Ballad in Blood

Lenka (Carlotta Morelli), eine tschechische Austauschstudentin und ihre Freunde finden nach einer berauschenden Halloweennacht den toten Körper ihrer britischen Freundin. Kaum in der Lage, sich zu erinnern, was in der Nacht zuvor geschehen war, versuchen die drei das Rätsel zu lösen. Der einzige Anhaltspunkt. Videos auf dem Handy der Leiche. Die drei Protagonisten beginnen sich gegenseitig zu Beschuldigen und sehr rasch werden Grenzen überschritten. Eine Geschichte voller Wahnsinn, Gewalt und Sex. (Rawside Entertainment / Redscreen)

Ruggero Deodato ist zurück und zwar mit einem Film, der als Horrorfilm verkauft wird, obwohl es sich dabei eher um ein murder mystery handelt, das leider mehr schlecht, als recht geraten ist. Dachte man bisher Cannibal Holocaust sei der traumatischste Film von Deodato, sollte man noch einmal darüber nachdenken, denn Ballad in Blood ist weitaus verstörender, wenn auch aus einem ganz anderen Grund: Der Streifen stellt den Tiefpunkt der Karriere eines der berüchtigsten italienischen Regisseure dar. Der Film ist tatsächlich so schrecklich, sodass Minaccia d’amore (Dial: Help, 1988) dagegen sogar gut wegkommt. Klar, Deodato musste mit sehr geringem Budget arbeiten, wobei man zugeben muss, dass der Film viel besser und professioneller aussieht als 99% der digitalen Filme, die man sich so anschaut. Trotzdem hat Ballad in Blood einige tödliche Mängel aufzuweisen, einen davon repräsentiert das Drehbuch selbst. Dieser Film wurde offensichtlich vom Mord an Meredith Kercher inspiriert, doch das ist eine ganz andere Geschichte.

Der Film dreht sich um die drei wilden Nachtschwärmer Jacopo (Gabriele Rossi), Lenka (Carlotta Morelli) und Duke, die nach einer durchzechten Nacht voller Alkohol und anderen Drogen die Leiche ihrer Freundin Elizabeth (Noemi Smorra) auffinden, der die Kehle durchgeschnitten wurde. Unfähig sich an die Ereignisse der vergangenen Nacht zu erinnern, versucht das Trio nun herauszufinden, was zur Hölle passiert ist. Ihre mittlerweile mehr als schwachen Nerven stehen kurz vorm Zusammenbruch, denn keiner kann dem anderen trauen. Was sich nach einer anständigen Prämisse anhört wird auf eine unzusammenhängende Art und Weise erzählt, ohne den Versuch zu unternehmen, die Motivation der Charaktere auch nur im Ansatz zu erklären, sodass sich dies alles als äußerst irritierend erweist. Die Hauptprotagonisten sind allesamt unausstehlich, ebenso widerwärtig wie die Nebenfiguren (darunter ein Zwerg, ein Typ mit Engelsflügeln und vier Cartoon artige Penner) und da die internationale Besetzung die englische Sprache übel zurichtet, verspürt man Des Öfteren den Drang aufzugeben und stattdessen etwas anderes anzuschauen. Doch wie ein Idiot schaut man dann doch bis zum bitteren Ende, in der Hoffnung, es würde eventuell ein wenig besser werden; tut es aber nicht.

Die Charaktere sind einem egal und warum Elizabeth sterben musste ist auch nicht von Interesse. Es gibt hier einfach Nichts, was interessieren könnte, weswegen es sich so gut wie unmöglich gestaltet die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Die Schauspieler machen ihre Sache eigentlich noch ganz gut, doch passen sie besser in einen Horrorfilm, für ein murder mystery spielen sie nicht überzeugend genug. Zumindest füllte Deodato (der sogar einen kurzen Cameo-Auftritt hat) den Film mit einer Menge frontaler Nacktheit sowie zeitweiliger blutiger Gewalt an, doch das Durcheinander kann dadurch auch nicht gerettet werden. Ballad in Blood hätte so viel besser sein können, doch leider geht im Drehbuch alles verloren, weswegen im Film nicht viel zu finden ist, was tatsächlich funktioniert. Ein komplettes Chaos von einem Film eines einst großartigen Regisseurs. Wirklich traurig.

Rawside Entertainment / Redscreen bringen Ballad in Blood im Mediabook als BluRay- / DVD-Combo mit drei unterschiedlich limitierten, verschiedenen Cover-Motiven heraus. Über den Film lässt sich eventuell ein wenig streiten, über die Qualität der Veröffentlichung allerdings nicht. Das Bild präsentiert sich im 1,85:1 (1080p) Format und macht einen hervorragenden Eindruck, während es beim Ton ebenso nichts zu meckern gibt. Hier stehen eine deutsche und englische Spur (DTS-HD Master Audio 5.1 und DTS-HD Master Audio 2.0) zur Auswahl, wobei man deutsche Untertitel zuschalten kann. Die Extras bestehen aus einem 24-seitigen Booklet von Christoph N. Kellerbach, Behind the Scenes und dem deutschem Trailer. Insgesamt eine sehr gelungene Mediabook-Edition, die für Liebhaber und Freunde des gepflegten Trash-Slasher-Films vielleicht einen Blick wert sein könnte.

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Darsteller: Roger Garth, Ernesto Mahieux, Carlotta Morelli, Gabriela Rossi, Gabriele Rossi
Regisseur(e): Ruggero Deodato
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.85:1
FSK: Nicht geprüft
Studio: Rawside Entertainment / Redscreen
Spieldauer: 94 Minuten

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Rawside Entertainment / Redscreen zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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