Maniac 2 – Love to kill / The last Horror Film

Der New Yorker Taxifahrer Vinny ist ein verwöhntes Mamasöhnchen und hat eine Schwäche für Horrorfilme, insbesondere wenn seine Lieblingsdarstellerin Jana Bates darin die Hauptrolle spielt. Sein größter Traum ist es, mit ihr seinen eigenen Horrorfilm zu drehen. Als die Filmfestspiele in Cannes anstehen, packt Vinny seine Filmausrüstung zusammen, sagt seiner Mama „Good bye“ und macht sich auf den Weg nach Frankreich, denn sein Idol soll dort einen Preis als beste Darstellerin erhalten. Strahlend schön verlässt sie ihr Flugzeug, nicht ahnend, dass sie damit die Bühne für ein fürchterliches Horrorspektakel betritt, das jedoch dieses Mal keine Fiktion mehr sein wird, sondern blutige Realität… (‘84 Entertainment)

Vinny Durand (Joe Spinell) ist ein New Yorker Taxifahrer mit großen Träumen. Er weiß, dass er es als Regisseur seiner eigenen Filme im Filmgeschäft schaffen kann, während er bereits den richtigen Star gefunden hat, der die Hauptrollen übernehmen soll, nämlich seine Lieblingsschauspielerin Jana Bates (Caroline Munro). Unglücklicherweise ist dies für Vinny alles leichter gesagt (bzw. geträumt) als getan, weswegen er von seinen Kollegen verspottet wird. Kommt er nach Hause, ergeht es ihm nicht besser, denn seine ihn abgöttisch liebende Mutter (Filomena Spagnuolo als Mary Spinell gelistet) hämmert ihm ständig ein, dass diese Art von Ambition nicht gut für ihn sei; nicht dass Vinny ihr zuhören würde. Er hat schon lange einen Plan, wie er Jana kennenlernen kann, denn welchen besseren Ort könnte es dafür geben, als ein Filmfestival und noch dazu das größte der Welt: die Filmfestspiele von Cannes des Jahres 1981!

Die achtziger Jahre waren eine seltsame Zeit für den aparten amerikanischen Charakterdarsteller Joe Spinell, als er versuchte seine eigenen Projekte auf den Weg zu bringen. Eine seiner stolzesten Errungenschaften, der Horrorfilm Maniac (1980), hatte ihn für die meisten Hollywood-Studios zu einer persona non grata gemacht und sein Streit mit seinem alten Kumpel Sylvester Stallone (der ihn in Rocky und Nachtfalken untergebracht hatte) trug auch nicht gerade zu seiner Beliebtheit innerhalb der Filmindustrie bei. Die Filme, in denen er in diesem Jahrzehnt (seinem letzten auf Erden) auftrat, können nicht gerade als hochkarätig bezeichnet werden: Nightshift – Das Leichenhaus flippt völlig aus (1982), Coltfighter (1982), The Last Fight (1983), The Hard Way (1985), Hollywood Harry (1985). Die Hauptrollen, nach denen er suchte, waren dünn gesät, während er in vielen seiner post-Maniac Filmen oftmals nur Kurzauftritte hatte.

In Maniac 2 – Love to kill übernahm er zwar erneut die Hauptrolle, wurde jedoch „nur“ an zweiter Stelle (obwohl Vinny mehr oder weniger die Hauptfigur des Streifens ist) hinter einer blonden Caroline Munro gelistet, die bereits in Maniac und Luigi Cozzis Star Crash – Sterne im Duell (1978) mit ihm zusammen gearbeitet hatte. Was Vinny in Cannes tut, ist seltsamerweise genau das, was die eigentliche Produktion getan hat, nämlich einen Film ohne Erlaubnis zu drehen und sich dabei so viel Material wie möglich zu sichern. Es wurde hier und da gefilmt (im Grunde genommen, wenn niemand hinschaute), zum Beispiel an der Promenade de la Croisette, wo die Sonnenanbeter(innen) ohne ihr Wissen auf Zelluloid gebannt wurden. Auch verschiedene wirkliche Filmstars, wie Isabelle Adjani und Karen Black tauchen plötzlich in demselben Flick auf, wobei es sehr unwahrscheinlich ist, dass die beiden jemals von The Last Horror Film gehört haben.

Zum Glück haben Spinell und sein Team, einschließlich Regisseur David Winters, keine Menschen ermordet, um ihre Bemühungen überzeugender zu gestalten, doch genau das scheint der geistig zerrüttete Vinny im Film zu tun, während er sich versteckt, um die Clips von der ahnungslosen Jana drehen zu können, die er für seinen Film zusammenschneiden möchte. Das heißt, was wirklich geschieht, kann eigentlich niemand wirklich berichten, außer, dass es am Ende gleich zwei Wendungen gibt, von denen eine Joe sowie seine richtige Mutter zeigt und wie sich die beiden beim Ansehen eines Films einen Joint teilen, was das was man gerade gesehen hat, als einen einzigen riesigen Scherz darstellt. Was erwartet man auch von einem Mann, der einen der fiesesten Schocker überhaupt gemacht hat und dann Vorträge über die Auswirkungen von Horrorfilmen auf das Publikum hält und ob sie im wirklichen Leben zu Gewalt führen können? Oder wurde hier etwa irgendetwas vollkommen missverstanden!?

Spinell präsentiert sich hier in ausgelassener Form. Offenbar war er sehr erfreut darüber einen weiteren Film als Star zu drehen und legt sich so richtig ins Zeug, egal ob Vinny gerade Halluzinationen über seinen vermuteten zukünftigen Erfolg oder sein tatsächliches Versagen hat oder mit einer Flasche Champagner als Friedensangebot in Janas Badezimmer im Hotel einbricht, als sie gerade mit dem Duschen fertig ist. Dabei bricht er frustriert über ihre panische Reaktion zusammen (soziale Fähig- oder Fertigkeiten zählen nicht zu seinen Stärken) und droht der Schauspielerin mit den Scherben der zerbrochenen Flasche, die dann aus ihrem Hotelzimmer, die Treppe hinunter rennt und in die Lobby entkommt, wo sie der Ehrengast sein soll. Ein Teil des Gags ist, dass das Publikum denkt, sie würde eine Show abziehen, mit Vinny als Verfolger, doch das ganze gestaltet sich alles andere als lustig, es sei denn, man sieht einen glupschäugigen, stark schwitzenden sowie fieberhaft übertrieben agierenden Spinell, als witzig an (was für manche Leute durchaus möglich erscheint). Zum größten Teil sieht der Streifen eher wie ein Sammelalbum, als ein richtiger Film aus, weswegen es kein Wunder bedeutete, dass es so lange dauerte, bis er irgendeine Art von Distribution erhalten hat und selbst dann nur eine Fußnote sowie ein Kuriosum darstellte. Für Synth-Rock-Enthusiasten aus den Achtzigern dürfte der Streifen allerdings ideal sein.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung : Nicht geprüft
  • Regisseur : Winters, David
  • Medienformat : Limitiert Sammlerausgabe
  • Laufzeit : 1 Stunde und 27 Minuten
  • Darsteller : Goldenberg, Devin, Hamilton, Judd, Winters, David, Spinell, Joe, Munro, Caroline
  • Sprache, : Deutsch (DTS HD 1.0), Englisch (DTS HD 1.0)
  • Studio : 84 Entertainment

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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