Zombie – Dawn of the Dead

Die Toten kommen auf die Erde zurück! Eine mysteriöse Seuche vernichtet nach und nach die Menschheit, doch die Toten finden keine Ruhe. Als blutrünstige Zombies kommen sie zurück und jagen, vom Hunger auf Menschenfleisch getrieben, die Wenigen, die noch nicht infiziert sind. Eine kleine Gruppe Überlebender schafft es, sich in einem Einkaufszentrum zu verbarrikadieren. Doch während sich draußen die toten Horden versammeln, kocht im Einkaufsparadies ein klaustrophobischer Alptraum hoch. (Koch Films)

Während die Zombieplage den Planeten weiter verschlingt, flüchtet ein Quartett von Überlebenden – die TV-Ansagerin Fran (Gaylen Ross), ihr Hubschrauberpilot-Freund Stephen (David Emge) und zwei SWAT-Team Mitglieder Peter (Ken Foree) und Roger (Scott Reiniger) – in ein riesiges Einkaufszentrum und verrammelt die Tore bzw. Türen, um ein zombiefreies Versteck zu erschaffen. George A. Romeros bahnbrechender Nachfolger von Night of the Living Dead (Die Nacht der lebenden Toten, 1968) bedeutet Vieles für viele Menschen: beißende Verbrauchersatire, pechschwarze Komödie, atemloser Actioner und blutiges Splatter-Epos. Romero gelingt es dies alles ohne größere Anstrengung umzusetzen, was wohl an seinem Talent als Regisseur und Autor liegen muss. 25 Jahre später mögen die Kleider und Haarschnitte datiert sein, doch die überwältigende Energie von Dawn of the Dead strahlt noch immer grell.

Hier handelt es sich um einen der wenigen Zombiefilme, in denen die lebenden Toten an sich nicht besonders beängstigend rüberkommen. Sie sehen albern aus, sie fallen ständig um und Romero nimmt sie meistens entweder am helllichten Tag oder in der starken Fluoreszenz des Einkaufszentrums auf. Es ist schon als äußerste Seltenheit zu bezeichnen, dass ein Horrorregisseur so wenig an Schatten oder Dunkelheit interessiert ist. Das, was wirklich Angst macht, ist die schiere Anzahl der Zombies, die eine schwärmende, ausgehungerte Masse darstellen, die die set-pieces – das Stürmen eines Mietshauses durch die Armee, das „Versiegeln“ der Tore des Einkaufszentrums sowie der Klimax-Kampf gegen eine Bande marodierender Biker – so packend gestaltet. Die Zombies sind von der ersten Minute an da, es existieren weder eine Einführung, noch eine Erklärung – was Romero am meisten interessiert, ist die Art und Weise, wie die Gesellschaft mit einer solchen Krise umgeht. Nämlich ziemlich schlecht!

Dawn of the Dead ist ein langer Film, wobei Romero das Tempo perfekt bestimmt, weswegen die 30-minütige Sequenz (in der sich unsere Helden in ihrem konsumistischen Heiligtum sicher, jedoch zunehmend gelangweilt fühlen) nach der unerbittlich actionreichen ersten Stunde eine willkommene Erleichterung bzw. Abwechslung darstellt. Das Schauspiel kann nicht als besonders großartig beschrieben werden – obwohl es vollkommen in Ordnung geht, wobei Ken Foree eine starke Präsenz repräsentiert – doch Romeros Ohr für realistischen, ökonomischen Dialog und hervorragendes Editing sorgen dafür, dass die Dinge gut laufen.

Das Einkaufszentrum bietet einen brillanten Schauplatz, nicht nur wegen der satirischen Möglichkeiten, die es Romero offeriert, sondern auch, um clevere, beunruhigende Bilder zu kreieren. Der Regisseur schneidet häufig weg, um Zombies zu zeigen, die auf Rolltreppen umfallen, mit jetzt nutzlos gewordenen Dollars spielen und hoffnungslos an den Fenstern von Geschäften scharren. Dabei erweist sich die körperlose „Sonderangebot“-Stimme, die in zufälligen Abständen aus den Lautsprechern des Einkaufszentrums dröhnt, als schrecklich unheimlich. Außerdem müssen Stephen, Fran, Roger und Peter schon recht bald feststellen, dass die Freude über das Novum, freien Zugang zu so vielen begehrenswerten Gesellschaftsgütern zu haben (wie sie es sich nur wünschen können) ziemlich schnell nach lässt, wenn nichts im Fernsehen zu sehen ist, nirgendwo Geld ausgegeben werden kann und niemand teure Kleidung und Schmuck zu schätzen weiß.

Der wahre Star des Films ist natürlich Tom Savini, der einen grenzenlos erfinderischen Angriff auf Splatter-Effekte bietet. Sie sind alle vorhanden – Schraubenzieher durch das Ohr, Rotorblatt-Skalpierungen, zerschossene Köpfe, Macheten-Enthauptungen und Darm-Knabbereien, die alle von Regisseur und Make-up-Guru mit Begeisterung ausgeführt wurden. Natürlich schaffen es nicht alle unseres unerschrockenen Quartetts lebend heraus, aber diejenigen, die es schaffen, werden mit einem einigermaßen optimistischen Ende belohnt.

Dawn of the Dead gibt es in drei verschiedenen Versionen. Die längste 140-minütige Schnittfassung wird als „Director’s Cut“ bezeichnet, ist es in Wirklichkeit aber gar nicht – es handelt sich dabei um die Version, die Romero 1978 mit nach Cannes nahm, die nur einen kleinen Teil von Goblins hervorragender Partitur (ersetzt durch Fahrstuhlmusik) sowie erweiterte dramatische Szenen beinhaltet. Der wahre Director’s Cut ist der 126-minütige US-Kinofilm, der sich stringenter präsentiert und mehr von Goblins Musik enthält, während es sich bei der Version mit dem Titel Zombi um den von Dario Argento beaufsichtigten Continental-Cut handelt, der 110 Minuten lang läuft und den Schwerpunkt auf Action legt. Allerdings bleibt Dawn of the Dead in jeder Form einer der besten Horrorfilme des modernen Kinos.

Über die verschiedenen Versionen von Koch Media (sowie einen Vergleich zu der UK-VÖ von Second Sight) kann man in Sebastians Besprechung nachlesen.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 18 Jahren
  • Regisseur : Romero, George A.
  • Laufzeit : 2 Stunden
  • Darsteller : Emge, David, Foree, Ken, Ross, Gaylen, Savini, Tom, Reiniger, Scott
  • Untertitel: : Deutsch
  • Studio : Koch Media 

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Diese Blu-Ray wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.