ein Team rassistischer Polizisten dem Spaß ein Ende macht. Besonders unglücklich ist, dass Dolomite gerade mit der Frau des Sheriffs im Bett liegt. Und dann taucht da noch das Problem mit den gekidnappten Mädels von Pimp-Kollegin Queen Bee auf. Dolomite hat alle Hände voll zu tun! (Endless Classics)

Dolemite (Rudy Ray Moore) ist ein Nachtclub-Komiker mit Kung-Fu-Skills und einem Ruf als Frauenheld. Sein Auftreten kommt bei den Zuschauern, die ihn jeden Abend sehen wollen, sehr gut an, obgleich seiner Tendenz das Publikum zugunsten von Lachern zu beleidigen (oder vielleicht gerade deswegen!?). Abseits der Bühne feiert er sehr gerne Partys, doch unglücklicherweise werden er und seine „schwarzen“ Freunde von ein paar rassistischen Hinterwäldlern dabei „erwischt“, wie sie eine Menge Spaß haben, worauf die Hillbillies beschließen die Polizei zu rufen, obwohl niemand das Gesetz gebrochen hat. Daraufhin rückt der Sheriff (J.B. Baron) mit seiner schießwütigen Truppe an, die sofort beginnt Ärger zu machen. Der bigotte Sheriff versucht unterdessen eine der jungen Frauen zu vergewaltigen, bis sie ihm ihr Knie in den Schritt rammt. Doch dann erkennt er Dolemite…

Oder besser gesagt, er ertappt Dolemite im Bett mit seiner Frau, die sich gerade ausgiebig miteinander vergnügen. In der allgemeinen Verwirrung bläst einer der Deputies die Frau des Sheriffs mit seiner Schrotflinte weg, während unser Held es schafft nackt aus dem Haus zu flüchten, indem er einen Hügel hinunterrollt, woraufhin … nun, man kann es sich schon vorstellen. Der Film präsentiert sich sehr ereignisreich, was sich bis zum Chaos hin entwickelt und stellt für viele Moore Fans einen besseren Streifen dar, als der Originale Dolemite aus dem Vorjahr. Der war allerdings beim afroamerikanischen Publikum populär genug gewesen, um die Nachfrage zu dieser Emulation zu generieren. Man merkt deutlich, dass hier mehr Geld investiert worden ist, gleichzeitig aber auch, dass sich das Budget nicht gerade auf Blockbuster-Niveau bewegte, da Der Bastard noch immer ziemlich billig aussieht.

Nenne man es doch am besten lächerlich billig und gleichzeitig ausgelassen fröhlich, denn obwohl der Streifen angeblich eine Komödie sein soll, präsentiert er sich oftmals eher aus unbeabsichtigten, denn aus beabsichtigten Gründen als witzig oder lustig. Moore hatte eine besondere Eigenschaft, die seine Filme als etwas Besonderes auszeichnen, nämlich sein absolutes Vertrauen in sich selbst und sein Material. Nicht viele Filmstars hätten den Mut gehabt in Sex- oder Nacktszenen mitzuspielen, da er die Verfolgungsjagd unbekleidet bestreitet. Warum Rudy Ray glaubte, man würde ihn so sehen wollen, war wohl nur ihm selbst bekannt, denn als Adonis kann man ihn beileibe nicht bezeichnen. Da er die Figur des Dolemite jedoch personifiziert wie kein anderer, muss man seinen Wagemut schon zwangsweise bewundern. Von Zeit zu Zeit kreiert er sogar wirklich urkomische Zeilen oder erfindet tatsächlich Gags mit höchst amüsanter Wirkung.

Die Handlung spielt kaum eine Rolle, denn die ist lediglich dazu da, um Witze, Action und nackte Frauen auf die Leinwand zu bringen. Sollte man sich allerdings doch für den Plot interessieren, so fliehen Dolemite und seine Freunde (einschließlich des zukünftigen Ghostbuster Ernie Hudson) nach Kalifornien (obwohl sie sich sowieso bereits in Kalifornien befinden), weil der heimtückische Sheriff fälschlicherweise behauptet, Dolemite habe seine Ehefrau ermordet und ihm deshalb nachjagt. Das Grüppchen gelangt an sein Ziel, indem es das Auto eines homosexuellen Gentlemans entführt, der sich über das Arrangement enorm erfreut zeigt. Er wollte schon immer mal nach Kalifornien und trotz seines stereotypen Charakters scheinen die anderen Männer ihm gegenüber nicht negativ eingestellt zu sein, sobald sie einige Zeit in seiner Gesellschaft verbracht haben.

Als sie ihr Ziel Los Angeles erreichen, gibt es gleich noch mehr Ärger mit Mafia-Chef Cavaletti (Herb Graham), der den Nachtclub von Dolemites Pimp-Kollegin Queen Bee bedroht. Ach ja, Calvetti ist selbstverständlich genauso rassistisch wie der Sheriff sowie dessen Konsorten und „weißer“ Hautfarbe (ein eindeutiger Trend unter den Bösewichten), obwohl es auch einen Polizeikapitän gibt, der den Sheriff durchschaut und ihm sagt, wohin er gehen soll. Oh, und das hier überwiegend Nachtclubs besucht werden, scheint auf Moores Wunsch zurückzuführen zu sein, seine Kumpels aus diesem Geschäftsbereich in seinen Film zu integrieren. Ob die allerdings glücklich über ihre jeweils etwa fünfzehn Sekunden Leinwandzeit waren, steht wohl auf einem ganz anderen Blatt. Doch es sind die Details und die set-pieces, die The Human Tornado zu dem machen, was er ist. Neben profanen Dialogen und tragischer 70er-Jahre-Mode (all diese Overalls!) bietet der Streifen nämlich einige wirklich bizarre Szenen. Von halbnackten Nutten, die von einer Frau gefoltert werden, die ein grotesk böses Hexen-Make-up trägt, das direkt aus H.R. Pufnstuf zu stammen scheint, über Dolemite, der den Aufenthaltsort von entführten Prostituierten aus der tagträumenden Frau des Mafiosi „herausrangelt“ und dabei ihr Schlafzimmer mit seiner Potenzkraft komplett zerstört (er ist eben ein menschlicher Tornado, you dig!?). Die verschiedenen Martial-Arts-Sequenzen werden schneller abgespielt (um den Mangel an Choreografie zu vertuschen) und ähneln dadurch weniger Enter the Dragon als vielmehr The Benny Hill Show… Letztendlich repräsentiert Der Bastard ein Fest für Augen und Ohren. Man kann den Film ehrlich gesagt nicht als gut, doch mit absoluter Sicherheit als enorm unterhaltsam bezeichnen. Zusammenhanglos, pervers und surreal stellt The Human Tornado einen Blaxploitation-Flick auf LSD dar.

Darsteller: Rudy Ray Moore, Lady Reed, Jimmy Lynch
Regisseur(e): Cliff Roquemore
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Mono), Englisch (Mono)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Alive – Vertrieb und Marketing/Endless Classics
Produktionsjahr: 1976
Spieldauer: 96 Minuten

Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Alive! zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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