Das Monster mit der Teufelsklaue / Disciple of Death

England im 17. Jahrhundert: Grauenhafte Dinge geschehen in einem kleinen Dorf nahe der Küste. Das Höllenfeuer ist entfacht und ein Abgesandter des Teufels giert nach der Seele junger Mädchen. Ralph und Julia, ein junges Liebespaar, geraten ebenfalls in die Krallen des bestialischen Schlächters. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt. (filmArt)

Das Monster mit der Teufelsklaue gehört zu den schlechtesten bzw. schwächsten Filmen, die man je gesehen hat. Es handelt sich hierbei ganz einfach um einen Stinker von bemerkenswerter Unbeholfenheit – mit einer der schlimmsten schauspielerischen Leistungen eines Hauptdarstellers in der Geschichte des Zelluloids, einigen wirklich erbärmlichen Spezialeffekten, einer Geschichte, die um Glaubwürdigkeit bettelt sowie Kameraarbeit und Regie, die einen verzweifeln lassen. Man könnte nun denken der Film wäre so schlecht, sodass er schon wieder gut ist, ist er aber nicht. Der Rezensent ist ein großer Fan solcher Filme – von Frankensteins Horror-Klinik (1973) bis zu Killer’s Moon (1978) hat er sie alle gesehen, geliebt und empfohlen – doch Disciple Of Death‘s vollkommene Amateurhaftigkeit, enorme Plumpheit und äußerst unsinniger Plot kennen keine Grenzen.

Zugegebenermaßen bezieht sich diese Tirade zum größten Teil auf Mike Raven – dem genauso spitzbärtigen, wie spitzgesichtigen Radio One – DJ aus den 60er Jahren – der es Anfang der 70er Jahre irgendwie geschafft hat sich in eine Handvoll von Filmen zu mogeln, darunter auch ein Hammer (Nur Vampire küssen blutig, 1971) und ein Amicus (Ich, ein Monster, 1971). Wie ihm das gelingen konnte, ist nicht nachvollziehbar und bleibt unklar, denn der Mann konnte einfach nicht schauspielern. Er muss trotz seiner Unfähigkeit extrem hartnäckig gewesen sein und erreichte schließlich als Star gelistet zu werden und zwar in diesem verwirrten Versuch eines Films und dem ebenso peinlichen Durcheinander Der Leichengießer von 1971. In dem vorliegenden Exemplar verkörpert Raven den titulären Jünger (der Film beginnt: „Es war einmal ein … Jünger des Todes!“), einen Zombie mit weißem Gesicht, der ein wenig herumschleicht und den Menschen aus irgendeinem Grund das Herz aus der Brust reißt. Die Geschichte (so wie sie ist) dreht sich um Julia (Marguerite Hardiman), ein vollbusiges Mädchen, das sich gegen den Willen ihres Vaters in den Bauern Ralph (Stephen Bradley) verliebt hat. Sie schwören sich gegenseitig ihre Liebe, indem sie ihr Blut mischen („wie die Zigeuner es tun“), ein Blutstropfen tropft jedoch auf DEN Boden, der zufälligerweise das ungeweihte Grab von, man kann es sich schon denken, repräsentiert. „Jetzt bin ich für immer dein“, haucht Julia ihrem Liebsten zu. „Nein, mein!“ faucht eine gruselige Stimme aus dem Untergrund.

In der folgenden Nacht wird Julias Schlafzimmer von einem Raben mit Kreidegesicht heimgesucht, der sie eine Weile lang anstarrt. Am nächsten Morgen stößt sie während eines Spaziergangs in der Nähe von Old Hall auf ihn (nun etwas lebendiger aussehend), den Lord Of The Manor, der vor 50 Jahren von derselben Zigeunerin verflucht wurde, die sich erst kürzlich geweigert hat Julias Zukunft zu lesen. Die Zigeunerin wird schon bald mit einem Strick stranguliert und kurz darauf Julias Magd Becky (Louise Jameson) mit Blut besudelt, während ihr verliebter Freund Matthew vor ihren Augen mit einem Messer ermordet wird. Auf Matthews Beerdigung bricht der lokale Pfarrer (Ronald Lacey, Jäger des verlorenen Schatzes) in eine hysterische Schimpfkanonade aus: „Das Böse ist da Draußen. Die Zigeunerin ist tot. Unser armer Freund Matthew, um den wir trauern, ist tot. Seine Verlobte … hört auf meine Worte … wird nie wieder ihre Zurechnungsfähigkeit zurückerlangen! Wer … hat dieses Böse auf uns losgelassen? Denkt nach, meine Kinder … denk nach …“ Dann wird ihm die Luft abgedrückt und als er aufschaut, erkennt er, wie Raven ihn von der Kirchentür aus mit groteskem Gesichtsausdruck angrinst.

