Battle Royale

Battle Royale

Battle Royale ist ein gefeiertes Meisterwerk des Regisseurs Kinji Fukasaku aus dem Jahr 2000. Das einflussreiche Survival-Spektakel war nicht nur kontrovers, brutal und nichts für Kinder, sondern auch mega erfolgreich und drei Jahre später folgte auch eine Fortsetzung.

In einer nahen Zukunft herrschen hohe Arbeitslosenzahlen, grassierende Disziplinlosigkeit bei Jugendlichen und gesellschaftliche Verwahrlosung. Die Regierung schafft mit einem Battle-Royale-Gesetz eine Art Disziplinierungs- und Unterhaltungsprogramm, bei dem aufmüpfige Schulklassen auf eine Insel geschickt werden und es wird bis zur letzten Person gekämpft. Als nächstes wird die 9. Klasse von Kitano (Takeshi Kitano) ausgelost. Sie wachen auf der Insel auf, werden kurz in die Regeln eingeführt, mit Waffen ausgestattet und dann losgeschickt – jeweils ein Halsband um das Überwachung und sofortige Tötung erlaubt. Drei Tage bleiben den nun frei ausgesetzten Teenagern, sich gegenseitig umzubringen, denn wenn dann kein Gewinner steht, explodieren alle Halsbänder. Einige bringen sich aus Verzweiflung selbst um oder begehen schlimme Fehler, andere lernen schnell dazu, oder sehen die Gelegenheit, alte Rivalitäten, Rache oder Neid auszuleben. Der etwas labile Kiriyama (Masanobu Ando) dezimiert viele Mitschüler mit einer Maschinenpistole, die hübsche Mitsuko (Ko Shibasaki) mit einer Sichel. Während Kitano regelmäßig den aktuellen Spielstand per Lautsprecher durchgibt, tun sich Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara) und Noriko (Aki Maeda) zusammen und nehmen den verwundeten Shougo (Taro Yamamoto) auf, der das Spiel schon mal überlebt hat. Shinji (Takashi Tsukamoto) wiederum versucht mit ein paar Verbündeten, das Kontrollzentrum lahmzulegen. Am Ende des Gemetzels schaffen es aber nur zwei der Kids, Kitano die Stirn zu bieten….

Battle Royale

Battle Royale basiert auf einem ebenso kontroversen Roman von Koushun Takami, das Drehbuch stammt von Kenta Fukasaku, der Regie bei der Fortsetzung übernahm, nachdem Kinji verstarb und nicht mehr als eine Szene drehte bzw. auch den Film nicht mehr sehen konnte. Die Fortsetzung genießt keinen so guten Ruf wie der erste Teil. Die Besetzung des Films besteht mehrheitlich aus Teenies, außer Chiaki Kuriyama (Kill Bill) dürften die wenigsten davon außerhalb Japans bekannt sein bzw. bekannt gewesen sein. Größter Star war natürlich Takeshi Kitano (Outrage). Der „es hätte deine Schulklasse sein können“ Effekt war natürlich beabsichtigt. Story und Ansatz von Battle Royale kann man überinterpretieren oder einfach so hinnehmen, aber aus der 2000er Perspektive war es halt einfach wild, einen Film zu sehen in dem sich die Erwachsenenwelt quasi an den aufmüpfigen Kids rächt, in dem man per Gesetz regelmäßig Schulklassen zum Gladiatorenkampf verdonnert. Von dem dystopsichen Setting darum herum bekommt man kaum noch was mit nach der Texttafel zu Beginn, auch deshalb würde ich nicht zu viel Tiefgang hinein lesen.

