Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies

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Eine vermeintlich herrenlose Segelyacht wird von der New Yorker Küstenwache geentert. Beim Durchsuchen des Schiffes stoßen die ahnungslosen Polizisten auf abgerissene Körperteile und werden von einer fauligen Gestalt angefallen, gegen die sie sich nur mit tödlichen Schüssen wehren können. Durch die seltsamen Vorkommnisse neugierig geworden, beginnt der Journalist Peter West zu recherchieren und trifft dabei auf Anne Bowles, die Tochter des Yachtbesitzers. Ein Brief ihres Vaters führt beide auf die geheimnisvolle Karibikinsel Matul. Dort angekommen, werden sie von Dr. Menard, dem früheren Kollegen von Annes Vater über dessen Tod informiert. Und es ist keineswegs eine Krankheit, die für die vielen Todesfälle auf der Insel verantwortlich ist. Die Wahrheit ist viel entsetzlicher: Ein Fluch der Eingeborenen lässt die Toten als Zombis aus ihren Gräbern steigen. Ihr einziger Antrieb ist die Gier nach Menschenfleisch…

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Als im Jahr 1978 George A. Romeros Zombie-Film Dawn of the Dead aka Zombie/Zombies im Kaufhaus in den Kinos lief und ein Welterfolg wurde, gab es in Italien einige Studios, die gerne ihren eigenen Zombie-Genre-Film kreieren wollten, um auf dieser Welle mitschwimmen und gleichzeitig eine Menge Geld damit verdienen zu können. Über einige Umwege bekam schließlich der bereits erfolgreiche Genre-Regisseur Lucio Fulci (siehe Artikel „Lucio Fulci – Ein kurzer Überblick“) das Angebot einen sogenannten Zombie-Film zu drehen. Sofort machte sich Fulci, zusammen mit seinem Freund Dardano Sacchetti, daran ein Drehbuch zu schreiben und die Produktion für Zombie 2 aka Zombie Flesheaters aka Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies konnte beginnen. In erster Linie sollte Woodoo ein Subgenre-Film mit niedrigem Budget sein (also ein richtiger Billigfilm), weswegen Niemand erwartete, dass es auch nur ansatzweise ein Hit werden würde. Doch das großeTalent Lucio Fulcis, verbunden mit der professionellen Arbeitsweise seiner Crew, schaffte es mit wenigen Mitteln und noch weniger Geld einen überdurchschnittlichen Film fertigzustellen. Fulci und seine Filmcrew hatten noch nicht einmal eine Drehgenehmigung für die Aufnahmen in New York City. Sie drehten einfach so los … und nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1979 wurde Woodoo ein riesiger Erfolg, der die Kassen klingeln ließ und rund 30 Millionen US-Dollar einspielte.

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Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies ist zweifellos einer der großen Klassiker des Zombie -Subgenres und sein Erfolg war dafür verantwortlich, dass Lucio Fulci noch viele weitere Horrorfilme drehen sollte, die alle eines (mehr oder weniger) gemeinsam haben: Die Darstellung von grausamster Gewalt gemischt mit einer erschütternden Untergangsstimmung. Woodoo beinhaltet viele Szenen, die man so schnell nicht wieder vergisst: Das langsame Aufspießen eines Augapfels mit einem Holzsplitter und das damit verknüpfte Ende der Frau Dr. Menards, der Unterwasserkampf zwischen einem Zombie und einem Hai, die Art und Weise wie die Zombies aus ihren Gräbern „auferstehen“ oder der feurige Höhepunkt des Films. Mit einer ähnlich intensiven Szene beginnt auch der Streifen, praktisch ein Hinweis auf die Dinge, die noch kommen sollen. Eine anscheinend verlassene, führerlose Yacht segelt in den Hafen New Yorks ein und zwei Polizisten, die an Board gehen, um die Lage zu erkunden,  werden von einem recht korpulenten Zombie angegriffen, wobei einer der beiden einen blutigen Tod erleidet und der andere den Zombie mit Hilfe seiner Waffe über Board befördern kann. Der kühne Reporter Peter West (Ian McCulluch) wird nun auf die mysteriöse Geschichte angesetzt und tut sich mit Anne Bowles (Tisa Farrow), der Tochter des Yachteigentümers zusammen, um deren Vater auf der obskuren Karibikinsel Matul aufzuspüren. Mit Hilfe eines amerikanischen Taucherpärchens und deren Yacht gelingt es ihnen die Insel zu finden. Dort angekommen erfahren sie von Dr. Menard (Richard Johnson), dass Annes Vater, Dr. Bowles, eines von vielen Opfern einer unerklärlichen Zombie-Epidemie geworden und bereits verstorben ist. Dr. Menard ist auf der Insel geblieben, um den Ursprung der „Seuche“ zu ergründen: Handelt es sich um eine unbekannte Krankheit oder ist der Grund für die Auferstehung der Toten aus ihren Gräbern doch Woodoo-Zauber, wie die abergläubischen Eingeborenen es fürchten? Wird Dr. Menard die Lösung finden und das Grauen aufhalten können? Werden Peter und Anne überleben, um von den Geschehnissen auf Matul berichten zu können? Wer Fulcis Filme kennt, wird auch die Antworten auf diese Fragen kennen…

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Das blutige Chaos wird mit großartigem Flair inszeniert, behutsam parzelliert und das Tempo bis zum finalen Akt, der sehr intensiv und aufregend ist, gleichgehalten. Die Musik von Frizzi, Bixio, Tempera und Pezzola trägt maßgeblich zur Grundstimmung des Films bei und hat ein erinnerungswürdiges Hauptthema zu bieten. Die Zombies sind brilliante Kreationen, die im „Romero-Stil“ umherschlurfen während ihnen das verrottende Fleisch vom Körper gammelt oder Maden aus den Augenhöhlen quillen. Über die schauspielerischen Leistungen muss man nicht viele Worte verlieren, es reicht zu schreiben, dass man bei solch einem Film keine Shakespeare erprobten Mimen erwarten kann. Und da sind wir auch schon beim Schwachpunkt von Woodoo angekommen. So überragend das Make-up auch ist und die Gore-Szenen gelungen sind, umso schwächer schneidet der restliche Teil des Films ab. Natürlich sind einige Logiklöcher vorhanden und auch so manches Verhalten der Figuren erscheint mehr als unglaubwürdig. Zum Beispiel erstarren einige Charaktere vor Schreck, anstatt vor den doch recht lahmen Zombies einfach davon zu laufen. Schock oder schiere Angst kann hier wohl keine Erklärung dafür bieten, dass man sich den Zombies „bereitwillig“ als leicht erbeutetes Mittagessen präsentiert!?  Das erinnert doch eher an schlechte Vampirfilme, wo die Opfer der Blutsauger unter deren hypnotischem Einfluss stehen. Da hat Lucio Fulci mit den Gialli Lizard in a Woman’s Skin, Don’t torture a Duckling  oder The Psychic (haben alle leider noch keine deutsche VÖ bekommen) vorher schon bewiesen, dass er es wesentlich besser kann.

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Trotzdem ist Zombie ein durchweg unterhaltsamer Film und wird nicht zu unrecht als ein legendärer Beitrag zur italienischen Exploitation Ära gehandelt.  Über seine Schwächen können Szenen, die atmosphärisch so dicht sind wie zum Beispiel der Moment, als die spanischen Conquistadores fast alle gleichzeitig aus ihren Gräbern steigen, um dann über die Menschen herzufallen, locker hinwegtrösten.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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