STARK – The Dark Half

Der renommierte Schriftsteller Thad Beaumont begeistert mit seinen Romanen die Kritiker. Doch das große Geld verdient er mit reißerischer Horror-Lektüre, die er unter dem Pseudonym George Stark verfasst. Sein literarisches Doppelleben droht ein plötzliches Ende zu nehmen, als ein Erpresser auftaucht, der Thads zweite Identität enttarnen könnte. Aus der Not heraus beschließt Thad, dem Erpresser zuvorzukommen und sein Alter Ego selber zu enthüllen. George Stark wird dabei im Rahmen der Enthüllungsstory symbolisch zu Grabe getragen. Doch Stark scheint nicht einfach so sterben zu wollen – im Gegenteil, er nimmt körperliche Gestalt an und entsteigt seinem Grab. Kurz darauf geschehen in Thads Umfeld einige Morde, die auf ihn als Täter hindeuten… (OFDb Filmworks)

Fans von Stephen King wissen, dass die Horror-Schreibmaschine eine Reihe von Romanen unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht hat. King machte sich viel Mühe, um vorzutäuschen, dass Bachman eine „echte“ Entität sei, angeblich um herauszufinden, ob seine Fähigkeit, unzählige Millionen von Büchern zu verkaufen, mehr auf der Marke King beruhte, als auf seinem angeborenen Talent. Einmischende Fans fanden bald die Verbindung zwischen King und Bachman heraus, und King „tötete“ Bachman, zumindest mehr oder weniger, in einer kurzen Anspielung als Epigramm in The Dark Half, Kings Roman über einen Autor, der versucht, sein erfolgreiches Alter Ego hinter sich zu lassen. Der König des Horrors hat regelmäßig mit verschiedenen „dunklen Hälften“ in seinen Schriften geflirtet, doch sowohl die Launenhaftigkeit als auch die Buchstäblichkeit, die The Dark Half mit sich bringt, erweisen sich als eine unbehagliche Kombination für diese Adaption von George A. Romero. Interessanterweise griff King selbst einige der Ideen aus The Dark Half in Secret Window, Secret Garden wieder auf, dessen Verfilmung Das geheime Fenster (2004) mit Johnny Depp und zufälligerweise auch Timothy Hutton umgesetzt wurde. In diesem Film gibt es eine relativ nuancierte Ambiguität, ob die Ereignisse, die sich abspielen, wirklich real oder einfach die Wahnideen eines verstörten Autors sind. In The Dark Half schwankt die Prämisse beklommen zwischen dem Übernatürlichen (kann ein Pseudonym tatsächlich lebendig werden?) und einem etwas grotesken Realismus (angedeutet in einer frühen Szene, mit dem Überbleibsel eines fetalen Zwillings) hin und her.

Die schon lange bestehende Dialektik zwischen Kunst und Kommerz ist der unausgesprochene Subtext eines Großteils von The Dark Half, obwohl sie in typischer Stephen-King-Manier in verschiedene übernatürliche Phänomene und schändliche Schurkerei eingewickelt ist. Thad Beaumont ist ein Professor und Autor von hoch-falutinischer „Literatur“, die es allerdings nicht schafft die Rechnungen zu bezahlen. Um dieses kleine Problem zu lösen, begann Beaumont einst Bestseller-Thriller unter dem Pseudonym George Stark herauszubringen. Als ein schmieriger „Student“ hinter das Geheimnis kommt und Thad nicht allzu subtil erpressen möchte, suggeriert Thads Frau Liz (Amy Madigan), dass es nun von doppeltem Nutzen sei George sterben zu lassen. Nämlich um zu verhindern, dass die Veröffentlichung des Pseudonyms auch in Zukunft noch Probleme schafft und gleichzeitig Thad von Stark zu befreien, damit der sich endlich mehr um sein intellektuelleres Schreiben kümmern kann. Eine „vorgetäuschte“ Beerdigung für George wird als Foto-Roman angelegt, obwohl Liz dies für ein wenig übertrieben hält und hätte sie nicht eine Art von Vorahnung gehabt, wird der Fotograf kurz nach den Aufnahmen brutal ermordet. Ein mysteriöser Anhalter, der Thad unglaublich ähnlich sieht, hat die Tat begangen, doch Romero lässt sich noch etwas Zeit, um die Identität des Täters schließlich zu enthüllen. Dass es sich beim Mörder um George Stark (auch von Timothy Hutton gespielt, in einem gotischen, südstaatlichen „Greaser“-Stil, mit Lederjacke sowie Pompadour) handelt, kann wohl kaum als Spoiler gewertet werden. Der Fotograf stellt sich als das erste von mehreren Opfern heraus, die George verfolgt und entsorgt, während sich die eigentliche Schlinge um Thads unglückseligen Hals zusammenzieht.

