Havanna

Havanna

Havanna (Havana) ist ein Spionagekrimi von Sydney Pollack aus dem Jahr 1990 mit Robert Redford und Lena Olin in den Hauptrollen

Im Herbst 1959 kommt der Pokerspieler Jack Weil (Redford) in Havanna an. Bereits auf der Überfahrt von Florida lernt er die hübsche Bobby Duran (Olin) kennen, die sich für den unpolitischen Jack im Nachhinein als Widerstandskämpferin entpuppt. In Kuba herrscht das von den USA unterstützte Militärregime des Fulgencio Batista, unter dem die Geschäftsleute und Spieler in Havanna in der Regel keine Probleme haben, so sitzt zum Beispiel der Chef der Geheimpolizei SIM, Menocal (Tomas Milian) mit an Weils Pokertisch. Doch seine Nähe zu Bobby bringt ihn in gefährliches Fahrwasser, denn ihr Mann ist der reiche Gönner der Widerstandsbewegung, Arturo Duran (Raul Julia), und als die Rebellen um Fidel Castro in den Bergen immer näher rücken, wird das Marioneettenregime der Amerikaner nervös. Bobby und Arturo werden verhaftet, sie gefoltert, er angeblich getötet. Weil lässt seine Verbindungen spielen um sie heraus zu holen. Regimetreue und Reiche verlassen das Land, Weil fährt aufs Land um Bobby, in die er sich verliebt hat, zurück zu holen. Als das Chaos ausbricht und die jubelnden Mengen schon durch die Straßen tanzen, wird sich zeigen ob der unpolitische Weil „das richtige“ tun wird….

Der Film sieht auf den ersten Blick eher nach einem Film aus den 80ern aus als aus den 90ern, jedenfalls ist auch die Qualität des Drehbuchs irgendwo da in der Mitte. Es ist ein ambitionierter Film mit vielen Details und einer – fas schon etwas übertriebenen – Lauflänge. Der in den revolutionären Tumult stolpernde Sunnyboy und die hübsche Revoluzzerin, eigentlich eine grandiose Prämisse, wenn nicht die Parallelen zu Casablanca letztlich zu offensichtlich und die Messlatte für den Film damit einfach unerreichbar hoch wäre. Doch auch ohne den Vergleich zum Meisterwerk tut sich der Film schwer mit zwei Dingen: der Last des historischen Kontexts einerseits, und der Fülle an Aspekten die das Drehbuch parat hat andererseits. Havana schleppt sich letztlich weit über 140 Minuten dahin, und wirkt teils träge, teils oberflächlich, teils verwirrend. Der Fokus geht ein wenig verloren, und er gewinnt selten wirklich an Fahrt.

Redford spielt routiniert und ist hier eingerahmt von einer spannenden Besetzung, allen voran der legendäre Tomas Milian als der Regime-Mann Menocal, aber auch Alan Arkin als der Casinomogul Volpi und Raul Julia als Arturo Duran. Es ist ein bunter Mix sowohl an Schauspielern als auch Charaktern, doch keiner bekommt ausreichend Raum zur Entfaltung. Alle bleiben ein wenig Dekoration, der Film springt hin und her, lässt sich auf zu viele erzählerische Nebenschauplätze ein und schafft es nicht auch nur einem davon das Rampenlicht zu gönnen. Somit ist es kein richtiger Film über Pokerspiele in Havana, es ist kein richtiger Liebesfilm, es is kein richtiger Film über die Revolution in Kuba, es ist kein richtiger Film über die amerikanischen Geschäfts- und Mafia-Verstrickungen in Havana und es ist auch kein ernstzunehmender Casablanca-Konkurrent. Es ist von allem etwas, und das – nur um das klar zu stellen – auch echt solide; aber der Film ist dadurch wie man so schön sagt „nichts halbes und nichts ganzes“. Und das trübt den Eindruck leider nachhaltig.

Klar, die großartige karibische Kulisse, die schöne Olin, die Atmosphäre des nahenden Umbruches im Land, all das ist Garant für solide Kino-Unterhaltung. Aber man hätte hier mehr erwarten können, und wenn man kritisch drauf guckt, liefert Pollack hier nur unzureichend. Wo Havana strahlt ist die Melancholie und in gewisser Weise der Zwiespalt des Protagonisten zwischen Egoismus und Einmischen. Vielleicht sogar ein wenig metaphorisch das ganze, kaputt machen tut das aber dann das Voiceover. Ich stelle mir ein paralleles Universum vor in dem der Film etwa eine halbe Stund kürzer ist, dafür etwas mutiger, knackiger und erwachsener, mit mehr Gewalt, mehr Spannung, mehr Action und mehr Sex-und-Crime. Weg wäre der Anschein des schmächtigen Liebesdramas und es wäre etwas gestraffter. Naja. Das klingt jetzt aaaaalles total negativ. Aller Kritik beiseite ist der Film seh solide und war auch interessant, aber ich meckere halt auch gerne mal auf hohem Niveau. Es ist ein mitreissendes Drama vor schöner Kulisse und mit großartigen Dialogen (und etwas Schmalz).

Die BluRay bietet die deutsche Synchronfassung (DTS-HD MA 2.0 stereo, nicht getestet) sowie den Originalton DTS-HD MA in 2.0 stereo und 5.1 (letztere getestet), und Untertitel in beiden Sprachen. Der Ton kann recht gut überzeugen, bietet aber nur wenig Raumklang. Die Dialogverständlichkeit ist sehr gut und die Tiefen auch, klingt solide. Das Bild sieht sehr authentisch aus und bietet ausreichend Schärfe und Kontrast, mit realistischen Farbtönen und noch ausreichend Filmkorn trotz der digitalen Restauration. An Extras gibt es drei TV-Features im Stil von kurzen Marketing Making-Ofs mit einigen Interviews, einmal „Die Dreharbeiten“ (5min), dann „Darstellerin Lena Olin“ (1min) und „Regisseur Sydney Pollack“ (2min). Dazu gesellen sich einige Trailer und TV Spots, sowie ein Bildergalerie.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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