Ghost Town

Bei der Suche nach einer verschwundenen, schönen Frau folgt Sheriff Langley einem mysteriösen Reiter auf einem schwarzen Pferd. Die Spur führt ihn in eine Geisterstadt, in der eigenartige Dinge passieren. Leute, mit denen er spricht, verschwinden von einer Sekunde auf die andere wieder, und wenn er jemanden in Notwehr erschießt, taucht derjenige plötzlich wieder auf. Nach und nach wird ihm klar, dass die Einwohner der Stadt schon lange tot sind, aber keinen Frieden finden. Denn das Böse, das auch die Frau gefangen hält, regiert in der Stadt. Um die Frau zu befreien, muss er sich einem Duell stellen … (Wicked-Vision Media)

Ghost Town stellt eine unausgeglichene Empire-Produktion dar, die letztendlich eher für den Versuch etwas Neues innerhalb des Horror-Genres zu kreieren gelobt werden kann, als für das tatsächliche Endresultat. Der interessanteste Aspekt ist wahrscheinlich noch der getrennte Blick auf die Stadt Cruz Del Diablo. Auf der einen Seite repräsentiert sie die gesetzlose Stadt, die man aus Tausenden von Western kennt und von den üblichen Charakterfiguren bevölkert wird: Revolverhelden, tanzende Mädchen, die Saloon-Hure mit Herzen aus Gold, ein Bar-Pianist und einige grundsätzlich gute Menschen, die zu große Angst haben etwas gegen ihren Unterdrückungszustand zu unternehmen. Auf der anderen Seite verweist die unnachgiebig hässliche Sicht des Films auf „den alten Westen“, auf den Revisionismus von Unforgiven (Erbarmungslos, 1992).

Ghost Towns geteilter Blick findet ein interessantes Echo in Langley, als der zweimal die Gelegenheit verpasst, Devlin in den Rücken zu schießen. Ob nun beabsichtigt oder nicht, diese Szenen deuten an, wie unrealistisch die moderne Sicht auf den „alten Westen“ romantisiert wird: Langley versucht nach Regeln zu spielen, die niemals existiert haben. Der Charakter von Katie Barrett wird anfangs so skizziert, dass man von ihr die übliche verwöhnte reiche Schlampe erwartet, die einen harten Ritt und einen guten Mann braucht, um wieder auf die Erde zurückgeholt zu werden. Doch Katies Figur entwickelt sich dann doch noch unerwartet positiv, weswegen es nicht lange dauert, bis Katie ihr Leben riskiert, um Langley’s zu retten. Zusammen bilden sie nun ein effektives Team im Kampf gegen die Dämonen.

Den schwächsten Aspekt von Ghost Town stellt Jimmie F. Skaggs‘ Darstellung von Devlin dar. Es wird nie erklärt, warum sich Devlin, als einziger unter den Untoten, in einem Zustand des Verfalls befindet. Sein Auftreten und sein kicherndes, vollkommen übertriebenes Schauspiel lassen jedoch auf einen Freddy Krueger für Arme schließen. Dem Plot von Ghost Town gelingt es zwar das Interesse der Zuschauer zu wecken, weist jedoch größere Mängel auf. Zuerst einmal mangelt es dem Film grundlegend an interner Logik. Im Verlauf der Geschichte wird deutlich, dass Cruz Del Diablo von seinem letzten Sheriff verflucht wurde, dessen Leiche in der Eröffnungssequenz von Langley entdeckt wird. Da Sheriff Harper als aufrichtig religiöser Mann porträtiert wird, mutet die Vorstellung, er habe entweder die Macht oder die Neigung, der Stadt eine solche Strafe aufzuerlegen, mehr als absurd an. Genauso wie die Tatsache, dass der bereits ewig lange (Un)tote, Langley bittet, die Stadt vom Bösen zu befreien.

Verwirrend ist zusätzlich die fehlende Klarheit des Drehbuchs über das, was die Einwohner der Stadt über ihre Situation wissen: Während sich einige von ihnen bis zu der Frage, wie das Böse besiegt werden kann, ihrer Lage völlig bewusst sind, scheinen andere das Gefühl für Raum und Zeit verloren zu haben. Das größte Problem von Ghost Town ist allerdings das ständige zunichtemachen der Horror-Momente. Der Rückblick auf den Mord an Sheriff Harper – gekreuzigt auf dem Wassermühlenrad, dann lebendig begraben – sollte wohl unerbittlich qualvoll rüberkommen, wird aber durch wirklich schmerzhaften Dialog verdorben. In ähnlicher Weise wird die sorgfältig aufgebaute Atmosphäre, die während Langleys „Spaziergang“ durch die Wüste kreiert wird, durch die Entdeckung von Harpers Grab und dessen „sprechender Leiche“ vollkommen zerstört. Auf der positiven Seite befinden sich die gut genutzten Settings, während auch die Kinematographie von Mac Ahlberg eine echte Bereicherung darstellt. Devlins ultimative Niederlage ist zwar wenig glaubwürdig aber dafür ziemlich clever inszeniert worden, sodass man sie nicht vergessen wird. Ghost Town ist eine ziemlich ermüdende Melange aus Phantasie und Dummheit. Ein kleiner Horrorfilm, von dem man sich wünscht, es wäre etwas mehr Sorgfalt in die Gesamtgestaltung der Geschichte eingeflossen.

Wicked-Vision Media veröffentlicht Ghost Town als Nummer 12 ihrer Collector’s Edition im Mediabook (DVD+Bluray) mit drei verschiedenen Covern, die alle limitiert sind. Bild (1,78:1/1080p) und Ton (deutsch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf hohem Niveau. Die Extras haben einige Highlights zu bieten und zwar einen Audiokommentar mit Regisseur Richard McCarthy, sowie ein 24seitiges Booklet mit einem Text von Regisseur Richard McCarthy (Deutsch & Englisch). Die weiteren Boni bestehen aus dem Originaltrailer, einem Videotrailer sowie einer Bildergalerie. Abgerundet werden die Extras mit den featurettes „Inside the Empire“: Interview mit Produzent Charles Band, „Wanted: Undead or Alive“: Interview mit Drehbuchautor Duke Sandefur, „Western Spirit“: Interview mit Produzent Timothy Tennant und Behind the Scenes. Insgesamt handelt es sich bei Ghost Town um eine sehr gelungene Mediabook-Edition, die bei Liebhabern und Freunden von „Trash“- und Horrorfilmen eventuell gut ankommen könnte.

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Darsteller: Franc Luz, Catherine Hickland, Bruce Glover, Michael Alldredge, Jimmy F. Skaggs
Regisseur(e): Richard Governor
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Wicked-Vision Media
Produktionsjahr: 1988
Spieldauer: 85 Minuten

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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