An dieser Stelle beginnt The Dark Half seinen Hochseil-Akt, um eventuell inkompatible Thesen auszubalancieren. Ist George einfach eine kranke Projektion von Thads Geist? Das mag von einem wohlmeinenden lokalen Sheriff namens Pangborn (Michael Rooker) vermutet werden, doch das Publikum ist sich bereits bewusst, dass George und Thad verschiedene Charaktere bzw. eigenständige Personen sind (was schließlich auch dem netten Sheriff klar wird). Letztendlich beginnt sich die Frage zu stellen, ob George eine Art beschworener Geist ist, wenn auch im Fleisch, oder etwas, das relativ banaler zu erklären ist. The Dark Half will beides, was leider bedeutet, dass ein zentraler Handlungspunkt des Films dadurch aufgebrochen und verwässert wird. Was in Stark dennoch wunderbar funktioniert, ist das spürbare Gefühl der ständigen Bedrohung, besonders nachdem sich der wahnsinnig grinsende George selbst (und offensichtlich verwesend) persönlich mit Thad konfrontiert hat. Hutton beherrscht die Szenerie unnachahmlich als dominant böser George sowie dem unterschätzten Thad als Gegengewicht. Die weitere Besetzung umfasst solche Koryphäen wie Julie Harris (als Pfeife rauchende Bibliothekarin), die dem Flic eine Menge an Farbe verleiht. Zum Schluss geht der Film in eine Art Grand-Guignol-Höhepunkt über, der von weniger als spektakulären Spezialeffekten begleitet wird und die Dinge auf lange Sicht unbefriedigend diskursiv erklärt. Hier hätte vielleicht etwas mehr Licht in die Dunkelheit gebracht werden sollen, doch The Dark Half ist dennoch ein unterhaltsamer Streifen und darf mit Sicherheit zu den besten Stephen King Verfilmungen gezählt werden.

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  • Darsteller: Michael Rooker, Julie Harris, Amy Madigan, Robert Joy, Timothy Hutton
  • Regisseur(e): George A. Romero, Stephen King (Buch)
  • Sprache: Deutsch (PCM2 .0), Englisch (PCM2 .0)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: OFDb Filmworks
  • Produktionsjahr: 1993
  • Spieldauer: 121 Minuten
  • Extras: -Audiokommentar mit Regisseur George A. Romero (englisch)
    -Audiokommentar von Kai Naumann & Marcus Stiglegger (deutsch)
    -The Sparrows Are Flying Again – The Making of „The Dark Half“ [nur Blu-ray]
    -Deutscher und englischer Kino-Trailer
    -TV-Spot

Anzahl Discs: 1 Blu-ray, 2 DVDs
Laufzeit: Blu-ray 121 Min., DVD 116 Min.
Bildformat: 1,85:1 (1080p)
Ton: Deutsch (Linear PCM 2.0 Englisch (Linear PCM 2.0)
Untertitel: Film: Deutsch, Englisch, Extras: Deutsch
Extras: -Audiokommentar mit Regisseur George A. Romero (englisch)
-Audiokommentar von Kai Naumann & Marcus Stiglegger (deutsch)
-The Directors: George A. Romero – Dokumentation über den Regisseur
-The Sparrows Are Flying Again – The Making of „The Dark Half“ [nur Blu-ray]
-Deleted Scenes
-Behind The Scenes Footage: Special Effects
-Behind The Scenes Footage: On The Set
-Vintage Making of Featurette
-Vintage Interviews
-Deutscher und englischer Kino-Trailer
– TV-Spot

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von OFDb Filmworks zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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