In den Krallen des Unsichtbaren / Orloff und der unsichtbare Tod / La vie amoureuse de l’homme invisible / Orloff against the Invisible Man

Im Schloss des Professors Orloff treibt ein unsichtbares Wesen sein Werk grausamer Vernichtung und sexueller Gewalt. Professor Orloff, der das Wesen erschaffen hat, ist voller Hass wegen dem gesundheitlichen Zustand seiner geliebten Tochter. Der junge Landarzt Dr. Geraudet untersucht Dr. Orloffs Tochter Celine und stößt dabei auf ein schreckliches Geheimnis. Was hat es mit der Gruft auf sich? Warum sind im Kerker des Schlosses Menschen gefangen? Es kommt zu einem großen Showdown in diesem hochexplosiven Gothic-Grusel-Klassiker! (X-Rated)

Doktor Garondet (Paco Villadares) wird eines Abends von einem Klopfen an seiner Haustür aufgeschreckt und bekommt von seiner Haushälterin mitgeteilt, es handele sich nur um einen Jungen, der um Hilfe im Schloss Orloff bittet. Die Dorfbewohner tun (aufgrund von Aberglauben) ihr Bestes, um einen Besuch des alten Gebäudes vermeiden zu können, doch Garodent besteht darauf, der Bitte des Jungen nachzukommen. Als er in der örtlichen Taverne nach einer Kutsche fragt, die ihn zum Schloss fahren kann, erntet er zunächst nur mürrische Reaktionen, doch schließlich erklärt sich ein Kutscher bereit ihn mitzunehmen. Auf dem Weg zum Schloss bleibt die Kutsche im Schlamm stecken und als der Arzt aussteigt, um sie anzuschieben, fährt der fürstlich entlohnte Kutscher einfach davon und überlässt ihn sich selbst…

Man könnte meinen, die Filmemacher wollen überhaupt gar nicht, dass der Arzt das Schloss erreicht (ganz zu schweigen von den Dorfbewohnern), wenn man nach dem Grad der ineffektiven Aktivitäten urteilt, die das Publikum zu ertragen hat, bevor die Handlung richtig in Wallung kommt. Für einen Jess Franco Film eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wobei er auch der Mann war, der die Orloff-„Serie“ (Gritos en la noche / Der schreckliche Dr. Orloff und El secreto del Dr. Orloff / Dr. Orloff’s Monster) zu einem unbedeutenden Namen innerhalb von Exploitation-Kreisen gemacht hatte, obwohl Der schreckliche Dr. Orloff selbst ein Rip-Off von Georges Franjus unvergesslichem Horrorfilm Les yeux sans visage (Augen ohne Gesicht / Schreckenshaus des Dr. Rasanoff, 1960) darstellt. Schaut man sich allerdings die Kredits von In den Krallen des Unsichtbaren etwas genauer an, so wird man feststellen, dass Francos Name nirgendwo zu finden ist. Nein, er war nicht unsichtbar geworden wie der Schurke des Titels, denn der Regisseur dieses Orloff Streifens ist gar nicht Jess Franco, sondern ein gewisser Pierre Chevalier.

Dr. Orloff repräsentierte ursprünglich eine zeitgenössische Figur in den Franco-Werken, doch hier wird er ähnlich wie Graf Dracula in Siebenbürgen vorgestellt, mit murmelnden Dorfbewohnern, die den Helden davor warnen, zum Schloss Orloff zu fahren. Als dieser Held dann endlich im Schloss ankommt, trifft er auf eine Mauer des Schweigens, die schließlich zusammenbricht, wenn der Professor seine stolzeste Schöpfung vorführt: einen unsichtbaren Mann! Der scheint jedoch nur als Kellner eingesetzt zu werden, der Gegenstände von einer Oberfläche zur nächsten transportieren kann. Die Mühe hat sich also gelohnt, oder!? Wer muss schon an langweilige alte Menschlichkeit erinnert werden, wenn man sich seine Getränke servieren lassen kann, so als wäre gar niemand anwesend? Natürlich (oder unnatürlich) wollten sich die Filmemacher nicht damit begnügen, es dabei zu belassen. Doch später mehr dazu.

Sollte man Paul Verhoevens Hollow Man – Unsichtbare Gefahr (2000) gesehen haben, so dürfte man schon eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, was die unsichtbare Bedrohung hier noch so alles anrichten könnte. Allerdings nicht bevor man eine lange Rückblende präsentiert bekommt, in der Orloff den Doc darüber aufklärt, wie er zu seiner wissenschaftlichen Errungenschaft gekommen ist. Hier bekommt man auch zu sehen, warum Orloffs Tochter Cécile (Brigitte Carva) ein so zerbrechliches menschliches Exemplar repräsentiert – sie war lebendig begraben worden, da sie fälschlicherweise für tot erklärt wurde (eine Brise von Edgar Allan Poe sowie H.G. Wells wird auch noch eingestreut). Jedenfalls wurde sie in der Familiengruft untergebracht, wo zwei von Orloffs Dienern (Fernando Sancho und Isabel del Río) ihren Schmuck stehlen wollen und sie dadurch versehentlich wieder „zum Leben“ erwecken (!?). Anschließend werden die beiden Lumpen ziemlich schnell überführt und man glaubt nun, dass aus Sancho der unsichtbare Mann gemacht wird.

Allerdings liegt man damit vollkommen daneben, denn tatsächlich, wenn die große Enthüllung des unsichtbaren Manns endlich um die Ecke geschlurft kommt, ist sie nicht das, was man erwartet hatte – sagen wir einfach, es handelt sich um keinen echten oder keinen konventionellen Mann. Vorher musste sich Regisseur Pierre Chevalier jedoch einige Methoden ausdenken, wie (und vor allem warum) er seine drei Hauptdarstellerinnen von ihren Kleidern trennen konnte. Das Publikum wollte Schmuddel, also sollte es den auch bekommen: Isabel del Río kann man als Maria gleich zweimal beim Umziehen zusehen, dann öffnet sich auch noch ihr Kleid, als Orloff sie auspeitscht (so konnte der Liste Sadomasochismus hinzugefügt werden), das Dienstmädchen wird komplett ausgezogen und doch allen Ernstes tatsächlich vom unsichtbaren … ähm … „Mann“ vergewaltigt. In dieser enorm lächerlichen sowie völlig unnötig in die Länge gezogenen Szene, wälzt sich die Schauspielerin auf einem Bett aus Heu herum und versucht gequält auszusehen. Schließlich werden auch noch der armen Brigitte im großen Finale die Kleider vom Leib gerissen und zwar vollkommen grundlos, nur um die Zuschauer wach halten zu können. Selbst für eineinhalb Stunden Film gibt es hier nur wenig an Substanz zu entdecken. In den Krallen des Unsichtbaren entpuppt sich als echte Schnäppchen-Kramware, die nur für erfahrene bzw. eingefleischte Gothic-Horror-Liebhaber bekömmlich sein dürfte.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.66:1
  • Alterseinstufung: Nicht geprüft
  • Regisseur: Chevalier, Pierre
  • Medienformat: Letterbox
  • Laufzeit: 1 Stunde und 25 Minuten
  • Darsteller: Vernon, Howard, Sancho, Fernando, Carva, Brigitte
  • Untertitel: Deutsch
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Französisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: X-Rated

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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