Der Sizilianer

The Sicilian ist ein Mafiadrama von Michael Cimino (Im Jahr des Drachen, The Deer Hunter) aus dem Jahr 1987. Der Film erzählt von Salvatore Giuliano (Christopher Lambert) der im Nachkriegsitalien in den Bergen Siziliens zum Ganoven aufsteigt, indem er die reichen Landbesitzer beraubt und es als Almosen unter der armen Bevölkerung verteilt. Das politisiert ihn und er beginnt für die Unabhängigkeit Siziliens zu kämpfen, will gar dass sich die Insel den USA anschließt. Es ist eine tumultreiche Zeit, in der Kommunisten, Faschisten, Aristokraten und Freischärler sich darum reissen, das Schicksal des Landes zu besiegeln. Doch Giuliano hat trotzt seines Rückhalts in der Bevölkerung nicht so starken Rückhalt wie die Allianz aus Politik, Mafia und Kirche die seit Jahrzehnten in Sizilien das Sagen hat. Er muss sich entweder dem alten Don Masino unterordnen, oder aufbegehren. Als er den Mafiosi zu mächtig wird, konspirieren sie gegen Giuliano und lassen ihn am Ende ausschalten….

Großartige Bilder von Alex Thomson (Cliffhanger) und ein mittelprächtiger Soundtrack vonCimino-Dauerpartner David Mansfield (Heaven’s Gate), der aber einfach weder Nino Rota noch Ennio Morricone ist, geben dem Film ein markantes Erscheinungsbild vor der wunderschönen Landschaft. Cimino zeigt ein handwerklich gutes Händchen, aber mit Einschränkungen, dazu gleich noch mehr, ebenso zu Lambert. Ganz zu erwähnen wären John Turturro und Giulia Boschi. Beide spielen großartige und mehrdimensionale Charaktere die auf der Leinwand Charisma ausstrahlen, ganz anders als einige andere. Schade an der Stelle übrigens, dass Barbara Sukowa eigentlich unter geht, ebenso wie Terence Stamp, der eigentlich einen der großen Widersacher im Film spielt oder spielen soll. Das sind schon mal einige der Schwächen des Films, der sich in alle Richtungen entwickelt, und dabei aber Personen links und rechts liegen lässt ohne eine Kernaussage zu treffen.

Der Film erzählt genau genommen eine Geschichte die sich zum mittleren Ende von Der Pate einfügt, und auch vom Autor Mario Puzzo stammt. Da Paramount die Rechte an allem gekauft hatte, was Der Pate war, mussten hier die Referenzen zu Corleone und Co entfernt werden. Wer genau aufpasst, und sich ein wenig mit der mythologisierten sizialianischen Mafia-Geschichte (also im Sinne von „History“) auskennt, wird diese Referenzen aber erkennen. Dabei wirkt der Film authentischer als die in Sizilien spielenden Sequenzen des zweiten Teils der Godfather-Trilogie, aber insgesamt kann der Film nicht ganz mit dessen Tiefe und Epos mithalten. Man erkennt Ciminos Größenwahn auch hier, man erkennt vereinzelt die unglaublich komplizierten Bildkompositionen, man bewundert den Versuch eine riesige komplexe Geschichte zu erzählen, doch dann. Dann was eigentlich, wieso hat Der Sizilianer nie wirklich Erfolg gehabt, weder beim Zuschauer noch bei den Kritikern? Ich denke es liegt an zwei Aspekten, beide sind ellenlang behandelt, aber hier kurz in meiner Denke: zum einen kann Lambert einfach keinen Film tragen, so leid es mir tut, das war die falsche Wahl. Zum anderen verfängt sich Cimino in seinem epischen Anspruch, und hätte gut daran getan, einen etwas kleineren Rundumschlag zu wagen. So zieht sich der Film, meandriert, umfasst tausende Namen, Motive, Politik, vergisst dabei Charaktere, und am Ende steht man mit etwas da, was der Robin Hood Siziliens hätte sein können, einer Bild gewordenen Legende, aber man hat den Film etwas später wieder vergessen. Er verpufft.

Insgesamt jedoch, und so ehrlich muss man bei aller Kritik auch sein: er macht Spaß. Nicht so viel Spaß wie Viscontis Der Leopard, in seiner Opulenz und seinem Schmacht. Aber er macht mehr Spaß als Bertoluccis 1900, der zwar auch um Längen besser ist, aber ein härterer Brocken. Im Vergleich zu beiden ist Der Sizilianer fast schon leichte Kost, aber eben unabsichtlicher Weise. Cimino scheint auch nicht sehr lernfähig zu sein. Nach ein paar weniger ambitionierten Würfen, wie dem Im Jahr des Drachen, musste es also wieder ein riesiges Historienepos sein. Wie bei eigentlich allen seinen Filmen hatte Cimino auch hier mit den Produzenten zu kämpfen. Kein Wunder eigentlich und so erschien auch Der Sizilianer zunächst stark gekürzt und rehabilitierte sich erst später wieder, aber eigentlich nie so wirklich, bei Fans und Kritikern. Heute betrachtet erscheint der Film aus der Ferne wie eine 80er-Eigenheit. Die 80er sieht und riecht man an dem Film von vorne bis hinten, aber man merkt wie gerne es ein Epos gewesen wäre wie man es aus den 70ern kannte. Wie aus der Zeit gefallen also, und so vielleicht auch Lambert selbst – ist es frech zu sagen der Mann hatte als Schauspieler nie wirklich ernsthaft eine Chance in die Oberliga auf zu steigen? Der Film wäre ja das richtige Vehikel gewesen, aber ein schlechter Fahrer gewinnt auch mit dem besten Boliden kein Rennen.

Die BluRay bietet wirklich gutes Bild und soliden Ton (Englisch getestet). Extras gibt es leider hier keine, was etwas schade ist. Insbesondere da auch dieser Film wie für Cimino typisch mit Produktionsstreitigkeiten zu kämpfen hatte, wären hier doch Zeitzeugen-Interviews nett gewesen. Jedenfalls eine Offenbarung den Film nach allen Jahren nochmal ungekürzt und in HD bewundern zu können. Unterm Strich ein großartiger Versuch des ewig von Einschränkungen gezeichneten Filmachers. Mal wieder ein etwas größenwahnsinniger Versuch, leider kein Meistwerk, gescheitert auf halber Strecke, am eigenen Anspruch an eine komplexe Story derer er nicht gerecht wird, am Hauptdarsteller der total fehlbesetzt ist, und an der Zensur der Recheinhaber, denn es hätte ein witziges Pate Prequel sein können. Ansehen? Klar, unbedingt. Aber einmal reicht, am besten in dieser großartigen Version.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt. Screenshots teilweise von BluRay.com (US release).

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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