Battle Royale

Den Film nach so vielen Jahren wieder zu sehen brachte mich ein wenig ins Grübeln. so werden viele Elemente des Setups nicht ausgespielt, also weder das mit den Halsbändern (wegen Regelverstößen oder zu langem Aufenthalt in Quadranten explodiert quasi keins), noch das mit den unterschiedlichen Waffen. Jetzt aus dieser zeitlichen Distanz betrachtet beschäftigt sich der Film ein wenig zu sehr finde ich mit dem Rumgejammer der Teenies, deren diverser Traumata und dem doch eher wahllosen Gemetzel. Was damals bahnbrechend erschien, ist aus heutiger Perspektive konzeptionell überholt, und das liegt nicht nur an der Fortsetzung, die meines Wissens ein größeres Budget hatte, sondern vor allem auch an den Nachahmern, beispielsweise The Hunger Games und The Condemned (aktuell bei Netflix zu sehen). Angeblich wollte man in den USA auch ein Remake bringen, aber nachdem diese Hunger Games Verfilmungen auf den Markt kamen, befürchtete man wohl, es sei ein sogenanntes „cash in“, obgleich natürlich Battle Royale älter war. Ein eher direkteres Remake wenn man so will finde ich ist The Condemned, nur eben mit verurteilten Schwerverbrechern statt kreischender Teenies.

Battle Royale

Wenn man nun das eher typische japanische Overacting übersieht, und der erste Schwung Teenies ausgeknipst ist bleiben eine Reihe Gesichter übrig, bei denen sich die Drehbuchautoren doch was dabei gedacht haben, und das rettet letztlich auch den Film. Ob Mitsuko, von der man später im Film erfährt dass sie ihren Vater getötet hat, über die Gefühle des Lehrers (angedeutet) für eine Schülerin bis hin zur Motivation des Neuntklässlers, der das Spiel schon ein zweites Mal spielt. Da gibt es ein wenig mehr Tiefe, aber insgesamt denke ich schafft der Film es nur schwer, mit so viel potentiellen Haupt- und Nebenrollen zurecht zu kommen. Und wie gesagt, ich finde aus heutiger Sicht dass Fukasaku quasi viele Kernelemente des Films gar nie wirklich ausgespielt hatte, der Survival-Kampf-Aspekt war ihm deutlich weniger wichtig als das theatralische Gemetzel das man hier in wirklich all seiner Brutalität zu sehen kriegt.

Battle Royale ist schlussendlich ein absolutes Kind seiner Zeit. Doch was die Choreographie und Darstellung des Gemetzels angeht, kann der Film bis heute noch mit der Branche mithalten. Rasant geschnitten, blutige Fontainen, grausame Takedowns, da ist alles dabei was das Deathmatch-Herz begehrt, und gnadenlos geht Fukasaku vor allem damit um, wen es als nächstes erwischen könnte. Als Zuschauender sollte man sich nicht mit einzelnen Charakteren anfreunden. Insgesamt ist der Film auch heute noch sehr sehenswert und sehr unterhaltsam, lediglich wirkt er nicht mehr so bahnbrechend wie damals, und wenn man ihn heute nochmal drehen würde, ginge vermutlich viel mehr Energie in die Details und Spielregeln, den dystopischen Kontext, usw.

Battle Royale

Capelight veröffentlicht den Kultfilm erstmals (in Deutschland) und exklusiv in einer neuen 4-Disc Limited Collector’s Edition die den Film auf zwei 4K UltraHD-BluRays in Dolby Vision, HDR 10 und (im Falle der Langfassung) auch 7.1. Ton (leider nur bei der deutschen Synchronfassung!) sowie einer BluRay-Version und einer Bonus DVD präsentiert. Dieses umfangreich mit Extras ausgestattete Mediabook lässt keine Wünsche offenfür Fans (und lässt Hoffnungen auf eine äquivalente Veröffentlichung auch der Forsetzung hoffen). Für diesen Artikel habe ich mir lediglich die erweiterte Fassung angesehen, zu den Unterschieden sei auf einen entsprechenden Vergleich bei Schnittberichte verwiesen. Welche Version man bevorzugt ist letztlich Geschmacksache, ich persönlich gucke immer so viel wie möglich von einem Film, auch wenn es hier nur wirklich fünf Minuten mehr sind und es auch kein originärer „Director’s Cut“ ist.

