Das Haus der lebenden Leichen / Don’t Go in the House

Auf Grund der Rechtslage in Deutschland möchten wir darauf hinweisen dass der im folgenden besprochene Spielfilm aktuell gemäß §15/18 JuSchG indiziert ist. Um unserem Bildungsauftrag nachzukommen und der kulturellen Bedeutung des Films gerecht zu werden, findet ihr im Folgenden einen Artikel zum Film Das Haus der lebenden Leichen, der sich mit Werk und Wirkung kritisch auseinandersetzt.

Donald Kohler, genannt Donny, wurde als kleiner Junge immer wieder von seiner tyrannischen Mutter brutal gequält. Er entwickelt sich zu einem einsamen und verschlossenen Mann mit deutlich sichtbaren Verhaltensstörungen. Eines Tages verstirbt seine Mutter überraschend, doch Donny hört weiterhin ihre und auch andere Stimmen. Diese befehlen ihm sich Opfer zu suchen, in denen das Böse ist. So dauert es nicht lange, bis er die erste Frau in sein Haus lockt, um sie dort unter Qualen zu verbrennen, damit das Böse aus der Welt verbannt wird.

Donny Kohler (Dan Grimaldi) arbeitet in der städtischen Verbrennungsanlage, um den Müll zu entsorgen und erleidet dort ein Trauma, als einer seiner Mitarbeiter versucht, eine Aerosoldose aus einem der Öfen zu holen, die explodiert und ihn sofort in Brand setzt. Donny steht nur fassungslos da, unfähig sich zu bewegen und als zwei andere Arbeiter herbeieilen, um die Flammen zu löschen, wird er von ihnen stark ausgeschimpft, da sie nicht verstehen können, warum er nichts unternommen hat, um seinem Kollegen zur Hilfe zu eilen. Donny hat einen „Freund“, Bobby (Robert Osth), der sich für ihn einsetzt, doch es ist wieder einmal einer dieser Tage…

Diese obskure Variante von Alfred Hitchcocks Psycho wäre wahrscheinlich völlig in Vergessenheit geraten, hätte es nicht zwei triftige Gründe gegeben, die dagegen sprechen würden. Erstens, Donny wird zum Mörder und verwendet eine ganz besondere Waffe, um seine Opfer zu exekutieren und zweitens war es eben genau dieser modus operandi, der dazu führte, dass der Film kurzzeitig auf der berüchtigten britischen Liste der sogenannten „Video Nasties“ landete, die eine Reihe von größtenteils schäbigen Horrorfilmen aufführte, die strafrechtlich verfolgt worden wären, wenn sie in diesem Land ungeschnitten gezeigt oder verbreitet worden wären. Natürlich hat sich die Zensur über die Jahre so weit gelockert, sodass fast alle diese Filme (auch für Briten) heutzutage völlig legal zu sehen bzw. erwerben sind.

Nichtsdestotrotz genossen diese Werke bei Horrorfans ein gewisses Ansehen, weil sie die „Bösen Buben“ ihres Genres repräsentierten. In Wirklichkeit vermochten es die meisten dieser Exemplare nicht ihrem Ruf gerecht zu werden und hinterließen zumeist keinen positiven Eindruck. In Das Haus der lebenden Leichen gibt es eine Szene, die für ihre Zeit unschlagbar schrecklich gestaltet worden ist, doch dabei handelt es sich um eine 2-Minuten-Sequenz aus einem 80 minütigem Film. Im weiteren Verlauf der Handlung wird dann gezeigt, wie der geistig unausgeglichene Donny sein Tageswerk verrichtet, wie er aus Unzufriedenheit sowie Langeweile lustlos und ziellos umherirrt und dabei ständig versucht, die Stimmen in seinem Kopf auszublenden.

