Das Grauen / The Changeling

Nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter verlässt der Komponist John Russell die Großstadt und zieht sich in ein altes Herrenhaus zurück, wo er hofft sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Die ersehnte Ruhe wird jedoch schon bald gestört, wobei unerklärliche Geräusche nur den Anfang darstellen. Überzeugt davon, dass eine übernatürliche Präsenz ihr Unwesen im Haus treibt, bittet er eine lokale Historikerin um Hilfe. Was die Beiden aufdecken gestaltet sich schockierender, als sie es sich je hätten vorstellen können.

Unter Peter Medaks Regie und auf Russell Hunters „wahren Geschichte“ basierend, gilt The Changeling von 1980 weithin als einer der besten amerikanischen Geisterfilme, die je gedreht wurden. Und das aus gutem Grund, denn es handelt sich hier um einen ziemlich gruseligen Streifen, der die Art von Atmosphäre und Intensität zu bieten hat, die so vielen modernen mit CGI aufgeladenen filmischen Geschichten über das Übernatürliche fehlt. The Changeling stellt uns John Russell (George C. Scott) vor, einen Pianisten sowie Komponisten aus New York City, der seine Frau und seine Tochter bei einem tragischen Autounfall während der Eröffnungssequenz verliert, die man nicht mehr so schnell vergessen kann. Vollkommen am Boden zerstört beschließt er nach Seattle, Washington, zu ziehen und dort einen neuen Job als Dozent an einer örtlichen Universität anzunehmen. Letztendlich mietet er ein bereits in die Jahre gekommenes Herrenhaus im viktorianischen Stil, welches ihm von Claire Norman (Trish Van Devere), einem Mitglied der örtlichen historischen Gesellschaft, angepriesen wurde.

Das Anwesen hat zwar schon bessere Tage gesehen, doch es ist riesig, bietet einen wunderbaren Rückzugsraum für John und da es in den letzten zwölf Jahren nicht bewohnt worden ist, stimmt auch der Preis. Während sich John so langsam einlebt, beginnen merkwürdige Dinge zu passieren. Es sind seltsame Geräusche zu hören, lautes Pochen in der Nacht, das sich jedoch nur zu ganz bestimmten Zeiten einstellt. Außerdem öffnen sich Türen von ganz alleine und eine einzelne Klaviertaste wird von einer unsichtbaren Kraft betätigt. Ein paar Tage nach seiner Ankunft fliegt etwas aus einem der obersten Fenster aus dem Inneren des Hauses, was John zum Anlass nimmt etwas herumzustöbern, wobei er eine versteckte sowie vernagelte Tür entdeckt, die zu einem Raum auf dem Dachboden führt. Als er beginnt, den Raum zu erkunden, findet er einige Hinweise auf die dunkle Vergangenheit des Hauses. Diese dunkle Vergangenheit kommt dann vollkommen ans Licht, nachdem er und Claire ein Medium eingeladen haben, um eine Séance abzuhalten. Als sich die Teile des Puzzles immer mehr zusammenfügen, findet sich John in einen Mord aus dem Jahr 1909 verstrickt, der bis in die höchsten Kreise der Stadt führt.

So, mehr wird aber nicht verraten, denn wenn man den Film noch nie zuvor gesehen hat, sollte man bis hier hin auch nicht mehr darüber wissen und wenn man den Streifen bereits kennt, braucht man sowieso keine weiteren Details zur Handlung mitgeteilt zu bekommen. Es genügt zu schreiben, dass The Changeling einige exzellente twists & turns zu bieten hat, um die erforderlichen Szenen paranormaler Aktivitäten im Spukshow-Stil zu komplementieren. Weiterhin erweist sich der Film als wahnsinnig atmosphärisch. Dem Produktionsteam, das die Sets für diesen Film zusammengestellt hat, kann nur hervorragende Arbeit attestiert werden, denn das von John gemietete alte Haus erweist sich als absolut perfekter Ort, um eine Geschichte wie diese zu inszenieren. Alles ist sehr klassisch gehalten, wobei die Architektur der viktorianischen Ära mit dem Staub und den Spinnweben sowie dem unheimlichen Licht, das durch die Fenster einfällt, wunderbar ineinandergreift … klassisches Spukhausmaterial eben (nur sehr selten gestaltet sich ein Rollstuhl so unheimlich, wie in diesem Film!). Allerdings baut The Changeling nicht nur ausschließlich auf Geistergeschichten-Klischees auf, auch wenn er ganz klar in den Traditionen des Genres verankert ist.

All dies trägt ein interessantes politisches Element in sich, das im letzten Drittel des Streifens zur Geltung kommt und ihn von anderen seiner Art unterscheidet. Dieser Aspekt (kombiniert mit dem Ursprung des Geistes) verhindert, dass sich die Vorgänge wie ein alter Hut anfühlen. Das sehr gut geschriebene Drehbuch passt hervorragend zu Medaks kontrollierter sowie stilvoller Regieführung. Die Geschichte bewegt sich in angemessenem Tempo und versteht es bestens das Interesse des Publikums zu wecken sowie aufrechtzuerhalten, ohne dass der Film zu viel zu früh offenbart. George C. Scott macht sich ausgezeichnet in der Hauptrolle, während die Nebendarsteller, die von einer sehr liebenswürdigen Trish Van Devere angeführt werden, alle großartig aufspielen.

Scott liefert eine überraschend emotionale Vorstellung ab, während er einen wirklich sympathischen Charakter verkörpert. Er ist zwar weit von seiner Leistung aus Filmen wie Patton (Patton: Rebell in Uniform, 1970) oder Hardcore (Hardcore – Ein Vater Sieht Rot, 1979) entfernt, versteht es aber trotzdem ähnlich stark aufzutreten. The Changeling hält sich auch heute noch unglaublich gut und stellt gleichzeitig einen der besten „Geister“-Filme sowie eine Krönung des Genrekinos dar. Severin Films hat diesem Streifen zu Recht eine beeindruckende Veröffentlichung auf Blu-ray spendiert, die dem Film eine hervorragende Präsentation verleiht und die Disc mit interessanten sowie unterhaltsamen Extras ausstattet. Enorm empfehlenswert!!!

Special Features:

– Audio Commentary with Director Peter Medak and Producer Joel B. Michaels moderated by Severin Films’ David Gregory
– The House On Cheesman Park: The Haunting True Story Of The Changeling
– The Music Of The Changeling: Interview with Music Arranger Kenneth Wannberg
– Building The House Of Horror: Interview with Art Director Reuben Freed
– The Psychotronic Tourist: The Changeling
– Master of Horror Mick Garris on The Changeling
– Poster & Still Gallery
– Trailer
– TV Spot

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Alterseinstufung: Nicht geprüft
Sprache: Englisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch
Untertitel: ‎Englisch
Studio: ‎Severin Films
Region: ‎Region Free
Anzahl Disks: ‎2

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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