Chikago Poker / Truck Turner

Der ehemalige Football-Star Truck Turner macht als Kopfgeldjäger in den Straßen von Los Angeles Jagd auf einen brutalen Zuhälter. Mit Hilfe schlagender Argumente und seinem ultra-coolen Partner drängt er seinen Gegner immer weiter in die Enge. Doch nach einem tragischen Unfall wird der Jäger selbst gejagt – von den härtesten Profikillern der Stadt! Aber Truck schlägt zurück und liefert seinen Häschern eine ganze Serie wilder Verfolgungsjagden, Schießereien und knochenbrecherischer Faustkämpfe. Denn er weiß, dass ihm nur ein Ausweg bleibt: der Kampf auf Leben und Tod gegen Harvard Blue, den brutalen Paten des Mobs von L.A. (NSM Records)

1972 gewann Isaac Hayes mit dem Thema von Shaft (1971) einen Oscar für den besten Song, was einen bedeutenden Erfolg für den Künstler sowie einen Durchbruch für das Blacksploitation-Genre darstellte. Mit einem so großen Triumpf, der ihn auf eine höhere Ebene des Ruhms hievte, war für Hayes die Zeit gekommen, die Hauptrolle in seinem eigenen filmischen Vehikel zu übernehmen. In Anlehnung an die Shaft-Formel wurden auch dessen Sounds für einen neuen Charakter wiederbelebt. Truck Turner von 1974 bemüht sich (mit Hayes an der Spitze) einen größeren, noch stärkeren Helden aufzubauen, der als Kopfgeldjäger von einer Gruppe von wütenden Zuhältern in die Enge getrieben wird. Mit viel derber Action und harten Dialogen wurde der Film ideal an Hayes’ Unerfahrenheit als Schauspieler angepasst, da der Darsteller eher zu körperlichen anstatt zu dramatisch verbalen Auseinandersetzungen herangezogen wurde, um das Ausmaß seiner Rolle langsam auszuknobeln, weswegen Regisseur Jonathan Kaplan eine überraschende Menge an Chaos arrangierte, um sämtliche mimischen Einschränkungen verbergen zu können.

Mack „Truck“ Turner (Isaac Hayes) ist ein ehemaliger American Football Star, der nach einer Verletzung gegen Ende seiner Karriere zum Kopfgeldjäger in Los Angeles geworden ist. In Zusammenarbeit mit Jerry (Alan Weeks) durchkämmt er die Stadt auf der Suche nach Kautions-Brechern, wobei die beiden ihren Wert mit unglaublichen Erfolgen belegen können. Eine besonders schwierige Zielscheibe repräsentiert Gator (Paul Harris), ein ziemlich bösartiger Zuhälter, weswegen Truck und Jerry einen Plan aushecken, um das Versteck des Verbrechers ins Visier zu nehmen, der sich mit seiner Freundin Dorinda (Nichelle Nichols) zusammentut, um nicht in Sichtweite zu geraten. Als Gator während des mühsamen „Rückholprozesses“ getötet wird, will Dorinda Rache und fordert alle Zuhälter der Stadt auf, sich zu vereinen, um ihnen die Hälfte von Gators Geschäft als Belohnung für Trucks Kopf anzubieten. Harvard Blue (Yaphet Kotto), der seine eigene Legitimität durch Dorindas Wut bedroht sieht, ist sich dieser Aufmerksamkeit für Truck Turner nicht sicher und lässt sich in die Jagd hineinziehen, um sie zum Schweigen zu bringen.