So weit, so In den Krallen des Hexenjägers (1971), wobei es tatsächlich Momente gibt, in denen Disciple Of Death dem Tigon-Klassiker ähnelt. Diese Momente sind jedoch sehr spärlich gesät. Der Pfarrer verbietet allen Dorfbewohnern sich dem Anwesen von Old Hall zu nähern, doch das bringt Ralphs Zwillingsschwester Ruth nichts, denn der nun wieder weiß-bleiche Raven verschleppt sie so einfach mir nix, dir nix in seinen Zeremoniensaal, wo bereits eine Menge schwarzhaariger Zombie-Goth-Mädchen mit weißem Gesicht auf sie warten. Während einer urkomischen Zeremonie schwatzt er dann darüber, wie er ein Mädchen finden muss, das bereit ist, mit ihm in seinem dunklen Palast in der Hölle zu leben und bis dies endlich geschieht, muss er seinen Herrn Satan mit Jungfrauen versorgen. Ruth lehnt das Heiratsangebot ab, weshalb er ihr das Herz herausreißt (mit erbärmlich schlechten Effekten) und ihr Blut trinkt (was ihn sehr aufheitert). Zombie Ruth erscheint nun an Ralphs Fenster und lockt ihn nach Old Hall, wo Julia unter Ravens Bann stehend auf ihn wartet. „Vertrau mir …“, sagt sie ihm. „Wenn die Uhr acht schlägt, komm wieder zu mir!“

Ralph ist schließlich doch ein bisschen besorgt über all diese seltsamen Vorgänge und beschließt sich dem Pfarrer anzuvertrauen. Also konsultieren die Beiden einen alten Zauberer und dessen Zauberspiegel. Der Zauberer, ein komödiantischer Rabbi („Dies ist eure koschere jiddische Magie!“), zeigt ihnen im Spiegel, dass Raven Probleme bekommt, da Ruths Liebe zu ihrem Bruder über ihren Tod hinaus andauert (aus irgendeinem Grund wird Raven im Spiegel gezeigt, wie er beknackte Zaubertricks a-la Paul Daniels vorführt). Dann beobachten sie, wie Raven einen bösen Geist beschwört, der die gleichen Kräfte innehat wie er – allerdings aber nicht nur während der Nacht (Autsch!). Für „böser Geist“ sollte man vielleicht eher „vertikal herausgefordertes Individuum“ schreiben, da Ralph und der Pfarrer auf dem Heimweg von einem extrem wütenden Zwerg bedroht werden (man kann erkennen, dass er wütend ist, weil er ständig mit den Fäusten rüttelt und mit den Füßen stampft). Der Gnom versetzt Berge, erschafft Feuer und tosende Ströme, um die beiden Helden aufzuhalten, doch gelingt es ihnen die Anschläge mit Hilfe der mitgenommenen Zauberutensilien zu vereiteln (oh je, jetzt ist der Zwerg erst recht wütend) – bis der Pfarrer schließlich sein Leben opfert, um Ralph die Flucht zu ermöglichen.

Wie man wahrscheinlich bereits feststellen konnte, hat sich der Film in den letzten Minuten von einem schlechten Horrorfilm zu einer völligen Farce entwickelt. Zurück im Dorf findet Ralph ein Mini-Blutbad vor und eilt nach Old Hall, um Julia aus den Klauen des Bösen zu befreien, das nun entschieden hat, sich selbst um die Angelegenheit zu kümmern und dabei mit den Augenbrauen runzelt, als würde seine Karriere davon abhängen. Raven fängt Julia und Ralph daraufhin ein und beginnt sie zu foltern (meine Güte, er ist doch ein wahrer Teufel!). Seltsamerweise verschwindet er dann (warum genau wird man nie erfahren) mit den Worten „Zweifellos werden wir uns alle wiedersehen … in der Hölle!“. Was sich alle Beteiligten, die in dieses filmische Schlamassel verwickelt waren, dabei gedacht haben, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. An einigen Stellen erweckt Das Monster mit der Teufelsklaue sogar den Anschein, der Streifen wäre als Komödie gedacht gewesen. Wenn das wirklich der Fall war, ist der Witz auf dem Weg jedoch kräftig verloren gegangen.

filmArt bringt Das Monster mit der Teufelsklaue auf DVD heraus, wobei sich mit der Präsentation viel Mühe gegeben wurde (soweit es eben ging). Der Film ist bestimmt nicht jedermanns Sache aber Freunde des gepflegten Trashs sollten dem Streifen unbedingt eine Chance geben. Wer hier einen gruseligen und exzellent in Szene gesetzten Horrorfilm mit vorzüglichen Effekten erwartet wird allerdings bitter enttäuscht werden.

Bonusmaterial:
Alternative US-Fassung / Deutscher Kinotrailer / Wendecover ohne FSK-Logo

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Darsteller: Mike Raven, Ronald Lacey, Stephen Bradley, Marguerite Hardiman, Virginia Wetherell
Regisseur(e): Tom Parkinson
Format: Breitbild
Sprache: Deutsch (Mono), Englisch (Mono)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: filmArt
Produktionsjahr: 1972
Spieldauer: 80 Minuten

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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