REDCON-1 Army of the Dead

In England ist eine gefährliche Epidemie ausgebrochen. Große Teile des Südens des Landes werden von Horden von zu „Zombies“ mutierten Menschen überrannt. Das Gebiet steht unter Quarantäne. Eine militärische Spezialeinheit muss sich trotzdem in größte Gefahr begeben, denn ihr Auftrag lautet, den Wissenschaftler Dr. Julian Raynes ausfindig zu machen und aus der Quarantänezone zu evakuieren. Er ist allem Anschein nach die einzige Hoffnung auf Heilung. Doch die Zombies sind nicht die einzige Bedrohung, und auch die Rettungsmission verläuft nicht ganz so wie geplant… (OFDb Filmworks)

Redcon-1 ist der neueste Zombie-Thriller aus Großbritannien. In Glasgow und London gedreht, handelt es sich hier um einen Kampfsport-Action-Flic des Regisseurs und Produzenten Chee Keong Cheung (Bodyguard: A New Beginning, Underground). Das Drehbuch wurde von einem ganzen Team an Autoren geschrieben, was man dem äußerst dünnen Plot allerdings überhaupt nicht anmerkt. Der Streifen lehnt sich an einige andere Filme wie zum Beispiel Escape from New York (Die Klapperschlange, 1981) und 28 Days Later (2002) an, wobei vergessen wird sich vernünftig auf die Charaktere sowie deren Dialoge zu konzentrieren. Trotzdem ist auf dem Bildschirm so Einiges los, da sich die Filmcrew auf die reichlich vorhandenen Action-Elemente fokussiert. Letztendlich stellt Redcon-1 Army of the Dead eine interessante Zombie-Actiongeschichte dar, die auf einer sehr mageren Handlung basiert. Die präsentiert nämlich nicht besonders viel Neues, da sie mal wieder vom Ausbruch einer Virus-Infektion erzählt, diesmal jedoch im Vereinigten Königreich. Millionen Menschen werden von einem durch Blut übertragenen Virus infiziert und/oder getötet, während sich der dafür verantwortliche Wissenschaftler in aller Abgeschiedenheit vor der Verantwortung seiner Missetaten versteckt hält. Eine Spezialeinheit wird losgeschickt, um ihn zu finden, weil er der Einzige ist, der ein Gegenmittel entwickeln könnte. Die aus US-Amerikanern und Briten bestehende Einheit muss sich nun auf den Straßen eines eingegrenzten Bezirks mit Horden von Infizierten und kriminellen Banden herumschlagen, wobei Dr. Raynes (Robert Goodale) zwischen all den Leichen schwer zu finden ist. Schließlich stößt die Crack-Force rein zufällig auf den Wissenschaftler, der sich in einem von infizierten Soldaten geleiteten Gefangenenlager befindet. Ja, richtig gelesen! Eine ganze Meute von infizierten Soldaten kann aus irgendeinem Grund miteinander kommunizieren, Kettenfahrzeuge bedienen und ihre Waffen benutzen. Was ist da los!?

Wie bereits erwähnt ist Redcon-1 von einigen anderen Filmen beeinflusst worden. Am ehesten fällt die Ähnlichkeit zu John Carpenters Escape from New York auf, in dem Snake Plissken (Kurt Russell) in ein inselgroßes Gefängnis (Manhattan) geschickt wird, hinter dessen Mauern jede Person einen Feind darstellt. Diesen Handlungspunkt greift Redcon-1 auf, fügt allerdings Tonnen um Tonnen von Bösewichten hinzu, denn in dieser neuen Version gibt es mehr, um das man sich sorgen muss, als „nur“ die Infizierten. Verschiedene Bereiche werden jeweils von einer anderen Straßengang kontrolliert und zu allem Unglück entwickeln die Infizierten auch noch ihre Gehirnfunktionen weiter bzw. haben sich ein paar davon bewahren können!? Der Einsatz von intelligenten Monstern erinnert an George A. Romeros clevere Zombies aus Land of the Dead (2005). In beiden Filmen sind die Kreaturen nicht vollkommen ohne Verstand und noch immer dazu fähig einige alltägliche Routinen auszuführen. Auch zu Danny Boyles 28 Days Later gibt es ein paar Referenzen zu erkennen, denn in beiden Filmen sind ähnliche Einstellungen von London und ruhigen englischen Straßenzügen zu sehen. Außerdem ist an einer Wand zu lesen: „the end is fucking nigh“.

Trotzdem ist und bleibt die Handlung sehr dürftig. Das Skript beschränkt sich wirklich nur auf die Prämisse der Weltrettung – durch die Bergung eines Wissenschaftlers. Die Charaktere erhalten wenig Hintergrundgeschichte, repräsentieren flache Figuren oder gar Karikaturen. Einzig und allein (unter sämtlichen Protagonisten) lässt die Figur des Marcus (Oris Erhuero) etwas an Charakterkomplexität erkennen. Seltsamerweise kommt in diesem Film jedes Mal trauervolle Musik zum Einsatz, wenn eine der schablonenhaften Figuren in Aktion getötet wird, von denen man sich mit so gut wie keiner identifizieren kann. Um von der schwachen Geschichte ablenken zu können, setzt Redcon-1 auf Action-Sequenzen, die den Film tragen sollen. Davon gibt es dann auch eine ganze Menge zu „bestaunen“, mit vielen Explosionen und/oder Schießereien, um das Interesse des Publikums aufrechterhalten zu können. Es wäre jedoch erheblich wirkungsvoller gewesen, wenn die Autoren ihre Charaktere durch gut geschriebene Dialoge und die Verwendung weiterer Rückblenden fortentwickelt hätten. Eine richtige Geschichte fehlt hier fast vollständig.

Die Actionszenen sind allerdings recht zufriedenstellend gelungen, mit vielen gut choreografierten Martial-Arts-Einlagen, wobei Gesichter von Infizierten zertreten werden und Panzer durch mit Leichen gefüllte Straßen rollen. Beinahe ausschließlich im Freien gedreht, kann man die Soldaten dabei beobachten, wie sie durch ein Minenfeld navigieren und später wie die verbliebenen Überlebenden mit einer riesigen Horde Infizierter konfrontiert werden. Kinder tragen Waffen und Frauen benutzen Kettensägen. Natürlich werden Action und Gore ziemlich übertrieben dargestellt, wobei sich die Frage stellt: Wo liegt die tiefere Bedeutung in all dem Blutvergießen und Mord? Obwohl Redcon-1 von einigen Filmen des Horror-Genres „klaut“, wirkt der Streifen trotzdem immer noch einigermaßen originell. Die Geschichte ist zwar genauso schwach, wie trist, die Action-Sequenzen dagegen können allerdings noch was (wenn auch nicht alles) retten. Insgesamt stellt Redcon-1 jedoch keinen sehr einprägsamen Infizierten-Horror-Thriller dar. Stattdessen kann sich der Streifen lediglich durch seine lange Laufzeit von ca. zwei Stunden und seine herausragende Action auszeichnen.

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Darsteller: Carlos Gallardo, Mark Strange, Katarina Leigh Waters, Oris Erhuero
Regisseur(e): Chee Keong Cheung
Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: OFDb Filmworks
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 118 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von OFDb Filmworks zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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