I vizi morbosi di una governante / Gli occhi verdi della morte / Crazy Desires of a Murderer

Gräfin Ileana (Isabelle Marchall) ist gerade in das alte Schloss ihrer Familie zurückgekehrt, in dem ihr gelähmter Vater und ihr scheinbar hellseherischer sowie seltsamer jüngerer Bruder (mit einem ungesunden Interesse an Tierpräparationen) wohnen. Fast unmittelbar nach ihrer Ankunft wird eine Freundin von Ileana auf schockierende Art und Weise ermordet, wobei ihr die Augen aus ihren Augenhöhlen geschnitten wurden. Während der Verdacht auf Ileanas Bruder fällt, beginnt ein neugieriger Polizeiinspektor (Corrado Gaipa) Nachforschungen anzustellen und glaubt, dass mehr hinter den Morden steckt, als man erwarten könnte. Seine Investigationen sind diesem Verrückten jedoch nicht gewachsen, da die Zahl der Leichen stetig ansteigt…

Crazy Desires of a Murderer erscheint wie ein altmodisches Stück Hokum … und das aus gutem Grund. Der Film wurde bereits 1973 produziert und fand sich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Produktionsfirma zunächst einmal im Regal wieder, bevor er 1977 doch noch veröffentlicht wurde. Crazy Desires of a Murderer stellt so etwas wie einen Rückfall in die Gialli der späten 60er und frühen 70er Jahre dar, mit seiner düsteren Burgkulisse sowie einer Besetzung von Charakteren, die alle miteinander ins Bett hüpfen. Tatsächlich grenzt die Betonung auf sexuelle Spielereien an Softsexfilmchen und antizipiert in dieser Hinsicht den Trend hin zu grafischeren Sex-Thrillern in den kommenden Jahren. Die lächerliche Geschichte bietet nur wenig an Überraschungen, obwohl es immer als eine Freude zu bezeichnen ist, einen Polizeiinspektor in den Fall involviert zu sehen, der ein bisschen Charme und Intellekt durchscheinen lässt. Darüber hinaus bewegt sich der Film jedoch von einer überaus ausgedehnten Sexszene zur nächsten, wobei die seltsamen Mordfälle noch irgendwie zusätzlich in die Vorgänge hineingemischt werden.

Die Vorgehensweise des Mörders erstreckt sich darauf, seinen Opfern die Augen herauszuschneiden, was zu einigen grausamen Bildern führt. Die plumpe prothetische Arbeit wird zwar durch den schlaffen Schnitt kompromittiert, allerdings erweist es sich dennoch als eine Erleichterung tatsächlich einige Giallo-Elemente präsentiert zu bekommen, nachdem sich der Eröffnungsakt schon eine Ewigkeit lang hingezogen hat. Die Produktionswerte sind beinahe als nicht erwähnenswert zu bezeichnen. Es handelt sich um einen billig produzierten Film und so sieht er auch aus. Gino Santinis Beleuchtung mangelt es an Atmosphäre und selbst der üblicherweise zuverlässige Piero Piccioni kommt mit einem wenig bemerkenswerten Soundtrack arg ins Stolpern. Regisseur Filippo Walter Ratti scheint am ehesten daran interessiert zu sein, seine Schauspielerinnen zum Entkleiden zu bringen, wobei sich das Endergebnis wie ein Renato Polselli (Delirio caldo / Das Grauen kommt Nachts) Film abspielt, nur eben ohne den Einsatz von bizarren Schnörkeln. Insgesamt sind die Charaktere genauso schnell vergessen, wie die Schauspieler, die sie spielen.

Das einzig wahre schauspielerische Highlight wird durch Corrado Gaipa als Inspektor repräsentiert. Gaipa war ein produktiver Schauspieler und Synchronsprecher (Berichten zufolge zeichnete er sich für die italienischen Stimmen von Alec Guinness in den Star Wars-Filmen und Burt Lancaster in Luchino Viscontis Il gattopardo / Der Leopard, verantwortlich), doch hier scheint es das einzige Mal gewesen zu sein, dass er bei einem Film ein top billing behaupten konnte. Es ist schon irgendwie eine Schande, dass ihm dies nur bei solch einem schlampigen Streifen gelungen ist, doch zu seiner Ehre sollte erwähnt werden, dass er seine Rolle mit enormen Stil umsetzt. Er wurde 1924 in Palermo geboren und gab 1960 sein Filmdebüt. Gaipa war in mehreren Gialli zu sehen, darunter Giornata nera per l’ariete (Ein schwarzer Tag für den Widder, 1971) und Mio caro assassino (My Dear Killer, 1972), außerdem tauchte er in poliziotteschi wie Fernando Di Leos Il boss (Der Teufel führt Regie, 1973) und Sexkomödien wie Lucio Fulcis Nonostante le apparenze… e purchè la nazione non lo sappia… all’onorevole piacciono le donne (Der lange Schwarze mit dem Silberblick, 1972) auf. Er hatte auch eine kleine Rolle als Don Tommasino in Francis Ford Coppolas The Godfather (Der Pate, 1972). Gaipa starb 1989 im Alter von nur 65 Jahren.

Zur Nebenbesetzung gehört auch Giuseppe Colombo, der später seine Ausrichtung wechseln und Produzent werden sollte. Zu seinen Kredits in diesem Bereich zählen die Dario Argento-Filme La sindrome di Stendhal (Das Stendhal Syndrom, 1996) und Il fantasma dell’opera (Das Phantom der Oper, 1998). Colombo hatte auch eine kleine, nicht im Abspann aufgeführte Rolle in La polizia brancola nel buio (The Police Are Blundering in the Dark, 1975), womit er also in zwei der schwächsten Gialli ihrer Zeit aufgetreten ist. Regisseur Filippo Walter Ratti wurde 1914 in Rom geboren. In den späten 30er Jahren trat er als Regieassistent in die Filmbranche ein und avancierte gegen Ende der 40er Jahre zum Regisseur. Er wurde nur manchmal als Filippo Maria Ratti und des Öfteren, wie hier, unter dem Pseudonym Peter Rush aufgelistet. Crazy Desires of a Murderer sollte sein einziger Giallo bleiben; wobei sich der Film auch als sein letzter erweisen würde. Seine Filmografie fror 1977 auf einen Schlag ein.

Filippo Walter Rattis Wahnsinnige Begierden eines Mörders (in Italien unter den viel grelleren Titeln Die krankhaften Laster einer Haushälterin oder Die grünen Augen des Todes bekannt) repräsentiert eine deliriöse Mischung aus Gothic-Horror, Sex-Drama sowie einer Menge extrahierter Augäpfel und stellt gleichzeitig eine der vergessenen „Leckereien“ des Giallo-Kinos der späten 70er Jahre dar. Der Film wurde im englischsprachigen Raum nie im Kino veröffentlicht und ist auch auf dem Heimvideomarkt praktisch nicht verfügbar gewesen. Vinegar Syndrome freut sich diese trashige Rarität auf Blu-ray heraus zu bringen, die von ihrem 35-mm-Originalnegativ in 4K neu restauriert wurde!

• Region Free Blu-ray
• Newly scanned & restored in 4k from its 35mm original camera negative
“Crazy Memories of an Actor” – an interview with actor Giuseppe Colombo
• Reversible cover artwork
• Newly translated English SDH subtitles

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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