Eine davon ist seiner Mutter zuzuordnen, die plötzlich verstorben ist, wie er feststellen muss, als er an diesem schrecklichen Tag von der Arbeit nach Hause kommt. Das wirft ihn nun selbstverständlich vollkommen aus der Bahn, wobei dem Publikum in zeitweiligen Rückblenden offenbart wird, wie er als kleiner Junge von seiner Mutter gefoltert wurde, indem sie seine Arme über dem Ofen anbrennen ließ. Als Donny nun bewusst wird, dass er endlich frei ist, tut er erstmal das, was jeder mutterdominierte Leidende zuerst tun würde: er hört laute Musik, hüpft auf einem Sessel herum und raucht eine Zigarette. Moment mal, das gestaltet sich aber alles nicht sonderlich beängstigend, also lassen Regisseur Joseph Ellison und seine Co-Autoren (darunter auch eine Frau, Ellen Hammill, vermutlich um Vorwürfe von Frauenfeindlichkeit abwehren zu können) Donny zu einem Serienmörder mutieren.

Hin und wieder wird einem die Ähnlichkeit mit einem anderen, besser bekannten „Video Nasty“ auffallen, nämlich Maniac, der zwar im selben Jahr erschienen ist, tatsächlich jedoch später gedreht wurde. Die Autoren wollten wohl hauptsächlich sowie unbedingt die Psychologie hinter ihrem Hauptprotagonisten erforschen, weswegen sie viel Zeit damit verbringen zu zeigen, wie Donny durch sein alltägliches Leben stolpert, wobei er zunehmend von seinen psychopathischen Trieben abgelenkt wird. Diese treten zu Tage, als es ihm gelingt eine Frau in das titelgebende Haus zu locken. In das Haus, in das man ja bekanntlich nicht hineingehen sollte, wobei dies bereits bei einem Blick auf Donny jedem vernünftigen Menschen hätte einleuchten müssen. Donny schlägt die Unglückliche dann KO, zieht sie aus, fesselt sie und setzt sie mit einem Flammenwerfer in Brand, was sich konzeptionell als genauso brutal erweist, wie optisch, da sich der Spezialeffekt wirklich recht realistisch präsentiert (trotz des niedrigen Budgets). Diese Sequenz ist unbestreitbar als ziemlich unappetitlich zu beschreiben, weswegen dieser Teil des Films mehr als nur einen Zuschauer komplett abgeschreckt hat – allerdings nicht unseren alten Freund Quentin Tarantino, der den Film persönlich verteidigt. Alles, was nach dieser Hinrichtungs-Sequenz folgt, führt dann zu einem vorhersehbaren Ende, wobei der Weg dorthin durchaus mindestens einen Blick wert ist.

Subkultur Entertainment bringt Das Haus der lebenden Leichen als Nr. 03 ihrer Grindhouse-Collection Vol. 2 in einer tollen DVD / Blu-Ray Combo Veröffentlichung heraus. Das Bild wird uns im 1.85:1 (1080p / anamorph) Format präsentiert, ist sehr gut restauriert worden und lässt kaum Raum zum Meckern. Der Ton bietet mit der deutschen und englischen zwei Spuren (Mono), die angenehm zu hören sind. Hierfür können wahlweise deutsche Untertitel zugeschaltet werden. Als besonderes Extra beinhaltet die Combo ein 19-seitiges Booklet mit dem Titel „Manche mögens heiss… – Traumbewältigung per Flammenwerfer: Joseph Ellisons DON’T GO IN THE HOUSE“ mit einem umfangreichen, tollen, interessanten sowie informativen Text von Pelle Felsch. Die klasse Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten O-Card Schuber daher und hat auch ein unterschiedliches Covermotiv zu bieten.

Bonusmaterial:
• Interviews mit Joseph Ellison und Dan Grimaldi
• Alternative Titelsequenz „The Burning“
• Textlose Titelsequenz
• deutscher Trailer
• US Kinotrailer
• UK Teaser
• Bildergalerie
• Open Matte Version inkl. interaktivem „Framing Feature“ (BD exklusiv)
• Grindhouse Trailershow

Bei Amazon bestellen

Freigabe des Films: Ungeprüft
Laufzeit: 79 min. PAL
Bildformat: 1,78:1 anamorph/16:9
Tonformat: deutsch Dolby Digital 1.0 / englisch Dolby Digital 1.0
Untertitel: deutsch, englisch

Die Screenshots stammen nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.