Hinter den Mauern des Grauens / The Strange Door

Der vergrämte Sire Alain de Maletroit hat nie die Hochzeit seiner Jugendliebe mit seinem Bruder Edmond verwunden. Die Frau verlor bei der Geburt ihres Kindes ihr Leben, woraufhin Alain Edmond in den Kerker werfen ließ. Dort vegetiert der seit 20 Jahren vor sich hin. Um seine Rache zu vervollkommnen, will Alain Edmonds Tochter auch noch mit dem Schurken Denis de Beaulieu verheiraten… (Ostalgica)

Denis de Beaulieu (Richard Wyler unter dem Namen Richard Stapley) repräsentiert einen dekadenten Adligen im Frankreich des späten 17. Jahrhunderts, der ein Auge für die Damen hat. Eines Abends belästigt er in einer Taverne alle jungen Frauen, die in seine Nähe kommen, ohne zu wissen, dass er von einigen Männern unter der Führung von Sire Alain de Maletroit (Charles Laughton) beobachtet wird, die ihre ganz eigenen Pläne mit ihm haben. Als ein Kampf ausbricht, glaubt Denis, es würde sich um nichts anderes, als eine relativ harmlose Kneipenschlägerei handeln, doch als er seinen Kontrahenten im Affekt tötet, muss er fliehen – wobei Sire Alains Kutsche ihn bereits erwartet.

Dies alles geschieht, als eine Art Einleitung für diese Adaption der Robert Louis Stevenson Geschichte The Sire de Maletroit’s Door. Das Drehbuch wurde von Jerry Sackheim verfasst und brachte mit Charles Laughton und Boris Karloff zwei britische Starschauspieler zusammen, während hier ersterer diesmal den wahren Bösewicht verkörpert. Obwohl der Streifen allgemein als historischer Horrorfilm angesehen wird, hat er nichts besonders Schreckliches zu bieten und könnte genauso gut in das Genre des historischen Thrillers passen: Hier gibt es keine Monster, es sei denn, man lässt den verdrehten Geist von Sire Alain zählen.

Es sind die Auftritte dieser beiden angesehenen Engländer, die The Strange Door wirklich aufwerten, obwohl man im Zusammenhang mit diesem Film oft zu lesen bekommt, dass Laughton vollkommen übertrieben gespielt haben soll, man kann jedoch feststellen, dass dies nicht der Fall ist, wenn man sich den Film selbst ansieht. Hier bekommt man nicht die melodramatisch über agierende Legende zu Gesicht, sondern eine durch und durch durchtriebene Persönlichkeit, die nur selten über seine emotionalen Grenzen hinausgeht. Die meiste Zeit genießt Laughton es, seine Augen zu verhüllen sowie seine Zeilen zu schnurren, wobei er zwar nicht gerade zurückhaltend schauspielert, sich allerdings auch nicht die Kehle aus dem Hals schreit.

Es dauert eine Weile, bis die Handlung ins Laufen kommt, aber nachdem Denis zu Sire Alains Schloss gebracht wurde und dort durch die seltsame Tür des Titels (die sich öffnet, um ihn hereinzulassen, aber nicht, um ihn wieder herauszulassen) ins Innere des Gemäuers gelangt, kann es dann endlich richtig losgehen. Karloff-Fans werden enttäuscht sein, dass er hier ein wenig in den Hintergrund tritt (mit nur einer Szene in der ersten halben Stunde), doch am Ende stellt er einen wesentlichen Bestandteil des spannenden Höhepunkts dar. In der Zwischenzeit muss Denis zu seiner Überraschung Alains Nichte Blanche (Sally Forrest) kennenlernen, die er heiraten soll.

Der Grund dafür ist, dass Denis das Leben der armen Blanche zur Hölle machen soll, nachdem Alain seinen Bruder Edmond (Paul Cavanagh) bereits seit zwanzig Jahren im Kerker eingesperrt hat, in dem sich Karloffs Voltan um ihn kümmert. Wozu der ganze Aufwand? Alains Liebeskummer hat ihn Wahnsinnig werden lassen, weil Edmond die Frau geheiratet hat, in die er verliebt war, und wenn Laughton hier etwas wirklich richtig macht, dann ist es auf amüsante Art und Weise rüberzubringen, dass sein Charakter überhaupt nicht mehr bei Verstand ist. Mit einer Wasserrad-Mechanik für das Finale macht Hinter den Mauern des Grauens das Beste aus seinem Nervenkitzel, doch selbst der gestaltet sich in einem relativ kurzen Film, wie diesem, so in die Länge gezogen, sodass er schnell von seiner Wucht verlieren oder gar als ein wenig lächerlich angesehen werden kann. Glücklicherweise versteht es der Streifen auch Abseits davon noch genügend Unterhaltung zu bieten, um die Aufmerksamkeit des Publikums über die 81 Minuten Spielzeit aufrechterhalten zu können.

Hinter den Mauern des Grauens erscheint im Rahmen der Ostalgica Classic Chiller Collection in einer CD/Blu-Ray Combo. Das Bild wird im 1,37:1 Format (1920×1080, 23,976fps) präsentiert und macht einen wirklich sehr guten Eindruck, während auch beim Ton kein Grund zur Beschwerde besteht. Hier kann man zwischen der englischen und deutschen Spur (DTS-HD Master Audio 1.0) wählen, die sich beide klasse hören lassen. Möchte man sich den Film lieber im Originalton ansehen, so stehen deutsche und englische Untertitel zur Verfügung. Als Extras beinhaltet die Combo, neben dem deutschen Kinotrailer zum Film und einem Theatrical Trailer, noch zwei Bildergalerien und ein englisches Hörbuch von Robert L. Stevensons The Sire de Maletroit’s Door. Außerdem wurde noch ein 20-seitiges Booklet mit der Kurzgeschichte „Die Tür des Sire de Maletroit“, eine Audio-CD mit dem Hörspiel Blutgericht der Insekten von A.F. Morland sowie ein recht informativer sowie unterhaltsamer und somit äußerst gelungener Video-Essay von Lars Johansen auf bzw. in die Combo gepackt. Als Highlight der Extras muss allerdings der sehr informative sowie unterhaltsam eingesprochene Audiokommentar von Lars Johansen und Marco Koch (beide vom 35mm Retro Filmmagazin) angesehen werden. Die klasse Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten Papp-Schuber daher und hat auch ein unterschiedliches Covermotiv zu bieten. Ostalgica gelingt eine tolle Veröffentlichung eines kleinen aber feinen Horrorfilms, der sicherlich nicht im Fahrwasser der ganz Großen des Genres schwimmt, es aber dennoch bestens versteht sein Publikum zu unterhalten. Auf jeden Fall mehr als nur einen Blick wert!

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  • Seitenverhältnis: 4:3 – 1.37:1, 4:3 – 1.33:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Pevney, Joseph
  • Laufzeit: 1 Stunde und 21 Minuten
  • Darsteller: Laughton, Charles, Karloff, Boris, Forrest, Sally, Wyler, Richard, Cottrell, William
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Studio: Ostalgica

Die Screenshots stammen NICHT von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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