New York 1991 – Nacht ohne Gesetz / Siege / Self Defense

Als eine örtliche Gruppe der rechten Bürgerwehr die Gäste einer Schwulenbar massakriert, sucht der einzige Überlebende Zuflucht in einem nahegelegenen Wohnhaus, dessen Bewohner sich nun in einer Nacht des Hasses, des Terrors und des Blutvergießens selbst verteidigen müssen.

In einer langen, blutigen sowie gesetzlosen Nacht demonstriert dieses niedrig budgetierte kanadische Stück über städtische Gewalt, dass die nördlichen Nachbarn der U.S.A. in Bezug auf Grindhouse-Kost, diese genauso düster, blutig und idiotisch unterhaltsam gestalten konnten, wie ihre nordamerikanischen „Brüder“. Unter der Regie von Paul Donovan (Def-Con 4 – Das letzte Kommando, 1985) und Maura O’Connell stellt dieser frühe Versuch der in Halifax ansässigen Salter Street Films (die in den 90er Jahren mit der Science-Fiction-Kult-Fernsehserie Lexx – The Dark Zone großen Erfolg hatten) waschechte, anspruchslose Canucksploitation dar, die den Belagerungszustand eines Apartmenthauses in den Fokus rückt. Der Film spielt „irgendwann in der Zukunft“, wo die Polizei von Halifax gerade in einen Streik getreten ist und seine Bürger ungeschützt vorm Abschaum der Stadt im Stich lässt (auf geniale Art und Weise wurde aktuelles Filmmaterial vom 1981er Polizeistreik in Halifax, der 53 Tage andauerte, integriert!). Ein Rudel angepisster, rechtsradikaler Schurken, das sich New Order nennt, nutzt diese Gelegenheit, um eine Schwulenbar zu überfallen, die Kundschaft zu schikanieren („Sit down, tinkerbell!“ „I’m thirsty, homo-boy!“) und den Barkeeper im Matrosenanzug bei einer versuchten Vergewaltigung mit einer Stahlstange versehentlich zu töten.

Der Anführer der „Neuen Ordnung“ Cabe (Doug Lennox) erschießt dann kaltblütig jeden Zeugen im Laden, wobei ein Kunde dem halben Dutzend von bösartigen Schlägern entkommen kann. Währenddessen hält sich das Weltverbesserer-Pärchen Horatio (Tom Nardini) und Barbara (Brenda Bazinet) mit ihren blinden Schülern Patrick (Jack Blum) und Steve (Keith Knight) – die beide in Meatballs (Babyspeck und Fleischklösschen, 1979) mitgespielt haben – zu Hause auf. Als sie dem fliehenden Zeugen Zuflucht gewähren, kappt die schwer bewaffnete „New Order“ ihre Telefon- sowie Stromleitungen und belagert das Gebäude. Ohne Hilfe von der streikenden Polizei, liegt es nun an unseren altruistisch veranlagten Helden (inklusive Darel Haney als Nachbar Chester, der später die Drehbücher zu Xtro 3: Watch the Skies und Animal Instincts II geschrieben hat), sich mit begrenzten Waffen (ein Gewehr aus der Zeit des Koreakrieges mit nur zwei Kugeln an Munition und einen modernen Flitzebogen) im Dunkeln zu wehren. Glücklicherweise legen sie noch zusätzlich jede Menge an kreativen Überlebensfähigkeiten an den Tag.

Denn damit beginnt der wahre Spaß, wenn unsere Helden komplizierte Sprengfallen und eine behelfsmäßige Schrapnell-Rakete bauen! Das alles ist als wunderbar dumm und ohne erlösende Werte zu beschreiben, während sich der billige Nervenkitzel sowie die Leichen in der zweiten Hälfte von Donovans Skript immer mehr anhäufen, besonders als Cabe endlich ins Getümmel eingreift. Tom Nardini (ein Veteran aus später 60er Drive-In Kost wie Die Cadillac-Bande von San Francisco und Die teuflischen Acht, doch am ehesten für die Rolle des Jackson Two-Bears aus Cat Ballou bekannt) spielt hier einen ziemlich harten Typen, während Brenda Bazinet (in ihrem ersten Spielfilm) die obligatorische weinerliche Pazifistin geben darf, die Waffen hasst und eine friedliche Lösung für möglich hält. Außerdem gibt es noch so Einiges an miserabler Schauspielerei von den New Order Idioten zu ertragen. Die Filmemacher halten das Setup einfach und spannend, was es zu einem perfekten, schnörkellosen Sixpack-Actionfutter macht, komplett mit einem 80er-Synth-lastigen Score und einer dufte zynischen Auflösung.

Bonusmaterial:

  • Audiokommentar mit Co-Regisseur Paul Donovan und Filmmacher Jason Eisener —> wurde recht informativ und unterhaltsam eingesprochen
  • Extended Cut —> läuft ca. zehn Minuten länger als die Kinofassung
  • Trailer zum Film

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  • Aspect ratio: 1.85:1
  • Audio: English mono with Closed Caps
  • Region Free

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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