Der Augenzeuge

Der Augenzeuge (Eyewitness) ist ein Drama von Peter Yates aus dem Jahr 1981.

Die Vietnam-Veteranen Daryll Deever (William Hurt) und Aldo (James Woods) arbeiten als Hausmeister in einem Hochhaus. Aldo verliert den Job, weil er den asiatischen Investor Mr Long beleidigt hat. Daryll will ein gutes Wort einlegen, doch eines Abends findet er Long tot in seinem Büro auf. Der Verdacht fällt auf Aldo, auch Daryll selbst vermutet, dass der von seinem vom Krieg geprägten Hass auf Asiaten und durch den Verlust seines Jobs einen Schritt zu weit ging. Daryll war zwar nicht wirklich Zeuge des Mordes selbst, tut gegenüber der Reporterin Tony Sokolow (Sigourney Weaver) aber so, als wüsste er was, um mit ihr eine Beziehung aufzubauen. Die ist mit dem israelischen Geschäftsmann Joseph (Christopher Plummer) liiert, der in dubiosen Machenschaften verwickelt zu sein scheint. Ein Misch aus Josephs Eiffersucht auf Daryll, mit dem Tony ins Bett hüpft um an die Story zu kommen, und tatsächlichen Geschäftsbeziehungen zu Mr. Long, dessen Leute hinter Daryll her sind, führt zu einer gemeinen Überlagerung von tödlichen Umständen…….

Wow, Vietnam-Veteranen, israelische Agenten, chinesische Mafia, sensationshungrige Reporterin, der Film hatte es ziemlich in sich muss ich sagen. Ich hatte von ihm vorher noch nie was gehört, und meine Erwartungen an diverse 80er Jahre Pseudo-Thriller sind allgemein ja eher niedrig. Eyewitness kommt nicht ganz ohne einige 80er Peinlichkeiten aus, und Hurt ist als Hausmeister auch denkbar unglaubwürdig. Aber, ein paar gekonnte Story-Dreher später befindet man sich als Zuschauer in Mitten einer seltsamen Verschwörung, die wie ein Misch aus Taxi Driver, Rising Sun und Marathon Man daher kommt – und das nicht mal schlecht. Zwar fragt man sich bis zum Schluss was es genau mit den Israelis auf sich hat, und weshalb die Chinesen so tölpelhaft agieren, etc., aber der Film bleibt unglaublich spannend vor allem weil er vieles nicht beantwortet, und die wirklich unwahrscheinlichsten Protagonisten in dieses Kuddelmuddel hinein wirft.

Weaver, die zwei Jahre vorher mit dem genialen Alien von Ridley Scott den Durchbruch hatte, mimt hier sehr glaubwürdig die etwas durchtriebene und abenteuerlustige Reporterin. Auch Hurt stand hier noch am Anfang seiner illustren und umfangreichen Karriere. Eyewitness war sein nur zweiter Spielfilm, zwei Jahre später kam mit der Romanverfilmung Gorky Park sein richtiger Durchbruch. Yates schuf mit Bullitt (1968) und The Deep (1977) gefeierte Meilensteine, sowie einige andere Publikumserfolge. Während Plummer hier nicht gerade glänzt, kann Woods ziemlich überzeugen, der zu dem Zeitpunkt schon einiges erreicht hatte, aber seinen Sprung vom TV auf die große Leinwand noch nicht gänzlich vollzogen hatte. Die unrühmliche Behandlung von Sergio Leones Es war einmal in Amerika hatte drei Jahre nach Eyewitness auch nicht geholfen, er war aber spätestens 1986 mit Oliver Stones Salvador eine ernstzunehmende Hausnummer des 80er Kinos.

Insgesamt fand ich den Film sehr interessant und spannend, wenn auch teilweise etwas schräg (u.a. konnte ich mit Hurt in der Rolle nicht so viel anfangen). Es ist ein interessanter „Genre-bender“ mit guter Besetzung und einigen wirklich krassen Szenen vor der kühlen New Yorker Kulisse. Als spannende Nebenrolle ein früher Auftritt von Morgan Freeman als der ermittelnde Polizist, und eine wirklich charmante Sigourney in einem mal etwas anderen 80er Krimi.

Die BluRay von Explosive Media bietet eigentlich sehr gutes Bild und soliden Ton (Englisch getestet, den deutschen Synchronton gibt es ebenso, außerdem Untertitel in beiden Sprachen). Kapriolen gibts keine aber hier gibts nix zu meckern, auch die Actionszenen sehen gut aus und klingen gut. Als Bonus gibt es einen sehr informativen Audiokommentar von Peter Yates selbst und dem Filmjournalist und Buchautor Marcus Hearn (u.a. The Hammer Vault), sowie den Original Kinotrailer und eine Bildergalerie.

Jetzt bei Amazon bestellen

Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt, in deren Vertrieb diese Veröffentlichung von Explosive Media erscheint.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.