Ein Fremder ohne Namen

High Plains Drifter (Ein Fremder ohne Namen) ist ein Western von 1973, den Clint Eastwood (auch Hauptrolle) relativ bald nach seiner Rückkehr in die USA am Mono Lake, Kalifornien, drehte – ganz im Stil der Italowestern mit denen er berühmt wurde. Zu dieser Gruppe seiner unmittelbaren Post-Italien Filme gehören u.a. auch Hängt Ihn Höher und Ein Fressen für die Geier.

Der Film handelt von einem mysteriösen Fremden (Eastwood), der in die Stadt Lago reitet, und dort ein verängstigtes unsicheres Klima vorfindet. Die Stadtbewohner werden von Banditen drangsaliert wie es scheint, einige davon knallt er in Gegenwehr erstmal ab, und macht sich damit innerhalb kürzester Zeit einen Namen. Er ist wortkarg, chauvinistisch und hat einen flinken Finger: Sheriff Sam (Walter Barnes) und der kleine Strippenzieher Mortdecai (Billy Curtis) sind skeptisch was den schießwütigen Neuling angeht, der zudem flugs mal für Sachbeschädigung sorgt und eine junge Dame in der Scheune vergewaltigt. Doch die Geschäftsleute der Stadt treibt eine ganz andere Sorge um: Bridges (Geoffrey Lewis) und seine Kumpanen werden aus dem staatlichen Knast entlassen und werden nach Lago kommen um sich zu rächen…. also heuern sie den Fremden als Beschützer an, der die dreistesten Forderungen dafür stellt. Bald merken die Bewohner des Städtchens dass sie einen Deal mit dem Teufel gemacht haben….

Der Stil ist natürlich unverkennbar. Eastwoods zweite Regiearbeit, und sein erster Western ist eine zynische Allegorie. Geschrieben von Ernest Tidyman (The French Connection), kann High Plains Drifter auf voller Linie durch eine stetig zunehmende Atmosphäre des Untergangs, pfiffige Sprüche und dramatische Enthüllungen punkten. Der Film verschwendet anfangs wenig Zeit, und fährt gegen Ende ebenfalls alles auf. Ich erinnere mich an den Film als einen düsteren, brutalen Italowestern-Klon. Heute kommt er mir weniger brutal vor (den Paternalisten von der FSK wohl auch) insofern passt es dass er nicht mehr auf dem Index ist, aber es ist immer noch ein düsterer Film der mehr zu bieten hat als das Marketing vorgibt, es ist kein vierter Dollar Film, und auch kein Actionstreifen.

Mit Walter Barnes (Der Gehetzte der Sierra Madre) ist natürlich auch quasi ein weiterer Italowestern-Veteran mit an Bord, aber richtig gut sind eigentlich einige andere Nebenrollen, wie eben die des Mortdecai oder Sarah (Verna Bloom). Der Umgang des Fremden mit Frauen war mit Sicherheit mit ein Grund für die Jugendschützer, bei diesem Film die Stirn zu runzeln, aber es passt einfach zur Rolle. Spätestens als die Stadt blutrot angemalt ist und es den Bewohnen dämmert, dass der Tag der Abrechnung gekommen ist und sie ihn selbst heraufbeschworen haben, ist man als Zuschauer auch richtig angefixt von diesem Western-Armageddon. High Plains Drifter mündet in einem biblischen Finale, und dann darf der Fremde genretypisch in den Horizont reiten…. herrlich. Die Musik von Lee Barton (Thunderbolt and Lightfoot, der in Kürze auch bei Capelight erscheinen wird!) ist natürlich nicht wie eine von Ennio Morricone, aber passt generell ganz gut zum Film.

Die BluRay von Capelight lässt einen den Klassiker neu entdecken. Das Bild sieht eigentlich verflucht gut aus, bietet guten Kontrast und schärfen. Kompressionsartefakte sind recht minimal (aber sichtbar) und das Bild sieht somit halbwegs original aus. Da gibt es sicherlich schlimmere Aufbereitungen. Der Ton, naja, der leidet ein wenig unter dem Upmix, kann aber insgesamt dennoch überzeugen wie ich finde. Eine gewisse Unausgewogenheit zwischen Vorder- und Hintergrundgeräuschen und Musik ist eben gegeben, leider liegt eine original Monospur hier nicht mehr bei. Die Synchronfassung (nicht getestet, außerdem leistet die sich einige freche Freiheiten die vom Original stark abweichen) gibts zwar auch in PCM 2.0, aber den Originalton eben nur im Upmix, beide DTS-HD MA 5.1. Untertitel gibt es auf Deutsch und Englisch. An Extras liegt leider nur der Trailer bei, das ist etwas mager. Das Mediabook, welches deutlich schöner ist als es das Bild unten vermuten lässt, ist bereits vertriebsseitig ausverkauft. Daher ist bereits eine normale Edition im Handel. Wer fürs Regal was Hübsches möchte und das hervorragende Booklet mit dem nachdenklichen Text von Marcus Stiglegger braucht, hat aber noch ausreichend Optionen es zu ergattern, noch ist es fast überall vorrätig.

Fazit: Ein absoluter Western-Klassiker auf einer technisch soliden Scheibe. Ich hatte mich lange darauf gefreut und wurde nicht enttäuscht.

Bei Amazon kaufen / Amaray

Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Capelight zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 4. September 2018

    […] verkauft, woher kennen wir das übrigens? Über eine Dekade später ist es das Thema von High Plains Drifter! Doch das grandiose Ende mit dem bitteren Showdown hier hat mehr von High Noon als von vielen […]

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