Truck Turner stellt einen ziemlich ungewöhnlichen Helden dar. Er hat so seine Fehler und Macken, ist aber stets gut gelaunt und wird als alleinstehender Mann vorgestellt, der sich um eine Katze kümmert, die auf seine Kleidung uriniert. Er hat zwar eine Freundin, doch die sitzt im Knast, während er und seine rechte Hand Jerry tief im Kopfgeldjäger-Geschäft feststecken. Die beiden genießen ihre Buddy-Cop Chemie und machen sich auf, gemeine Gauner aufzuspüren, die sich unklugerweise dafür entschieden haben, ihren Gerichtstermin auszulassen. Truck kann beileibe nicht als Superheld beschrieben werden, besitzt jedoch eine unnatürliche Macht über Frauen, die in seiner Gegenwart vor Erregtheit praktisch verrückt spielen. Er repräsentiert einen unwiderstehlichen Charakter, der aus Ersatzteilen anderer Actionfiguren zusammengezimmert wurde, wozu Kaplan eine straßen-smarte Atmosphäre erzeugt, in der Kautionsgeschäfte die Nachbarschaft überschwemmen und Zuhälter für nächtliche Unterhaltung sorgen.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um gewöhnliche, alltägliche Zuhälter. Truck Turner präsentiert einen erweiterten Blick auf diese kunstvoll verzierten Luden, die mit Pelzen, extravaganten Hüten und Wirbelstöcken ausgerüstet eine Legion of Doom für Sexploitation-Bosse bilden. Harvard Blue (Yaphet Kotto) wird zwar als Alpha-Pimp vorgestellt, kann aber kaum als Bösewicht des Flicks bezeichnet werden. Diese Ehre wird nämlich Nichelle Nichols als Dorinda zu Teil, die aufgrund ihrer unglaublichen Wut auf Truck Turner nur rassistische Beschimpfungen und Verachtung für ihn übrig hat (und zwar auf eine Art und Weise, die eine Million Kilometer von ihrer ikonischen, bedächtigen Rolle als Uhura in Star Trek entfernt ist. Sie bietet eine fantastische Vorstellung, mental gestört und mit Schaum vorm Mund, bläst sie Kotto vom Bildschirm und lässt einen Wunsch aufkommen: Dorinda soll als Trucks Hauptgegnerin fungieren.

Truck Turner wurde mit einer relativ einfachen Handlung gesegnet, welche die beiden Kopfgeldjäger dabei verfolgt, wie sie sich bemühen Gator einzusammeln und schließlich eine Dosis ihrer eigenen Medizin erhalten, als die Zuhälter Truck in eine Falle locken wollen und dabei Jerry an seiner Stelle erschießen. Sogar die Freundin (die zwischenzeitlich aus dem Knast freikommt) des ehemaligen Football-Stars schüchtern sie ein und erhängen seine Katze. Dramatik kann hier nicht als substanziell beschrieben werden, so dass Kaplan das Seherlebnis mit sehr effektiven Verfolgungsjagden und Schießereien würzen kann. Eine der besten dieser Sequenzen stellt eine ausgedehnte Verfolgung von Gator gegen Mitte des Films dar, die in Autos beginnt und zu Fuß endet, durch etliche Straßen sowie eine Wasseraufbereitungsanlage führt, bevor sie in einer Kneipenschlägerei endet. Kaplan hält den Film am Leben, auch wenn der bei emotionaleren Begegnungen enorm ins Stolpern gerät, die aus mehreren Gründen als nicht erfolgreich bezeichnet werden müssen, einschließlich Hayes‘ begrenzter Fähigkeit vor der Kamera (er würde sich in späteren Jahren jedoch verbessern). Hinter den Kulissen ist er als Komponist des Werkes allerdings Gold wert und belebt seine Arbeit an Shaft wieder, um Truck Turner mit funky Sounds und einem namengebenden Titelsong zu versehen, damit die Glaubwürdigkeit der Figur beim Publikum gesteigert werden kann.

Truck Turner repräsentiert einen seltsamen Film, der sich oftmals unsicher ist, ob das ganze Unterfangen eher als eine Komödie oder zutiefst dramatisch angelegt sein soll. Der Tod von einigen Charakteren kommt äußerst schockierend rüber und wird mit äußerster Härte realisiert, um dem Publikum in den Magen zu schlagen. Da gibt es aber auch noch das Ende, wo ein Krankenhaus von den Helden und Schurken gleichermaßen auseinandergenommen wird und Kotto einen kleinen Jungen als menschliches Schutzschild missbraucht. Sollte der Streifen bis dahin irgendwelche Lacher abgeliefert haben, so enden sie sehr abrupt an dieser Stelle. Kaplan versteht es dennoch seine Ware an den Mann zu bringen, so ungleichmäßig sie sich manchmal auch gestalten mag und gräbt sich genauso souverän wie gelassen in der Blacksploitation-Stimmung ein. Zugegeben, er hatte mit Hayes, Kotto und Nichols schmackhafte Zutaten zur Hand, doch der Regisseur achtete auch auf die Atmosphäre und sorgte dafür, dass das Feature genügend Würze hat, auch wenn es ihm nicht immer gelang den Fokus beizubehalten. Truck Turner erweist sich als ein recht unterhaltsamer Film, der zwar einige Längen aufzuweisen, im Laufe der Jahre allerdings auch andere Regisseure beeinflusst hat.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Kaplan, Jonathan
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 31 Minuten
  • Darsteller: ‎Hayes, Isaac, Kotto, Yaphet, Weeks, Alan, Chase, Annazette, Nichols, Nichelle
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎NSM Records

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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