Das Bild sieht sehr gut aus, man muss aber berücksichtigen dass einerseits der Film mit unglaublich schlechter Belichtung gefilmt wurde, vermutlich um ihm ein düsteres Aussehen zu verpassen, und andererseits aus stilistischen Gründen zumeist ein dunkler Blaufilter über dem Film liegt, aus ähnlichen Gründen. Aus heutiger Sicht finde ich das stilistisch eine seltsame Entscheidung, aber gut. Davon abgesehen sind die Farben und Kontraste sehr gut, das Bild zumeist gestochen scharf, wenn auch nicht bahnbrechend, wer vorher schon eine BluRay vom gleichen Ausgangsmaterial hatte, wird hier keine enormen Sprung erleben. Wohl gemerkt habe ich keinen 4K Bildschirm mit HDR, das dürfte also nochmal ein zusätzliche Stufe an optischer Qualität herausgekitzelt haben, man sollte sich aufgrund des doch 22 Jahre alten Filmes keine Wunder erwarten.

Der Ton hat mich von der Abmischung her ein wenig enttäuscht und genervt (Japanisch 5.1 getestet). Alles was Musik, Umgebungs- und Atmosphärengeräusche oder Untermalung war, war räumlich und sehr laut, gelitten hat dadurch die Dialogverständlichkeit und die Lautstärken-balance. Es kracht, scheppert usw. richtig doll, aber man hat doch ständig die Fernbedienung in der Hand um nachzujustieren.

Battle Royale

Weder auf der Extended Cut Disc, noch auf der Kinofassung-Disc (bei der man [auch] nervigerweise diverse Trailer nicht überspringen kann um ins Hauptmenü zu kommen) oder der BluRay, die Kinofassung und Extended Cut enthält, gibt es irgendwelche Extras, also keine Trailer, Audiokommentare oder so ähnlich. Erst die DVD enthält Extras (aber halt keine in HD Qualität). „Behind the Scenes of Battle Royale“ führt in ein Untermenü das in etwa acht Making of featurettes unterschiedlicher Länge enthält, darunter auch ein Interview mit Takeshi Kitano. Special Effekts, der Dreh, Schauspieler und vieles mehr werden behandelt. Das Haupt-Making Of alleine ist schon 50 Minuten lang, zusammen mit den anderen ist man mindestens zwei Stunden unterhalten. Unter „Trailer, TV Spots und Commercials“ findet man den Originaltrailer, den SE Trailer, TV Spots, und zwei Promo Clips. Hinter „Die Musik von Battle Royale“ findet man zwei Aufnahmen mit dem Warsaw National Philharmonic Orchester (7 Minuten und 10 Minuten) jeweils unter der Orchesterleitung von Masamichi Amano. Unter „Promotion und Premieren“ gibt es aufnahmen von der Tokyo International Film Festival Presentation und von der Pressekonferenz zur Premiere und Kinostart im Maru No Uchi Toei Movie Theater. Lustiger wird es mit „The correct way to make Battle Royale (Birthday Version)“, das 3-minütige Filmchen nimmt den Lehrfilm aus dem Film auf die Schippe und entstand zum 70. Geburtstag des Regisseurs. „The correct way to fight in Battle Royale“ wiederum ist eine vollbildige Fassung der Aufnahmen für den Film. Der Edition liegt auch ein Booklet bei mit mehreren interessanten Essays sowie einem Interview mit dem Regisseur.

Nur im Capelight Shop erhältlich. Das aber immerhin ab sofort, also zuschlagen! Exklusiv im capelight-Shop erhältlich (und nur solange der Vorrat reicht) sind beide UHD-Blu-rays (Kinofassung und Extended Cut) außerdem in einem PocketPac als Upgrade-Discs, mit denen die bisher veröffentlichten Editionen auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden können.

Die Edition wurde uns zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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